Mantrailing: Die Supernasen kommen

Mit seinem hervorragenden Geruchssinn kann jeder Hund vermisste Menschen und entlaufene Haustiere finden. Beim K-9-Suchhundezentrum werden diese Fähigkeiten trainiert. Besucher können sich davon im Freilandmuseum Wackershofen überzeugen.

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  • Wenn es nach Fawkes ginge, würde er mit Frauchen Carmen Baumgartner gleich wieder auf Spurensuche gehen. Aber die verordnet erstmal Ruhe. Eben hat der Australian Koolie die Zielperson nach Beschnüffeln eines benutzten Kaugummis in wenigen Minuten in der Feuerwehrscheune des Freilandmuseums gefunden.  1/3
    Wenn es nach Fawkes ginge, würde er mit Frauchen Carmen Baumgartner gleich wieder auf Spurensuche gehen. Aber die verordnet erstmal Ruhe. Eben hat der Australian Koolie die Zielperson nach Beschnüffeln eines benutzten Kaugummis in wenigen Minuten in der Feuerwehrscheune des Freilandmuseums gefunden. Foto: 
  • Ansi gehört der Rasse der Eurasier an und ist begeisterter Mantrailer-Hund. Was ihn aber gar nicht interessiert, ist das Stöckchen-Apportieren: „Dann schaut er einen nur an, als wollte er sagen ‚Was soll der Blödsinn?‘“, lacht Herrchen Hartmut Wolf. 2/3
    Ansi gehört der Rasse der Eurasier an und ist begeisterter Mantrailer-Hund. Was ihn aber gar nicht interessiert, ist das Stöckchen-Apportieren: „Dann schaut er einen nur an, als wollte er sagen ‚Was soll der Blödsinn?‘“, lacht Herrchen Hartmut Wolf. Foto: 
  • Warten auf den Einsatz: Die  K-9-Regionalgruppe Hohenlohe-Ostalb hat es sich im Hohenloher Freilandmuseum gemütlich gemacht.
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    Warten auf den Einsatz: Die K-9-Regionalgruppe Hohenlohe-Ostalb hat es sich im Hohenloher Freilandmuseum gemütlich gemacht. Foto: 
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Dass Hunde eine gute Nase haben, dürfte bekannt sein. Wie unfassbar fein ihr Riechorgan ist, werden jedoch die wenigsten Leute wissen. Also aufgemerkt: Die Riechschleimhaut unserer besten Freunde erreicht eine Größe von 250 Quadratzentimeter – das entspricht einem DIN-A4-Blatt. Bei Menschen sind es gerade mal fünf Quadratzentimeter. Hundenasen verfügen über 200 Millionen Riechzellen, der Mensch bringt es mühsam auf fünf Millionen. Bei der Zahl der Geruchsrezeptoren verliert unsere Spezies 350 zu 1200. Der Hund nutzt zehn Prozent seines Gehirns zum Riechen, der Mensch nur ein einziges. Dazu beherrscht selbst der kleinste Kläffer etwas, das uns Menschen völlig fremd ist: Mit dem linken Nasenloch einen anderen Geruch wahrnehmen als mit dem rechten, also quasi „Stereoriechen“.

So weit die Fakten, über die das Suchhundezentrum K-9, Regionalgruppe Hohenlohe-Ostalb, die Besucher im Freilandmuseum Wackershofen auf ausgehängten Info-Folien unterrichtet. Die Hundefreunde geben ihren Supernasen die Gelegenheit, etwas wirklich Sinnvolles mit ihrer hochspezialisierten biologischen Ausrüstung anzustellen, das allen beteiligten Vier- und Zweibeinern obendrein noch richtig viel Spaß macht: Beim „Mantrailing“ finden Hunde Menschen auf Grund der Fährte, die der individuelle Geruch hinterlässt.

Gedankenschnelles Schnuppern

Eddie braucht sechs Minuten, um „seinen“ Mann im Obergeschoss des Armenhauses zu finden. Der vierjährige Border Collie nimmt die Witterung über ein grünes Blatt auf, das der zu Suchende vorher von einem Haselstrauch gepflückt hatte. Ein gedankenschnelles Schnuppern, dann saust Eddie los. Frauchen Andrea Stölzle, die nicht weiß, wo sich die Zielperson versteckt, rennt hinterher. Es ist einigermaßen klar, wer hier wen an der langen Leine führt. Benutzt wird ein Suchgeschirr, das dafür sorgt, dass der Hund ungehindert „ziehen“ kann, was er sonst ja nicht soll. „Der Halter muss die Signale des Hundes verstehen lernen“, ruft Trainerin Nicola Rothacker im Laufschritt, „und sobald der Hund die Richtung wechselt, darf man ihm nicht den Weg verstellen, um ihn nicht zu irritieren.“

Achtstrahlige Wegkreuzungen sind im Freilandmuseum normal, und Eddie geht nach dem Ausschlussverfahren vor. Ein zorniger Puter, der seinen Harem vor dem vermeintlichen Angreifer verteidigt, lenkt ihn nur kurz ab. „Das ist eine irrsinnige Konzentrationsleistung“, erklärt die Trainerin, „die Körpertemperatur des Hundes steigt während der Suche um ein bis zwei Grad, darum darf die ganze Aktion nur ein paar Minuten dauern.“ Wenn vermisste Personen über eine längere Strecke aufzuspüren seien, müssten mehrere Hunde nacheinander ran. Extrem anstrengend sei allein schon das berühmte Schnüffeln: „300 Mal pro Minute atmet der Hund dabei ein und hebt jedes Mal winzige Geruchspartikel in seine empfindliche Sensorik.“

Eddie umkreist das Armenhaus, in dem der Gesuchte wartet. Es sind viele Gäste im Freilandmuseum, und einige besichtigen gerade das Gebäude. Schließlich stürmt der Hund die Treppe hoch. Großes Lob, Mensch wie Tier sind außer sich vor Stolz. Solche Erfolgserlebnisse machen nicht nur Freude, sie wirken sogar als Therapie, wie Nicola
Rothacker unterstreicht: „Ängstliche Hunde gewinnen auf diese Weise Selbstsicherheit, weil sie mit der Zeit merken, dass sie etwas ganz Besonderes können und ihr Besitzer ihnen in hohem Maße vertraut.“

Für Sara, die von Frauchen Anja
Dörflinger vor zweieinhalb Jahren aus einer Tötungsanstalt in Spanien gerettet wurde, war das Maintrailing ein echter Lichtblick. Die Groenendael-Hündin entwickelte sich vom „Schisser“ zum vergleichsweise selbstbewussten Tier. Sara muss ihre Zielperson im finsteren Feuerwehrmuseum auf dem Gelände finden – und hat Erfolg, obwohl sie sich im Dunkeln offensichtlich immer noch etwas fürchtet. Beim Suchen zeigen sich die verschiedenen Charaktereigenschaften der Tiere. Nicola Rothacker zählt auf: „Der Gewissenhafte verfolgt seine Spur total pingelig, der Gelassene sieht aus, als würde er spazieren gehen, der Ehrgeizige schaufelt sich mit ungeheurem Eifer voran und dann gibt es noch den Kombinierer, der nicht mit der Nase am Boden sucht, sondern mit hoch erhobenem Kopf.“

Rettung für vermisste Haustiere

Alle sechs Monate darf ein Hund eine Suchprüfung ablegen. Ähnlich wie beim Karate werden die Fortschritte mit Farben gekennzeichnet. Mit der „grünen Prüfung“ kann sich das Tier daran versuchen, nicht nur Menschen, sondern auch vermisste Katzen und andere Hunde zu finden. Auf ihrer Facebookseite meldet Alexandra Grunow, die bayrische Gründerin des K-9-Hundesuchzentrums, vor kurzem den vierzigsten „Lebendfund“ in diesem Jahr. Dazu zeigt die durch TV-Auftritte bekannte Trainerin ein Foto, auf dem eine Frau ihre Hündin Mia weinend vor Glück wieder in die Arme schließt. „Nicht jeder Hund ist bereit, andere Hunde oder Katzen zu suchen“, schränkt Nicola Rothacker ein.

Mitmachen darf jeder bei der K-9-Truppe: „Unabhängig von der Rasse und egal, ob ein Hund blind oder taub ist oder nur noch drei Beine hat. Hauptsache, er kann noch laufen.“ „Nasenarbeit“ sei die artgerechteste Beschäftigung, die es für Hunde gebe, da diese dabei kontrolliert ihrem Jagdinstinkt folgen könnten. Zu welchen Leistungen die Tiere fähig sind, beweist der Bloodhound von Alexandra Grunow: Hitchock schaffte es, einen Menschen zu finden, an dessen Taschentuch er zuvor schnuppern durfte. Das Problem: Das Taschentuch war zuvor komplett zu Asche verbrannt worden.

Das K-9-Suchhundezentrum gibt es in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Mitglieder der K-9-Regionalgruppe Hohenlohe-Ostalb freuen sich über jeden, der mit seinem Hund an einem „Schnupperkurs“ teilnehmen möchte. Unter der Adresse www.suchhunde-hohenlohe-ostalb.de kann jeder interessierte Hundebesitzer Kontakt aufnehmen. Wer sein Haustier vermisst, findet unter www.suchhunde-zentrum.de die Telefonnummer einer Notfall-Hotline. Die Suchhunde-Besitzer bieten ihren Einsatz ehrenamtlich an. cito

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