Mit 22 Jahren ausgewandert - Ein Steinbacher wird Millionär

Ein Tourist verläuft sich wohl kaum in den Max-Kade-Weg. Da muss er schon Glück haben. So wie auch jener Mann ein Glücksfall für die Stadt Schwäbisch Hall war, nach dem der Spazierweg benannt ist.

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Der Mülleimer zwischen den beiden Holzbänkchen ist verrostet und aus der Verankerung gerissen. Daneben liegen ein paar leere Glasflaschen. Ansonsten ist dies ein idyllischer Ort unweit des geschäftigen Treibens in der Innenstadt. Moose und Flechten ergreifen allmählich Besitz von den Bänken. Blickt man über die Spitze der Urbanskirche hinweg, ist in einiger Entfernung die Steinbacher Straße auszumachen. Das entfernte Geräusch der Autos vermischt sich mit dem Zwitschern der Vögel.

Touristen verirren sich wohl kaum in den Max-Kade-Weg, einen Spazierweg in der Badersklinge. Gut möglich, dass selbst der eine oder andere Haller noch nie dort unterwegs war, wo die Seiferheldstraße endet und in den unscheinbaren Weg mündet.

Max Kade (1882 bis 1967) wurde in Steinbach geboren und wanderte zu Beginn des 20. Jahrhunderts nach Amerika aus. Als erfolgreicher Unternehmer unterstützte er seine Heimatstadt in großem Stil, wofür ihm diese 1935 die Ehrenbürgerwürde verlieh und im Jahr darauf den Weg nach ihm benannte.

Welche Art Mensch war Max Kade? Er kam als elftes von zwölf Kindern einer Eisenwaren-Fabrikantenfamilie auf die Welt. Schon zu Schulzeiten strebte er unbändig nach Freiheit. Im Jahr 1904, mit nur 22 Jahren, wanderte er nach New York aus. Dort gründete er nach wenigen Jahren ein pharmazeutisches Unternehmen. Pertussin, ein Hustensirup, brachte ihn zu Reichtum. 1908 heiratete er Annette Marie Baudais. Die Ehe blieb kinderlos.

Soweit ähnelt Max Kades Biographie der vieler erfolgreicher Auswanderer. Was ihn jedoch auszeichnete, war die Art, wie er mit seinem vielen Geld umging: Er gab es weg. Im Jahr 1944, nach dem Verkauf seines Unternehmens, gründete er die Max Kade Foundation, eine Stiftung, die sich die Völkerverständigung und die Förderung der Jugend zum Ziel gesetzt hatte, vor allem die der Studenten in Europa und Amerika. Dieser Stiftung verdanken Universitäten beispielsweise in Karlsruhe, Tübingen, Stuttgart und München großzügige Wohnheime (in Deutschland gibt es rund 100 solcher Max-Kade-Heime), Bibliotheken und Mensen.

Auch für seine Heimat war Max Kade ein wichtiger Mäzen. Zum Beispiel gab seine Stiftung Zuschüsse für die Renovierung der Michaelskirche. In den 30er-Jahren stiftete er das Freibad Schenkensee; aus den restlichen Geldern wurde der Umbau der früheren Bäckerei Beetz zum Ratskeller (heute Teil des Adelshofs) finanziert. Erhebliche Mittel gab die Foundation auch für die 1961 eingeweihte Max-Kade-Halle in Steinbach, sowie für den Sportplatz und das Keckenburgmuseum. Seit 2005 erinnert das Max-Kade-Wohnheim für Studenten im ehemaligen Gasthof zum "Grünen Baum" in der Gelbinger Gasse an den Ehrenbürger.

Parallel zu dem Bestreben, mit seinem Reichtum Gutes zu tun, entwickelte sich Max Kade in den 30er- und 40er-Jahren zum leidenschaftlichen Sammler von Druckgraphiken berühmter Meister wie Schongauer, Dürer und Rembrandt. Noch vor seinem Tod stellte er die Sammlung großen graphischen Kabinetten in München, Stuttgart und Tübingen zur Verfügung. 1967 starb Max Kade im Alter von 85 Jahren nach schwerer Krankheit. Er wurde auf dem Friedhof in seinem Geburtsort Steinbach beigesetzt. Das Grab lässt heute kaum erahnen, welch bemerkenswerter und für die Menschheit wertvoller Mann dort seine letzte Ruhe gefunden hat.

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