Freilichtspiele: Mit Neugier und Maßband

Thomas Winter, Regisseur des Sommermusicals „Maria, ihm schmeckt’s nicht!“, und Ausstatterin Kati Kolb begegnen erstmals der großen Treppe.

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Erstkontakt: Regisseur Thomas Winter und Ausstatterin Kati Kolb nehmen die Freilichtbühne vor St. Michael unter die Lupe.  Foto: 

Ein wolkenverhangener Himmel, eisiger Wind und drohender Nieselregen – nicht gerade die idealen Bedingungen, um sich die Große Treppe vor St. Michael und den Haller Marktplatz als Spielstätte eines deutsch-italienischen Sommermusicals vorzustellen. Aber Theaterprofis wie Thomas Winter und Kati Kolb besitzen schon von Berufs wegen Phantasie und Imaginationskraft. An jenem Februartag begegnen sie im winterlich anmutenden Hall zum ersten Mal ihrer Sommerbühne.

An der Balustrade vor dem Rathaus wird der Laptop aufgeklappt, Skizzen werden besprochen, Ideen gewälzt – und immer wieder schweift der Blick über den Platz, zur Treppe, hinauf zum Turm, zur Fassade der Häuser ringsum. Winter und Kolb gehen über den Platz, die Stufen hinauf und hinunter, hin und her. Sie lernen diesen Theaterort kennen und wollen ein Gespür für diesen Platz entwickeln – voll Neugier auf seine vielfältigen Möglichkeiten. Thomas Winter wird das Musical „Maria, ihm schmeckt’s nicht!“ von Heiko Lippmann, Max Merker und Christian Doll nach dem Bestseller von Jan Weiler in Szene setzen. Kati Kolb kümmert sich bei dieser Produktion ums Bühnenbild und die Kostüme.

Winter, der aus Berlin angereist ist, war schon einmal auf dem Haller Marktplatz. „Aber das war ja schon im letzten Jahrtausend“, winkt er lachend ab. Damals war er als Schauspieler am Theater in Heilbronn engagiert. Gemeinsam mit seiner Frau habe er einen Ausflug nach Schwäbisch Hall unternommen. Mit dem Besuch einer Freilichtspiele-Aufführung auf der Treppe hat es allerdings nicht geklappt.

Kolb kennt die Wetter-Tücken

Dafür hat Winter, der seit 2005 als freier Schauspieler arbeitet und in den vergangenen Jahren immer häufiger Regie führt – etwa an der Oper Graz oder am Theater Bielefeld –, nun Gelegenheit, selbst auf der Treppe zu inszenieren. Regie-Erfahrung mit Theater unter freiem Himmel? „Das wird meine Premiere“, sagt er voller Vorfreude. Überhaupt wolle er mit ganz offenem Blick an die Sache rangehen.

Kati Kolb aus Wiesbaden bringt derweil allerlei Freilicht-Erfahrung mit. Die Tücken von Wind und Wetter seien ihr nicht unbekannt, „ich habe auch schon Flaggen aus Kirchtürmen wehen lassen und vieles mehr“, erzählt sie. In der Vorbereitung für die Freilichtspiele Hall habe sie bereits anhand vieler Fotos geplant, skizziert und ein Bühnenmodell im Maßstab 1:50 gebaut. Wenn man dann zum ersten Mal vor der Treppe stehe, sei das zwar schon imposant, „aber ich finde mich da schnell zurecht“.

Beim Kennenlernen der Treppe hilft auch Dramaturg Florian Götz. „Wo ist denn die erste Sitzreihe?“, fragt Thomas Winter ihn. Er möchte ausprobieren, wie weit ein Darsteller oben aus dem Torbogen der Kirche treten muss, um in der ersten Zuschauerreihe auch gesehen zu werden. Kolb und Winter überlegen auch, wo Podeste stehen könnten. „Mein Zollstock liegt im Auto“, ärgert sich Kati Kolb kurz und holt ein Maßband aus ihrer Tasche, „das geht auch“. Das kreative Überlegen, Messen und Planen geht also munter weiter. Und der Sommer kommt bestimmt.

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