Traumberuf nach Pensionierung: Mal Baron, mal Opa

Heinz Erhardt hat nach seiner Pensionierung seinen Traumberuf als Stadt- und Burgführer gefunden. Kürzlich hat er außerdem in einem Imagefilm mitgespielt.

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Heinz Erhardt vor seinem Haus in Steinbach.  Foto: 

Guten Abend, ich heiße Heinz Erhardt.“ Kichern in der Gruppe. „Nein, ich habe nichts mit ihm zu tun.“ Sein Namensvetter war ein bekannter Komiker, Musiker und Schauspieler. Weiter geht‘s: „Willkommen in der Stadt, die noch älter ist, als sie aussieht.“

Dann geht es los: vom Haalplatz, zum Brunnen am Sparkassenplatz, zur Stadtmühle, am Folterturm vorbei, zum Schwalbennest. „Das Globe fehlt mir“, sagt Heinz Erhardt. Es war Teil seiner Führung. „Dafür hat man jetzt wieder freien Blick aufs Café Scheißfreundlich.“ Die ehemalige Bezeichnung für das heutige Café Ableitner sei vielen Hallern noch bekannt.

Keine trockenen Vorträge

Erhardt sieht man vor allem in den Nachtstunden in den verborgenen Winkeln der Stadt, eine Menschentraube um ihn herum. Er im Umhang von anno dazumal, mit einem Dreispitz auf dem Kopf und einer Laterne in der Hand. Er macht private Führungen durch die Haller Altstadt. Nicht nur als Nachtwächter, auch als Führer auf der Comburg und durch die Burg Langenburg. Oft lachen die Zuhörer. Einen trockenen Vortrag vermeidet der 72-Jährige.

„Stadt, die noch älter ist als sie aussieht.“

Vor seinem Ruhestand mit Ende 50 war er Sozialversicherungsfachangestellter. Der gebürtige Dinkelsbühler wohnt in Steinbach, am Fuße der Comburg. Eines Tages fällt ihm auf, dass er noch nie drin war. Also hat er sich ein wenig schlau gemacht, als er plötzlich las, dass ein Fremdenführer gesucht wird. Das wurde er. Kurze Zeit später suchte auch Langenburg einen Burgführer. Auch das übernahm er. Dort schlüpft er in die Rolle des „Baron von Roeder“. In einer Uniformjacke mit dicken goldenen Schulterklappen und im Zylinder amüsiert er dort die Gruppen. Jede Führung sei anders. „Es kommt auf den Input – wie man heute sagt – der Leute an.“

Immer wieder läuft der Mann mit dem weißen Spitzbart die Treppe des alten Hauses von Steinbach hinab und kommt mit einem neuen Gegenstand wieder ins Wohnzimmer. Ein Flyer, ein Fotobildband, Filme, die er aufgenommen hat.

Er wurde gefilmt von Teilnehmern einer Führung, vom SWR für die Doku „Schätze des Landes“. Und kürzlich wurde er von seinem Sohn gefilmt. Simon Erhardt ist Filmemacher und drehte einen Imagefilm für die Stadt Künzelsau. Ihm fehlte ein Opa. Und er fragte seinen Vater, der selbst siebenfacher Großvater ist. Dieser sagte ohne Umschweife zu, schaute in seiner Verkleidungskiste und fand ein Karohemd, eine Jeans, Hosenträger und einen Strohhut als geeignete fröhlicher-Opa-Montur. Das gefiel auch seinem Sohn Simon.

Stimme kommt aus dem Off

Zwei Tage haben sie in Künzelsau gedreht. Sprechen musste Heinz Erhardt nicht, das kommt von der „Stimme aus dem Off“, sagt er und kichert dabei wie man kichert, wenn man 72 Jahre alt ist und einen Begriff ausspricht, der zu modern für das Alter ist.

Als Opa musste er Fußballspielen mit dem Film-Enkelsohn Max und mit diesem ins Freilichttheater gehen. Dabei sollte er sich etwas schusselig anstellen, verwechselt Theater mit Bootsfahrt und erscheint in Schwimmweste.

Schauspielen im Film und auch als Nachtwächter oder Baron, Menschen unterhalten, zum Lachen bringen. Das wär‘ sein Beruf gewesen. Er hat ihn  gefunden, mit Ende 50.

Heinz Erhardt stammt aus Dinkelsbühl. Er arbeitete bis zu seinem Ruhestand 2000 als Sozialversicherungsfachangestellter. Er lebte ein paar Jahre in Köln und in Görlitz. Nach Hall kam er mit seiner Familie vor 37 Jahren. Sein Interesse gilt der Geschichte, insbesondere der Ahnenforschung. Bis 1595 hat er die Familiengeschichte aufgespürt und ein Buch daraus gemacht. 300 Briefe hat er noch, die sein im Krieg verschollen gebliebener Vater seiner Mutter geschrieben hat. Vielleicht fasst er sie zu einem weiteren Buch zusammen. Erhardt geht jährlich den Jakobsweg, „weil man durch schöne Landschaften kommt, nette Leute kennenlernt, sein Spanisch aufpoliert und mal was anderes essen kann.“

Hier ist der Imagefilm der Stadt Künzelsau zu sehen.

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