Liebevoller Liederabend

Wer schön sein will, muss hier nicht leiden, sondern lachen: „Die AchtLosen“ servieren im Haller Theaterkeller am Hafenmarkt einen köstlichen, musikalischen Abend rund ums gute Aussehen.

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Hahn im Korb zu sein ist „Einfach schön“: Hilde Stadelmaier, Annegret Paerschke und Margarete Friz umgarnen Hans Werner Schmidt mit süßen Gesängen beim Liederabend der „Achtlosen“.  Foto: 

Selten war ein Titel zutreffender: „Einfach schön“ heißt das neueste Kabinettstück der Gruppe „Die AchtLosen“. Bei dem hingebungsvoll gesungenen Reigen aus Evergreens, Chansons und Opern-Arien macht die Zuschauer nur eines traurig – nämlich, dass dieses mitreißende Vergnügen nach einer Stunde schon wieder vorbei ist.

 Das Bühnenbild besteht aus einem schlichten Wartezimmer. Es stellt sich heraus, dass der Raum im neuen Haller Ärztehaus stationiert ist, wo, wie „Patient“ Hans Werner Schmidt bemerkt, selbst ein Therapeut für narzisstische Störungen zur Verfügung steht. Dieser nimmt sich der vier Damen an, von denen sich jede für die Allerschönste überhaupt hält. Da sich Frauen aber vorwiegend für die Männerwelt aufbrezeln, genießt es Schmidt – der im richtigen Leben Leiter des Goethe-Instituts ist –, sich von den schrill gewandeten Grazien anhimmeln zu lassen.

In Miss-Piggy-Pumps (Annegret Paerschke) und knallroten Lack-Stilettos (Inge Difflipp), Glitzerstrümpfen (Hilde Stadelmaier), rosakariertem Schneiderkostüm nebst Perlenkettchen (Margarete Friz) fühlen sie sich „pretty, oh so pretty“. Sie sehnen sich nach dem perfekten Attraktivitätsmix („zur Hälfte Sex, zur Hälfte Appeal“), stellen den Schönheitswahn jedoch auch in Frage („Bin das noch ich? Statt Augenbrauen ein Strich?“). Sie beträllern solo oder im glockenklaren Chor den Kampf um eine schlanke Figur.

 Die drei Männer sind, ganz wie im richtigen Leben, vorwiegend zum Stänkern da. Wolf Döhner im frankophilen Baskenmützen-Outfit liebt das Mädchen mit den drei blauen Augen, Regisseur Walter Wollmann beäugt die überkandidelten Ladys mit grimmiger Miene und richtet schließlich die Zauberflöten-Arie „Dies Bildnis ist bezaubernd schön“ nicht etwa an sie, sondern an eine mysteriöse Angebetete, deren überraschende Natur sich erst am Ende offenbart und die Verschmähten zu Recht erzürnt.

Dass sie den stoffligen Kerlen dennoch zugeneigt sind, bekennen die Schönheiten in ihrer perfekt auf Schwäbisch geswingten Version von „Bei mir bistu shein“. Ein Auszug: „Bei mir bisch du schee, mei Herz dud mir weh, wenn i di seh, na bin i halber hee …“.

Das Lieder-Arrangement stammt von Marlene Wollmann, die das Schönheits-Spektakel am Klavier begleitet. Für die ebenso bösen wie genial gereimten Chansons von Georg Kreisler hat sie die Aufführungsrechte vom Künstler, als er noch lebte, persönlich erhalten.

 Als Fazit dieses liebevollen Liederabends kann eine Zeile aus dem Lied über den Schönen Sigismund gelten: „Man soll doch froh sein, dass es sowas Schönes gibt.“

Info Wer sich die Aufführung ansehen will: Im Januar – an einem Termin, der von den „AchtLosen“ noch bekannt gegeben wird – wird es im Theaterkeller noch einmal heißen: „Einfach schön“.

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