Minijob killt Frauenrente

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Männer können sich meist gelassen zurücklehnen. Bei Frauen ist das Leben im Ruhestand wegen geringer Renten oft angespannt.  Foto: 

Rente — eine typisch weibliche Problemzone?“ lautete die Frage beim Infoabend der Deutschen Rentenversicherung in Zusammenarbeit mit der Kontaktstelle Frau und Beruf Heilbronn-Franken in Schwäbisch Hall.  Die Antwort: Ein klares „Jein“. Frauen erhalten nicht darum deutlich weniger Ruhestandsgeld als Männer, weil sie Frauen sind, sondern da sie zuvor in aller Regel schlechter verdient, die Kinder erzogen, den Haushalt geschmissen und sich um die pflegebedürftigen Eltern gekümmert haben. Dies alles kann sich zwar auf die Höhe der Bezüge und das Erreichen des individuellen Rentenalters positiv auswirken, aber eben nur marginal.

Die Problemzone, so die nicht gerade neue Erkenntnis, ist die typische weibliche Rolle in unserer Gesellschaft und ihre mangelnde Anerkennung, auch seitens der Rentenpolitik. So erhalten Frauen im Bevölkerungsdurchschnitt am Ende eines arbeitsreichen Lebens 606 Euro, während Männer die Füße mit 1080 Euro hochlegen können.

„Es ist kompliziert“

 Wenn die Kinder aus dem Gröbsten raus sind, neigen Frauen dazu, mit einem Teilzeitjob wieder ins Berufsleben einzusteigen, führt Johanna Göller aus. Die Entscheidung für einen sogenannten Minijob bezeichnet die Beraterin von der Deutschen Rentenversicherung als „Katastrophe“. Nach heutigem Stand stünden nach zwanzig Jahren minijobben gerade mal 88 Euro monatlich auf dem Rentenbescheid.

 Für die Berechnung der persönlichen Rente und des Alters, ab dem man sie beanspruchen darf, kann der Beziehungsstatus „Es ist kompliziert“ gelten. Einfacher hat es, wer nach der Ausbildung eine Anstellung annimmt und 45 Jahre lang ohne größere Unterbrechungen arbeitet. Bei Frauen mit ihrem Hang zum Kinderkriegen sind Erziehungszeiten, Ersatzzeiten, Versorgungsausgleich, Rentensplitting, geringfügige, versicherungsfreie Beschäftigungen und mehr zu berücksichtigen.

Die ersten drei Jahre nach der Geburt eines Kindes erwirbt die Mutter, die sich in Vollzeit um ihr Baby kümmert, immerhin ähnliche Entgeltpunkte wie ein durchschnittlich verdienender Angestellter. Fand die Eheschließung nach dem 31.12. 2001 statt, gibt es für diese Erziehungszeit nach dem Tod des Mannes noch einen Zuschlag auf die Witwenrente. Bis zum zehnten Lebensjahr des Nachwuchses gelten Kinderberücksichtigungszeiten, die allerdings höchstens den Faktor Wartezeit verbessern können. Um mit der Pflege von Angehörigen ein lukratives Ergebnis zu erzielen, muss schon die höchste Pflegestufe gegeben sein. Der erforderliche Zeitaufwand spiele keine Rolle, auch wenn eine Betreuung quasi rund um die Uhr erforderlich wäre. Das sei für die betroffenen Frauen allerdings kaum zu bewältigen, räumt Johanna Göller ein.

Kostenlose Hilfe

Da die Höhe der Rente allein vom „Versicherungsleben“ abhänge, könne es keine allgemeingültige Rentenberatung geben. Bei einem persönlichen Termin biete sowohl die Deutsche Rentenversicherung als auch die Kontaktstelle Frau und Beruf Heilbronn-Franken jedoch objektive, neutrale und ganzheitliche Beratungen zu den bestehenden Ansprüchen und gegebenenfalls zu deren Optimierung an. Diese kostenlose Hilfe wahrzunehmen, ist der dringende Rat der Referentin

 Als Zuhörerinnen sind fast nur Frauen „im besten Alter“ im Vortragsraum der Deutschen Rentenversicherung in der Bahnhofstraße erschienen. Einzige Ausnahme ist die 26-jährige Lena aus Schwäbisch Hall. Sie findet es wichtig, frühzeitig die Weichen weg von der Altersarmut zu stellen. Ihre gleichaltrigen Freundinnen ließen sich von ihr nicht für den Besuch der Veranstaltung begeistern.

Den Weg durch den Rentendschungel kann sich jeder beim kostenlosen Beratungsangebot PROSA (Pro Sicherheit im Alter) der Deutschen Rentenversicherung in Schwäbisch Hall weisen lassen. Frauenspezifische Beratungen gibt es bei Kerstin Schuchmann von der unabhängigen Kontaktstelle Frau und Beruf Heilbronn-Franken in den Räumen der Haller Agentur für Arbeit. Infos unter www.frauundberuf-hn.com

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