Märchen, die keine sind

Die aus Hall stammende Susanne Häberle hat „Weihnachtsgeschichten aus dem Heilbronner Land“ veröffentlicht. Darin sind Erinnerungen von Menschen, die sich lesen wie Märchen.

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Susanne Häberle mit ihrem Buch. Für die 39-Jährige ging damit ein Traum in Erfüllung.  Foto: 

„Du hast den Weihnachtsgeist“, sagt Francoise Hauser zu Susanne Häberle. Eigentlich hat sie, Autorin von „111 Orte, die man in Heilbronn gesehen haben muss“, den Auftrag für die Weihnachtsbuchreihe bekommen, aber sie fand ihre Freundin Susanne viel geeigneter dafür. Nicht nur mit dem Weihnachtsgeist ausgestattet, sondern vor allem mit der Fähigkeit so erzählen zu können, dass der Leser berührt wird.

Das Buch ist Teil einer Serie von Weihnachtsgeschichten aus den unterschiedlichsten Regionen Deutschlands, herausgegeben vom Wartberg Verlag.

Elf kurze Geschichten

Susanne Häberle willigte ein. Schreiben ist schon lange ihr Ding. Dass sie nun ein Buch geschrieben und veröffentlicht hat, ist ein Traum, von dem sie nicht dachte, dass er wahr würde. Elf kurze Geschichten sind auf 80 Seiten zu lesen. Es ist gelebtes Leben, erzählt von Menschen, die um die Autorin herum sind. Kennen gelernt durch einen Plausch über den Gartenzaun, in einem ihrer Ehrenämter, bei der Kirche oder in der Schule. Wer offen ist und mit einem aufrichtigen Herzen zuhöre, dem würden gerne Geschichten erzählt.

Es sind auch Erfahrungen aus ihrer eigenen Familie dabei. „Der Briefträger“ ist die Geschichte von ihrem Opa Paul. Er hat am Rollhof gewohnt und musste auch an Heilig Abend raus und Post verteilen. An diesem Tag bekam er von vielen freundlichen Empfängern einen Schnaps eingeschenkt. „Nicht selten einen guten Tropfen, ein Gläschen Palmirsch Birne auf das Weihnachtsfest, einen Willy auf das neue Jahr – und ein Likörchen auf ... Paul natürlich!“

Weihnachten im Krieg

Und es sind Geschichten, die an eine Zeit erinnern, in der es immer weniger echte Erinnerungen gibt: Weihnachten im Krieg. Da ist die Geschichte von Marie, die die Bombennacht am 4. Dezember 1944 mit ihrem Bruder im Keller verbringt – weinend, denn ihr Haus brennt lichterloh. Der Bruder versucht sie zu beruhigen. Aber sie heult nicht wegen den Bomben, sondern wegen Weihnachten. Und erst recht wegen der Plätzchen, die die Mutter gerade mit viel Liebe gebacken hat. Der Bruder tröstet: „Mariechen, Schluss mit Weinen! Die Plätzchen sind längst nicht mehr im Haus. Ich habe das Versteck schon nach einem Tag entdeckt – und sie alle aufgegessen.“

Susanne Häberle schreibt die Geschichte des Drechslers im Ort auf, einem 75-Jährigen, der im Krieg noch ein Säugling war, aber ihr aus eigenen Erzählungen berichtet, wie es sich wohl damals in der eisigen Dezembernacht 1944 zugetragen hat. Damals, als seine Mutter mit ihren Kindern bei ihren Eltern, mit denen sie zerstritten war, Schutz suchte. Sie las ihm die fertige Geschichte vor. Bewegt sagte er: „Ich habe ja keine Ahnung, wie es wirklich war, aber ich glaube, so war es.“

Krippenbauer aus dem Internet

Übers Internet fand sie einen Krippenbauer aus Untergruppenbach. Susanne Häberle schaute ihm zu, wie er Krippen aus Weinrebenholz herstellte. Und nebenbei fragte sie ihn nach seinen Weihnachtserinnerungen. „Ich bin kein großer Erzähler“, sagte der, „mir waren acht Kinder, da ist es recht spärlich ausgefallen. Es gab vielleicht was zu Schlecken.“

Manche Geschichten sind mit ihrer Phantasie erweitert, drei oder viermal umgeschrieben, von Januar bis Juni hat sie daran geschrieben. Jetzt liegt das fertige Werk in der Osiander Buchhandlung in Heilbronn. Sie sieht es, und davor zwei Frauen. „Was sollen wir ihm denn schenken?“, hört sie sie sagen. Und Häberle kann nicht anders, als zu den beiden hinzugehen und ihnen das Buch zu empfehlen, mit dem Zusatz, dass sie es geschrieben hat. Peinlich, fand das ihre Tochter.

In der Kirchhausener Grundschule, in der sie demnächst eine kleine Lesung hält, wird sie sagen: „Eure Träume können wahr werden.“

Susanne Häberle, geborene Brenner, ist 39 Jahre alt. Sie wuchs in Hall auf, ging auf das Erasmus-Widmann-Gymnasium. Sie ist Hebamme, verheiratet und hat vier Kinder. Mit ihrer Familie lebt sie seit acht Jahren in Kirchhausen bei Heilbronn. Sie ist manchen Hallern auch bekannt als Filzgestalterin vom Kunsthandwerkermarkt in der Hospitalkirche, an dem sie mehrfach teilgenommen hat.

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