Mit Sandalen rein, mit Stiefeln raus

Der Freundeskreis Asyl eröffnet zentrale Kleiderkammer Am Ripperg 5. Bedürftige werden dort fündig.

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Ein Vater sucht zusammen mit seiner Tochter Klamotten in der neuen Kleiderkammer des Freundeskreises Asyl aus.  Foto: 

Ein junger Mann sucht eine Jacke für seine kleine Tochter aus, zeigt sie ihr und blickt sei fragend an. Doch die nimmt sich selbst eine andere von der Kleiderstange herunter. Dabei muss sie vorsichtig sein, da eine Menge aufgeplusterter Winterjacken dicht gedrängt auf der Stange hängen. Die gefalle ihr besser, erklärt sie ihrem verdutzten Vater. Er lacht und umarmt sein Mädchen. Die Mutter schmunzelt über ihre Tochter und sieht sich die Damengarderobe bei den aufgestellten Stangen weiter rechts an.

Von dem Angebot ist sie angetan. „Das habe ich schon so lange nicht mehr gemacht, einfach ein bisschen shoppen zu gehen. Die Sachen sind wirklich schön“, freut sie sich. Einkaufsbummel der Familie müssen tatsächlich schon länger her sein. Die Flüchtlinge wollen anonym bleiben. Das dürfen sie auch. Denn in der Kleiderkammer des Freundeskreis Asyl brauchen sie keine Formulare auszufüllen. Hier wird sofort geholfen. Vor über einem Jahr ist die Idee für das Projekt „Kleider“ entstanden.

Zentrale Anlaufstelle geschaffen

Dank Erster Bürgermeisterin Bettina Wilhelm und der Stadtverwaltung konnten die drei bisherigen Klamottenlager zu einer zentralen Kleiderkammer zusammengeführt werden. In der alten Spinnerei, Am Ripperg 5, werden jetzt die Kleider ausgegeben und sollen ab Anfang Dezember auch angenommen werden.

„Das kleine Mädchen trägt Sandalen, jetzt haben wir November“, stellt Wilhelm fest. In dem riesigem Fundus findet sie prompt ein Paar Winterstiefel. Nicht nur die Masse stimmt, auch die Qualität. Seit Sommer würden die Kleider nach unterschiedlicher Wertigkeit sortiert.

„Die Flüchtlinge möchten auch kaufen. Das führt einfach zu einem besseren Gefühl, auch wenn es sich lediglich um Centbeträge handelt. Sie wollen keine Bittsteller und keine Bettler sein“, erläutert eine Mitarbeiterin, die namentlich nicht genannt werden will.

Flüchtlinge sind willkommen: Eine Mithelferin, die sich ehrenamtlich engagiert, schaukelt mit der Hand einen Kinderwagen, in dem ein Baby liegt. „Die Eltern sind heute beschäftigt, also passe ich auf das Baby auf“, freut sie sich. Während sie spricht, gibt der kleine Erdenbürger auch immer wieder Laute von sich, um sich auch ein bisschen einzubringen. Da kommen zwei junge Männer um die Ecke. Die Mitarbeiter der Kleiderkammer und Diana Pankau, Integrations- und Flüchtlingsbeauftragte für die Stadt Hall, begrüßen sie lauthals. Das Eis ist gebrochen. Die jungen Männer rufen freudig zurück. Sogleich nehmen sie Haushaltswaren in Augenschein und bewundern eine Wärmeplatte. Nachdem sie das Warenangebot begutachtet haben, gehen sie in den neuen Aufenthaltsraum. Die Kleiderkammer soll zur Begegnungsstätte werden.

Öffnungszeiten Bedürftige und Flüchtlinge können Kleider an bestimmten Tagen abholen: Dienstag, 16 bis 18 Uhr (22. November, 6. und 20. Dezember); Donnerstag, 15 bis 17 Uhr (1. und 15. Dezember). Waren werden erst Anfang Dezember angenommen. Dies wird auf der Internetseite www.freundeskreis-asyl-sha.de bekannt gegeben. Traugott Hald sucht in der benachbarten Fahrradwerkstatt dringend Fahrradanhänger für Kinder.

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