Live-Interview in Braunsbach mit Bürgermeister Frank Harsch

Dieser Vor-Ort-Termin hatte schon fast Dorffestcharakter. Rund 250 Braunsbacher haben sich auf dem Marktplatz das Live-Interview mit ihrem Bürgermeister Frank Harsch angeschaut.

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Die Bierbänke sind alle besetzt, die Braunsbacher unterhalten sich und genießen einen wunderbaren Sommerabend bei kühlen Getränken und einer Grillwurst vom TSV. Die Unterhaltungen verstummen, als HT-Chefredakteur Dr. Marcus Haas und Bürgermeister Frank Harsch die Bühne besteigen – nur von der Hüpfburg ist noch fröhliches Kindergeschrei zu hören.

Haas eröffnet das Interview mit ein paar biografischen Daten zum Schultes. So erfahren die Zuhörer, das der 44-jährige Harsch aus einer Teilerwerbswinzerfamilie aus der Nähe von Ludwigsburg stammt, eine Ausbildung bei der Post gemacht hat und nach dem Studium verschiedene Beratertätigkeiten inne hatte, bis er 2004 Bürgermeister in Braunsbach geworden ist. Seine Wiederwahl 2012 mit 90 Prozent Zustimmung bei einer Wahlbeteiligung von 50 Prozent kommentiert Harsch launig: „Wir sind ja nicht in Ost-Berlin, da hätte es dann 99 Prozent gegeben.“

Video: HT-Interview mit Bürgermeister Frank Harsch

Harsch lebt gern in Braunsbach wegen der ganzen „unterschiedlichen Charaktere von Menschen, die hier zusammen kommen“. Er ist immer wieder erstaunt, was man in der Gemeinde trotz der wenigen Mittel alles bewege. „So Leute wie hier muss man erst mal finden“, sagt Harsch und lobt die hohe Identifikation der Braunsbacher mit ihrer Gemeinde. Trotzdem: „Wir können auch noch vieles besser machen.“

Dr. Haas hatte einen ganzen Haufen von Leserfragen mitgebracht. Zum Stand der Bauarbeiten am Sportpark sagte Harsch, dass die Erdarbeiten abgeschlossen seien und man noch in diesem Jahr den Kunstrasen aufbringen wolle. Ein Leser wollte dazu wissen, warum es zum Sportpark keine Bürgerbeteiligung gegeben habe. Harsch erklärte, dass dafür laut Kommunalrecht eine Zweidrittelmehrheit im Gemeinderat nötig gewesen wäre. Es habe aber nur eine einfache Mehrheit gegeben. „Das hat eben nicht gereicht.“ Der Sportpark werte die Gemeinde ungemein auf.

Warum dafür Geld da sei, nicht aber für die Versorgung von Jungholzhausen mit schnellem Internet, wollte ein weiterer Leser wissen. „Da den Hang hoch Rohre zu verlegen, kostet richtig Geld“, sagte Harsch. Selbst bei einer Maximalförderung würden noch rund 120.000 Euro an der Gemeinde hängenbleiben, die nicht da seien. Es gebe aber ein neues Modell des Landes, bei dem eine 90-prozentige Förderung möglich sei. Dies werde geprüft, und wenn es passe auch beantragt.

Doppelte Termine im Veranstaltungskalender bemängelte ein weiterer Leser. „Die Kritik ist angekommen“, sagte Harsch. Man werde bei den nächsten Terminplanungen genauer drauf achten.

Ein Gewerbegebiet für Braunsbach macht für den Bürgermeister keinen Sinn. „So etwas sollte in Autobahnnähe sein“, meinte er. Außerdem bedeute Ansiedlung von Gewerbe nicht automatisch höhere Steuereinnahmen.

Zum Thema Wohnungen berichtete Harsch, dass man in Gesprächen mit einem Bauträger sei. Er wolle aber noch nichts versprechen. Man sei auch beim Thema barrierefreies Seniorenwohnen seit Jahren dran, aber dafür müsse für ein Gebäude auch genügend hochwasserfreie Fläche vorhanden sein. Aber: „Da läuft was“, so Harsch. Fördermittel könnten zum Beispiel aus dem Entwicklungsprogramm ländlicher Raum generiert werden. Das Thema Senioren läge ihm sehr am Herzen: „Wenn ich das Geld hätte, würde ich sofort einen entsprechenden Bau hinsetzen.“

Bei Pro-Kopf-Verschuldung weit vorne

Mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von rund 2000 Euro sei man leider „weit vorne im Kreisvergleich“. Schuldenabbau sei aber das Ziel, allein in diesem Jahr wolle man mehrere 100.000 Euro abbauen. Das sei aber generell bei einer Flächengemeinde wie Braunsbach ein schwieriges Thema. „Wir müssen eben mit Zuweisungen leben“, stellte Harsch fest.

Beim Thema Asyl lobte Harsch das „phänomenale Engagement“ der Menschen in Orlach, die die dort lebenden 24 Flüchtlinge aus dem Kosovo unterstützen. „Aber diese Menschen haben kaum eine Chance, hier bleiben zu können“, sagte der Bürgermeister und forderte, dass „die Politik bis zum Winter reagieren“ müsse.

„Wenn ich pensioniert bin, schreibe ich dazu mal ein Buch“, so leitete Harsch seine Antwort auf die Frage nach dem geplanten Windpark bei Orlach/Zottishofen ein. „Keiner will Atomkraft, aber Windkraft will auch keiner.“ Es habe in dem Zusammenhang Gespräche gegeben, die „unter die Gürtellinie“ gegangen seien. Immer, wenn eine Planstufe abgeschlossen worden sei, sei ein anderes schützenswertes Tier gekommen. „Wenn wir erneuerbare Energien wollen, müssen wir sie auch ermöglichen“, sagte Harsch und warnte davor, potenzielle Investoren zu vergraulen.

Abschließend stellte Harsch auf Dr. Haas’ Frage, ob er denn Ambitionen für die Haller Freilichtspiele habe, fest, dass das Theaterspielen für ihn nur ein „tolles Hobby“ sei. Sein weiteres ist übrigens die Waldarbeit. Damit spare er sich auch das Fitness-Studio: „Das ist mir zu teuer, da bin ich Schwab’“.

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