Mehr Frauen, mehr Akademiker

In der Region sollen mehr Frauen in einen Beruf einsteigen, mehr junge Menschen studieren und mehr Experten von außerhalb angeworben werden. Das könne einen Mangel an Fachkräften verhindern.

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Fachkräftemangel - dieses Wort darf in keiner Diskussion über den Arbeitsmarkt fehlen. Was ist darunter zu verstehen? Jedenfalls nicht, dass es flächenübergreifend an allen Orten und in allen Branchen an Experten mangelt.

Schon jetzt eklatant ist der Mangel an Fachkräften allerdings in den Bereichen Pflege und Erziehung. Auch im wissenschaftlich-technischen Bereich finden einige Unternehmen nicht die Mitarbeiter, die sie für die Entwicklung neuer und besserer Produkte benötigen. Es fehlt an Ingenieuren, und einige Betriebe tun sich auch schwer damit, gut ausgebildete Facharbeiter an sich zu binden.

Der aktuelle Fachkräftemangel in einzelnen Branchen und an Standorten ist das eine - der zu erwartete Mangel in der Zukunft das andere.

Vor dem Hintergrund einer schrumpfenden und älter werden Gesellschaft habe zumindest der Fachkräftemangel in den nächsten Jahren Konjunktur. Um dem zu begegnen, traf sich gestern das Fachkräftebündnis Heilbronn-Franken im Heilbronner Haus der Wirtschaft. Diese Bündnis besteht aus IHK und Handwerkskammer, die Arbeitsagenturen gehören ihm ebenso an wie der Gewerkschaftsbund oder Arbeitgeberverbände.

Elke Schweig, Hauptgeschäftsführerin der IHK Heilbronn-Franken, stellte Ziele vor, damit sich Unternehmen in der Region auch in Zukunft auf gut qualifizierte Mitarbeiter stützen können. Mit den Vorgaben wolle das Fachkräftebündnis nicht im Ungefähren bleiben, vielmehr wurden die Ziele klar genannt: Anfang 2013 sind in Heilbronn-Franken 143000 Frauen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Bis 2020 sollen es 15000 mehr sein. Derzeit arbeiten 41 von 100 beschäftigten Frauen in Teilzeit.

Um 1500 soll sich die Zahl der Frauen erhöhen, die einen Fachhochschul- oder Uniabschluss haben.

Gesteigert werden soll auch die Zahl der Studierenden. Derzeit sind es 10478 - im Verhältnis so wenig wie in sonst keiner anderen Region in Baden-Württemberg. Schon in zwei Jahren sollen es 15000 sein. Unter den Studierenden soll die Zahl der Abbrecher erheblich reduziert werden. Joachim Schmider vom Ministerium für Finanzen und Wirtschaft sprach von einer bundesweiten Abbrecher-Quote von 53 Prozent in den Bereichen Elektrotechnik und Maschinenbau. Das regionale Fachkräftebündnis hat den Ehrgeiz, die Abbrecher-Quote in Heilbronn-Franken auf 20 Prozent zu senken. Auch die Zahl der Beschäftigten mit Hochschul- oder Fachhochschulabschluss soll erheblich gesteigert werden: Von derzeit 26000 auf 29000 bis 2020. Besonders hoch sei der Bedarf an technischen und Wirtschafts-Ingenieuren. Potenzial sieht das Bündnis auch darin, mehr Frauen und Männer ohne Abitur zum Studieren zu bewegen. Derzeit sind dies in der Region 46. Reduzieren will das Fachkräftebündnis die Zahl der Beschäftigten ohne Berufsausbildung - in der Region sind dies aktuell über 60000 Menschen. Schließlich sei es das Ziel, 200 gut ausgebildete Mitarbeiter aus anderen Regionen nach Heilbronn-Franken zu holen.

Die akademische Weiterbildung stecke bei vielen Unternehmen noch in den Kinderschuhen, so Rolf Blaettner vom Arbeitgeberverband Heilbronn-Franken. Stefan Gutfreund, kommissarischer Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Hall-Tauberbischofsheim, sprach davon, dass trotz einer geringen Arbeitslosenquote von 3,6 Prozent die Sockelarbeitslosigkeit hoch sei. Problematisch sei auch der Bestand an Arbeitslosen ohne Berufsausbildung.

"Wir dürfen uns nicht nur fragen: Wie bekommen wir qualifizierte Mitarbeiter?, sondern auch: Wie können wir sie halten?", gab Silke Ortwein von der DGB-Region Nordwürttemberg zu bedenken.

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