Mit festem Stand und ruhiger Hand

Seit acht Jahren nimmt Saskia Riedl am Bogenturnier des Kirchberger Mittelaltermarkts teil. Ihre Vorliebe für den Sport verdankt die 17-Jährige auch ihrem Vater, einem begeisterten Bogenschützen.

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  • Konzentriert nimmt Saskia Riedl ihr Ziel ins Visier. Die 17-Jährige ist Bogenschützin und hat beim Mittelaltermarkt in Kirchberg bereits Turniererfahrung gesammelt.  Privatfoto 1/2
    Konzentriert nimmt Saskia Riedl ihr Ziel ins Visier. Die 17-Jährige ist Bogenschützin und hat beim Mittelaltermarkt in Kirchberg bereits Turniererfahrung gesammelt. Privatfoto Foto: 
  • Bogenschießende Oscar-Preisträgerin: US-Schauspielerin Jennifer Lawrence als Katniss Everdeen in „Die Tribute von Panem“.  Foto: afp 2/2
    Bogenschießende Oscar-Preisträgerin: US-Schauspielerin Jennifer Lawrence als Katniss Everdeen in „Die Tribute von Panem“. Foto: afp Foto: 
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Mit einer kleinen Gruppe steigt Saskia Riedl (17) aus Kirchberg den Wanderweg am Kirchberger Schloss hinab. Die Bäume sind kahl, und eine dünne weiße Schneedecke verrät sehr schnell das Versteck des Wildschweins, das sich unglücklich hinter einem dicken Stamm aufhält. Langsam pirscht sich die Gruppe heran. Der erste Schuss gehört Saskia. Sie hebt ihren Bogen, spannt die Bogensehne. Saskia konzentriert sich, Spannung liegt in der Luft. Sie wartet auf den perfekten Moment – und schießt.

Ein Zischen beendet die Stille. Der Pfeil trifft das Wildschwein direkt in den Kopf. Doch er prallt ab. Das Gummimaterial, aus dem das 3D-Tier besteht, hat diesmal keinen Treffer zugelassen. Aber dieser eine Fehlschuss bedeutet noch gar nichts. Noch ist das Turnier nicht entschieden. Und dass Saskia den Bogen raus hat, hat sie schon einige Male bewiesen: „Am Kirchberger Jagdbogenturnier nehme ich schon seit 2009 teil. Hier habe ich auch das Bogenschießen für mich entdeckt“, erzählt sie. 2013 hat sie den dritten Platz in der Jugendkategorie belegt, in diesem Jahr den dritten Platz bei den Damen-Reiterbogen.

Beim Turnier, das während des Kirchberger Stadtfeiertags stattfindet, wird zwischen den Kategorien Primitiv, Lang, Recourve und Reiterbogen unterschieden. Es wird jeweils mit einem anderen Bogen geschossen. Neben dem richtigen Bogen empfiehlt Saskia Schutzkleidung: „Die schützt die Arme und Hände vor Verletzungen beim Schießen. Der Pfeil könnte die Haut aufreißen.“

Neben dem Bogen mit der passenden Zugkraft hat Saskia weitere Tipps für Anfänger: „Es kommt auf die Haltung an. Ein fester Stand und eine ruhige Hand schaffen hier klare Vorteile. Auch die Wetterbedingungen sollten einigermaßen passen. Starker Wind kann die Bahn des Pfeils verfälschen. Dann ist es natürlich schwer, das Ziel zu treffen.“

Was ihr an ihrem Hobby so gefällt? Saskias pfeilschnelle Antwort: „Ich bin draußen an der frischen Luft und werde gefordert. Es fördert die Konzentration und Koordination, und man verspürt ein Erfolgsgefühl, wenn man sein Ziel tatsächlich trifft.“

Turnierparcours ums Schloss

Ihre Begeisterung für das Bogenschießen verdankt Saskia zum Teil ihrem Vater Uwe Riedl (58), der selbst passionierter Bogenschütze ist. Er ist Mitglied im Verein Steppenreiter, der vielerorts Wettbewerbe und gelegentlich auch Treffen veranstaltet.

Doch das war Uwe Riedl nicht genug. Deshalb gründete er nun eine Interessengemeinschaft, die „chasseur à cheval / chasseur à pied“ – zu Deutsch „Jäger zu Pferd/Jäger zu Fuß“. Der Name rührt daher, dass sowohl aus dem Stand als auch beim Reiten geschossen wird. „Bisher sind wir zwölf Mitglieder, Tendenz steigend“, erklärt er lächelnd. Um mehr Mitglieder zu bekommen, existiert bereits eine Facebook-Seite unter dem Namen der Interessengruppe

Die Idee für diese Gemeinschaft hatte Uwe Riedl bereits vor zwei Jahren – nun hat er sie verwirklicht. Auch beim nächsten Mittelaltermarkt in Kirchberg, der im Februar stattfindet und an dem seit acht Jahren das Bogenturnier ausgetragen wird, übernimmt die Interessengemeinschaft um „chasseur à cheval/ chasseur à pied“ für 2017 die Organisation. „Wir müssen 3D-Tiere organisieren, Werbung machen und uns um die Anmeldungen kümmern. Teilnehmer können sich per E-Mail oder auch telefonisch anmelden“, erklärt Riedl.

In Kleingruppen bewegen sich die Teilnehmer bei dem Turnier auf den Wanderwegen am Kirchberger Schloss bis hinunter zum Sportplatz im Tal. „Das Turnier kann bis zu vier Stunden dauern. Winterfeste Kleidung ist daher von Vorteil.“ Die Kälte scheint die Teilnehmer allerdings nicht zu stören, da einige immer wieder dabei sind. Laut Saskia Riedl vergeht die Zeit ohnehin immer sehr schnell: „Der Kirchberger Mittelaltermarkt und die Location um das Schloss sorgen für eine passende Stimmung. Verkleidungen sind beim Turnier gerne gesehen, aber kein Muss.“

Für das Turnier und auch sonst bietet sich für Saskia gleich neben ihrem Haus die perfekte Übungsfläche: „Dort befindet sich ein brachliegendes Grundstück, das zum Übungsplatz umfunktioniert wurde. Sicherheit ist aber wichtig. Deswegen hat mein Vater eine Sicherheitsvorkehrung getroffen und eine Schutzwand aus Styroporplatten gebaut.“ Allgemein sei beim Bogenschießen Vorsicht geboten: „Man darf den Bogen nie auf andere richten, auch nicht ohne Pfeil. Das ist unter Bogenschützen tabu und auch sonst total leichtsinnig.“

Gewiss sei der Umgang mit dem Bogen nicht ungefährlich, räumt Saksia ein, betont aber auch, dass Bogenschützen ihre Sache sehr ernst nehmen und vorsichtig mit Pfeil und Bogen umgehen. Wer bei Turnieren leichtsinnig handle , werde sofort disqualifiziert. „Sicherheit geht ganz klar vor“, betont auch Uwe Riedl: „Vor dem Gesetz gilt der Bogen zwar nicht als Waffe, theoretisch kann er aber gefährlich sein. Deswegen ist ein respektvoller Umgang wichtig.“

Wenn in Kirchberg am 25. und 26. Februar 2017 Stadtfeiertag samt Mittelaltermarkt gefeiert wird, gibt es auch ein Kinder-Ritterturnier sowie zum zehnten Mal ein Bogenturnier. An diesem Fest werden alter Brauch und neue Sitten miteinander verbunden. Am historischen Markt beteiligen sich rund 60 Händler sowie Handwerker mit Vorführungen. Samstags sind Viehprämierung, Wettsägen und eine Mostprämierung geboten.

Das Bogenturnier wird an beiden Tagen jeweils einige Stunden rund um Kirchberg ausgetragen. Zudem gibt es ein Kulturprogramm mit den Spielleuten von Rebule aus Tschechien, einem Zauberer und vielen anderen Beteiligten. Der Mittelaltermarkt ist am Samstag, 25. Februar, von 10 bis 21 Uhr sowie am Sonntag, 25. Februar von 11 bis 19 Uhr.
www.kirchberg-jagst.de

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