Mehrheit für Würth und Eppler

Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim hat Erhard Eppler und Reinhold Würth gestern darüber informiert, dass sie zu Ehrenbürgern Schwäbisch Halls ernannt werden. Beide wollen die Auszeichnung annehmen.

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Der Gemeinderat hat in der nichtöffentlichen Sitzung am Mittwoch beschlossen, Dr. Dr. h.c. Erhard Eppler (87) und Professor Dr. h. c. mult. Reinhold Würth (79) mit der Ehrenbürgerschaft zu würdigen, teilt die Stadtverwaltung am Freitag mit. Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim begründet: "Beide Persönlichkeiten haben sich über Jahrzehnte hinweg und in ganz unterschiedlicher Art und Weise herausragende Verdienste um die Stadt Schwäbisch Hall, das Land Baden-Württemberg, die Bundesrepublik Deutschland und darüber hinaus erworben."

Dabei hätten beide sowohl für das Gemeinwesen der Stadt als auch für deren Außenwahrnehmung einen herausragenden Beitrag geleistet und seien mit der Stadt auf das Engste verbunden.

Es votierten, nach HT-Informationen, 22 der Räte mit Ja, es gab 4 Nein-Stimmen und 7 Enthaltungen. Die geheime Abstimmung erfolgte über beide Persönlichkeiten zugleich. Der letzte Ehrenbürger, der die Ernennung dauerhaft annahm, war der Arzt Wilhelm Dürr im Jahr 1972.

Die Auszeichnung beinhaltet den Titel "Ehrenbürger der Stadt Schwäbisch Hall", Einladungen zu Festveranstaltungen und Ehrenplätze sowie eine Option auf ein Ehrengrab.

Das Thema Ehrenbürgerschaft ist in der Stadt Hall ein heikles: Der letzte potenzielle Ehrenbürger erhielt am 13. September 1993 die Urkunde vom damaligen Oberbürgermeister Karl-Friedrich Binder überreicht. Dr. Dr. Wilhelm Pfeifer gab sie aber wenige Monate später wieder zurück. Schon beim Festakt der Verleihung standen 60 Demonstranten auf dem Haller Marktplatz. Der Vorwurf damals gegen den langjährigen CDU-Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat: Der Jurist habe der SS angehört und sei im Dritten Reich als Mitarbeiter im besetzten Böhmen und Mähren verschiedenen NS-Formationen beigetreten. Diese Mitgliedschaft stritt der mittlerweile verstorbene Pfeifer allerdings energisch ab, ist in den damaligen HT-Berichten zu lesen.

Die Erfahrungen von damals sind offensichtlich bei den aktuellen Stadträten präsent. "Wir haben lange Zeit die Haltung gehabt: Das Ehrenbürgerrecht ist nicht mehr zeitgemäß", sagt Helmut Kaiser, SPD-Fraktionsvorsitzender im Rat. Persönlichkeiten sollten vielmehr für konkrete Taten gewürdigt werden. Im Zuge der jetzigen Abstimmung hätten sich die Genossen aber überzeugen lassen.

OB Pelgrim hatte bereits vor acht Jahren, damals wurde Eppler 80 Jahre alt, vorgefühlt und war bei Teilen der CDU auf Granit gestoßen, was eine Ehrenbürgerschaft betraf. Der ehemalige CDU Ministerpräsident Erwin Teufel schrieb daraufhin den Haller Christdemokraten einen Brief, sie mögen die Bedenken gegen Eppler überwinden - offensichtlich ohne Erfolg vor Ort.

CDU-Fraktionsvorsitzender Ludger Graf von Westerholt stellte am Tag vor der Abstimmung mit dem Verweis auf Epplers Rolle im Dritten Reich die Frage, ob man ihn "so auf den Sockel heben muss". Grünen-Stadträtin Damiana Koch lobte in einem Brief an die HT-Redaktion den Mut von Westerholt, seine Skepsis öffentlich zu machen.

Eppler berichtet über seine Vergangenheit auf Nachfrage: Er sei ja eben gerade nicht in dem Teil der Hitlerjugend gewesen, die geradlinig den Vorgaben folgte. Er war vielmehr - unter anderem mit dem späteren Regisseur Oliver Storz - Teil der Spielschar, die als aufmüpfig galt und sogar verboten wurde.

Beide neuen Ehrenbüger nehmen die Würdigung an und zeigten sich erfreut. Die Stadtverwaltung teilt mit: "Es wird jetzt ein Termin für einen Festakt festgelegt."

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