Mobil auch ohne eigens Auto

5491 Kilometer in knapp 100 Tagen: Das ist die Resonanz aus einem halben Jahr Seniorenbus Mainhardt. Seit Ende 2015 fährt er durch das Gemeindegebiet.

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Adolf Rau aus Ziegelbronn nutzt zweimal pro Woche den Seniorenbus, um sich zur Massage nach Mainhardt bringen zu lassen. Willi Langohr aus Bubenorbis holt ihn am Schlössle ab und fährt ihn nach dem Termin wieder nach Hause.  Foto: 

18 Ehrenamtliche kümmern sich um den reibungslosen Ablauf, wenn es darum geht, die Senioren zum Arzt, zur Apotheke oder in die Einkaufsläden zu chauffieren.

Sechs Anrufe bekommt Richard Sauter am Tag auf sein Einsatztelefon, erzählt er. Die meisten Anrufer seien frühzeitig dran, um ihre Fahrt zum nächsten Gymnastik- oder Fußpflegetermin zu reservieren. „Manchmal muss es aber auch von jetzt auf nachher gehen“, erzählt der 60-Jährige. „Wenn jemand kurzfristig zum Arzt muss, schauen wir, dass wir den Fahrer erwischen und die Fahrt möglich machen.“ Richard Sauter ist einer von vier Koordinatoren des Mainhardter Seniorenbusses. Sie wechseln sich wochenweise ab und sind an Werktagen von 8 bis 12.30 Uhr und von 13.30 bis 17 Uhr auf dem Handy erreichbar. Ausgestattet mit einem iPad wird der Termin an den gerade aktiven Fahrer weitergeleitet, der die Senioren dann abholt. Elf ehrenamtliche Chauffeure sind im gesamten Gemeindegebiet unterwegs und legen dabei im Durchschnitt rund 60 Kilometer täglich zurück.

Die Tendenz der Fahrtenanzahl sei stetig ansteigend, wie Udo Kallina in einem Resümee schreibt. Auch bei der Anzahl der zu befördernden Personen sei ein kontinuierlicher Anstieg festzustellen. 25 000 Euro wurden im Haushalt 2016 für den Service Seniorenbus veranschlagt. Sie werden voraussichtlich ausreichen, ebenso wie der auf 15 000 Kilometer pro Jahr ausgelegte Leasingvertrag für den Bus, so Kallina.

Im Alter auf das eigene Auto zu verzichten, muss so kein gravierender Einschnitt sein. Viele Initiativen stehen parat, um Senioren die täglichen Fahrten zu ermöglichen. Einen Seniorenbus gibt es nicht nur in Mainhardt. Auch andere Kommunen im Landkreis bieten diese Form der Unterstützung für ihre älteren Bewohner an. Bereits seit zwei Jahren gibt es in Gaildorf ein Seniorenmobil. In Hall und seit Mai in Crailsheim übernimmt der Stadtseniorenrat diese Aufgabe. Er sei gut angelaufen und die Nachfrage sei konstant, so Pressesprecherin Michaela Butz aus Crailsheim.

Auch Ilshofen entschied sich erst kürzlich für die Einführung. Gerade warte man noch auf die Überstellung des Kleinbusses vom Autohaus, die für August versprochen ist. Danach, so Amelie Lotter, könne mit den Fahrdiensten gestartet werden. Freiwillige hätten sich auch schon gemeldet. Bei den Modalitäten habe man sich am Mainhardter Modell orientiert, erklärt die Hauptamtsmitarbeiterin. Das heißt: Fahrten  innerhalb der Gemeindegrenzen können Personen mit einem Schwerbehindertenausweis ab 50 Jahren, ohne ab 60 Jahren in Anspruch nehmen.

Unterstützung gibt es zudem von Vereinen für bürgerschaftliches Engagement, wie das Generationenbündnis in Vellberg, die Bürgerhilfe Frankenhardt, Seniorengenossenschaft Kirchberg oder die Bürgerhilfe Roßfeld. Auch sie fahren Senioren zu wichtigen Terminen und helfen, im Alter  mobil und selbstständig bleiben zu können.

Martin Keller-Combé vom Landratsamt Schwäbisch Hall möchte zukünftig mit dem Netzwerk Selbstbestimmt Leben (SeLe) „Wissen um diese Dienste bündeln“. Damit sollen neue Initiativen schneller an Informationen  kommen und  Stolpersteine in der Anfangsphase leichter umfahren werden können.
 

Seniorenbus Mainhardt

Anmeldung Fahrten des Seniorenbusses Mainhardt können unter der Telefonnummer 07903/915099 angemeldet werden. Die Passagiere müssen selbstständig ein- und aussteigen können. Für Rollstuhlfahrer ist der Seniorenbus nicht ausgestattet. Die Fahrten sind kostenfrei. Befördert werden Personen ab 50 Jahren mit Schwerbehindertenausweis und ab 60 Jahren auch ohne – und nur innerhalb des Gemeindegebiets.

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