Linse mit Markennamen

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Linsen hatten lange keinen guten Ruf. „Linsen mit Spätzle“ galt als Arme-Leute-Essen. In Mode kamen Linsen mit der vegetarischen Küche; auch Sterneköche begannen, mit der Hülsenfrucht  zu experimentieren. Mitte der 1980er Jahre wurde auf der Schwäbischen Alb wieder die Tradition des Linsenanbaus aufgenommen; 2001eine Erzeugergemeinschaft gegründet, um die Nachfrage zu decken. Dort produzieren inzwischen mehr als 70 Bauernhöfe die Alblinse. Die Hülsenfrucht ist für die Landwirte ein wichtiges weiteres Standbein. Ist so eine Entwicklung auch mit der Mainhardter Räuberlinse denkbar? Immerhin ist die Linse inzwischen geschützt – Scholl hat den Namen „Räuberlinse“ als geschütztes Warenzeichen eintragen lassen. Zehn Jahre lang ist die Marke geschützt. Dann werde man sehen, so Scholl. Auf die Frage, ob er andere Anbauer aus dem Mainhardter Wald mit ins Boot holen werde, wehrt er ab. „Das bleibt in Familienhand.“ Anfragen habe es schon gegeben.

Erste Ernte vor fünf Jahren

Vor fünf Jahren, als Gerhard Scholl seine erste Ernte auf den Markt brachte, kamen nach dem Auftaktbericht im Haller Tagblatt die Leute mit dem Zeitungsausschnitt in der Hand zu den Verkaufsstellen. „Das Ding hat eingeschlagen“, sagt Scholl und schmunzelt. Die Ernte des ersten Jahres reichte kaum, um die Nachfrage zu decken. Auch in den darauffolgenden Jahren, und das obgleich die Anbauflächen kontinuierlich ausgeweitet wurden. Bestellte Gerhard Scholl im ersten Jahr gerade mal 0,75 Hektar, sind es heuer beinahe zehn Hektar. Was als Freizeitvergnügen begann, um im Ruhestand eine schöne Aufgabe zu haben, ist vom Arbeitsaufwand und der Größe her inzwischen ein kleines Unternehmen. Wobei Scholl (64 Jahre alt, seit einem Monat in Rente) weiterhin von seinem Hobby spricht.

Es geht raus zu den Äckern. Die im März gesäten Hülsenfrüchte sind  jetzt  fünf bis acht Zentimeter hoch gewachsen. An dem ersten Feld, das Scholl zeigt, verweist er bedauernd auf wadenhohe Unkräuter – „Beikräuter“, wie Scholl sagt.  Dem Ampfer soll bei einem Familientag mit der Hacke zu Leibe gerückt werden. Auf Spritzmittel verzichtet Scholl, der früher übrigens bei der Landesanstalt für Pflanzenzucht beim Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel mitgearbeitet hat. „Der Verbraucher will das so, das kann man auch liefern“, meint er. Das sei keine generelle Absage an die Chemie.

Räuberische Namensgeber

Die Tour geht weiter. Beim Gögelhof, gegenüber der Zufahrt zur Theaterwiese, wachsen ebenso Schollsche Linsen. Es scheint der richtige Platz zu sein, in zweifacher Hinsicht. Denn zum Einen stehen dort die Pflanzen doppelt so hoch wie auf dem ersten Feld, zum Zweiten sind die Linsen ja nach den Räubern vom Mainhardter Wald benannt. Diese hatten im Gögelhof ihren Rückzugsort.

Nussiger Geschmack

Vor acht, neun Jahren hatte Scholl damit angefangen, verschiedene Linsen anzubauen, rote, gelbe, Tellerlinsen, Alblinsen, Belugalinsen. Als er in Südfrankreich eine Du-Puy-Linse serviert bekam, war es um ihn geschehen: „Die war’s.“ Eine dünne Schale, nussiger Geschmack, eine Linse mit Biss und schöner grüner Farbe. Tage war er unterwegs, um ohne Französischkenntnisse Saatgut der Linse zu kaufen. Mit zwei Säcken zu je 25 Kilogramm kehrte er zurück und begann im  Jahr darauf mit dem Anbau.

Info: Räuberlinsen gibt es im lokalen Handel, auch im HT-Shop in der Haller Innenstadt. Zudem vertreiben sie die Scholls auf Märkten.

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