Live-Interview in Michelbach mit Bürgermeister Werner Dörr - mit Video

Rund 200 Michelbacher sind am Donnerstag zum Dorfplatz zum HT-Vor-Ort-Termin gekommen. Im Interview mit Bürgermeister Werner Dörr ging es um viele Themen, aber natürlich auch um die Windkraft.

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Die Zuschauer auf dem gut besuchten Michelbacher Dorfplatz riskierten schon mal einen Blick nach oben. Am Himmel braute sich ganz schön was zusammen. Aber, so viel sei einleitend veraten, während des Bürgermeister-Interviews hat es nicht geregnet.

Video: Bürgermeister Werner Dörr im Interview

Zu Beginn des Gesprächs ließ Chefredakteur Dr. Marcus Haas ein paar biografische Details zu Michelbachs Bürgermeister Werner Dörr fallen. Der 52-Jährige war beispielsweise vor seiner Ausbildung im gehobenen, nichttechnischen Verwaltungsdienst zwei Jahre bei der Bundeswehr. „Dort habe ich gelernt, Ordnung zu halten“, sagte Dörr. Nach seiner Ausbildung war er zwölf Jahre in seiner Heimatgemeinde Mulfingen in der Verwaltung tätig, wo er „sein Handwerkszeug“ gelernt habe. Den Schritt wegzugehen, um 2008 in Michelbach Bürgermeister zu werden, habe er aber nie bereut. „Für mich ist Michelbach einfach attraktiv und lebenswert“, so Dörr, um seine Gemeinde noch weiter zu loben. Ein großer Standortvorteil sei so das Schulzentrum, dass Michelbach auch weit in der Region bekannt mache. Er lobte auch das Vereinsleben und das große ehrenamtliche Engagenment in der Gemeinde.

Werner Dörr: "Viele junge Leute wollen in Michelbach bauen"

Eine erste Leserfrage drehte sich um den langen Prozess, ein Planungsbüro für das geplante Baugebiet „Taubental“ zu finden. „Das Kreisplanungsamt hat bei uns schon viel geplant, daher dachte ich, wir sollten es mal mit einem anderen Büro versuchen“, erklärte Dörr. Leider habe es im Gemeinderat ein Abstimmungspatt gegeben. Bei der nächsten Sitzung habe es dieselbe Konstellation gegeben, daher sei er umgeschwenkt und habe mit der knappen Mehrheit doch für das Kreisplanungsamt gestimmt. „Viele junge Leute wollen in Michelbach bauen, das müssen wir ihnen schnell ermöglichen“, so Dörr.

Um den Tourismus drehte sich die nächste Frage. Warum man sich hier nicht mehr darum bemühe, wollte ein Leser wissen. „Wir haben hier leider keine großen Sehenswürdigkeiten außer unserer schönen Natur“, sagte Dörr. Dieses Jahr habe man aber schon drei Wanderwege ausgeschildert. Dörr hofft damit Wanderer anzulocken, die „auch in unseren Gaststätten einkehren werden“. Diese Wege wie auch die Mitgliedschaft im Naturpark Schwäbisch-Fraänkischer Wald seien als „Startschuss“ zu verstehen, beim Versuch, den Tourismus anzukurbeln.

Dann war es an der Zeit für ein Thema, dass die Gemeinde Michelbach schon seit geraumer Zeit umtreibt: die Windkraft. Ein Leser wollte wissen, wann denn die rechtliche Auseinandersetzung beendet sei und wie viel Geld das alles verschlungen habe. „Uns geht es um die rechtliche Prüfung des Verfahrens“, stellte Dörr klar, so habe man es auch bei der Auffüllung im Steinbruch Wilhelmsglück gehalten.

Der Gemeinde sei es vor allem darum gegangen, die Konzentrationsfläche der Windkraftanlagen weiter weg von der Gemeinde zu bekommen. Immerhin lägen 200 Hektar dieser Fläche auf Gemarkung Michelbach. Nun sei man aber erst einmal im Rechtsstreit unterlegen. Der Gemeinderat werde nun zu entscheiden haben, ob weiter juristisch vorgegangen werden soll, oder nicht – eine Option wäre zum Beispiel eine Beschwerde beim Verwaltungsgerichtshof in Mannheim. Einer Entscheidung des Gremiums wollte Dörr aber nicht vorgreifen. Er stellte aber klar: „Wir wissen, dass wir uns an die Spielregeln zu halten haben.“ Die Frage nach den Kosten ließ Dörr allerdings unbeantwortet.

Ein weiteres Ärgernis ist die gesperrte Kocherbrücke bei Wilhemsglück im Verlauf der K2596. Der Landkreis überlegt, die Straße als Gemeindeverbindungsstraße herabzustufen, was bedeuten würde, dass die Gemeinden Michelbach und Rosengarten für die Brückensanierung in Höhe von rund einer Million Euro aufkommen müssten. „Wir werden das nicht so einfach hinnehmen“, sagte Dörr.

Warum die Gemeinde mehr Geld für Mitarbeiter in der Verwaltung ausgebe, als für Arbeiter, beispielsweise im Bauhof, wollte ein weiterer Leser wissen. „Im Landesdurchschnitt betrachtet sind wir in der Verwaltung unterbesetzt“, stellte Dörr fest, „im Bauhof aber nicht.“ Im Hinblick auf ein „grünes Michelbach“ und die Pflege der Grünanlagen müsse man hier aber zu gegebener Zeit nachsteuern.

"Michelbach auf Vordermann bringen"

Trotz vieler Investitionen beispielsweise in die Betreuung habe man in Michelbach seit 2008 Schulden abgebaut, erklärte Dörr: „Unser Ziel ist, die Pro-Kopf-Verschuldung unter 400 Euro zu bekommen.“ Daran sollen auch kommende Investitionen wie in die Sanierung der Schulturnhalle für rund 400.000 Euro und in die Kläranlage von rund 4,5 Millionen Euro nichts ändern.

„Wir wollen Michelbach wieder grundlegend auf Vordermann bringen“, gab Dörr als Motto der kommenden Jahr aus. Es gebe Nachholbedarf bei den öffentlichen Gebäuden, unter anderem der „alten Dame“ Rudolf-Then-Halle. „Aber erst machen wir unsere Hausaufgaben. Dann werden weitersehen“, sagte Dörr abschließend.

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