Lidl hebt von Schwäbisch Hall ab

Die Unternehmen der Schwarz-Gruppe aus Neckarsulm forcieren ihr Europa-Geschäft erheblich. Dabei spielt der Haller Flugplatz eine erhebliche Rolle.

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Lidl hat sich längst über Deutschland hinweg ausgebreitet. In mehr als 20 Ländern Europas betreibt der Discounter über 10.000 Filialen. Nicht ganz so groß ist das Schwesterunternehmen Kaufland, das ebenfalls zum Konzern des Heilbronners Dieter Schwarz gehört. Kaufland betreibt rund 1200 Märkte in Deutschland und meist osteuropäischen Ländern.

Dass die Unternehmensgruppe das Europa-Geschäft dermaßen forcieren konnte, dazu trägt der Flugplatz bei. „Der Flughafen Schwäbisch Hall bietet gute Voraussetzungen für unsere Geschäftsreisen, insbesondere in die europäischen Länder“, schreibt die Schwarz-Dienstleistungs KG auf eine Anfrage der Redaktion.

Dabei nutzt Lidl Flugzeuge, die zwar in Hall stationiert sind, aber der DC Aviation gehören oder von ihr betreut werden. Dieser Flug-Dienstleister hat seinen Sitz in Stuttgart. Nach eigenen Angaben ist es Deutschlands größter Business-Jet-Betreiber. Neben den Maschinen stellt er auch Piloten und weiteres Personal.

Für die Manager von Lidl und Kaufland ist es ein wesentlicher Vorteil, nicht auf Linienmaschinen angewiesen zu sein, die in Stuttgart oder Frankfurt starten und landen. Erstens ist der Weg vom Sitz in Neckarsulm nach Hall (55 Kilometer) näher als nach Stuttgart (78) oder Frankfurt (141). Zweitens ist die Autobahn nach Hall in der Regel nicht so verstopft wie die in die Metropolen. Schließlich und hauptsächlich ermöglichen die Geschäftsflugzeuge mehr Beweglichkeit und Individualität. „Wir müssen den Tag nicht nach der Reise planen“, macht eine Unternehmenssprecherin deutlich. Die Flüge können genau auf die Termine abgestimmt werden, außerdem ist oft auch noch eine Querverbindung möglich. Mit Linienflügen sind die Möglichkeiten eingeschränkter. Schon seit vielen Jahren sind große Unternehmen nicht mehr bereit, ihre Topmanager für das Rumsitzen in Flughafen-Wartehallen zu bezahlen.

In aller Regel kommen die Lidl- und Kaufland-Manager morgens mit ihren Elektroautos von Neckarsulm nach Hall. Oftmals sind dies Fahrzeuge von Tesla. Am Haller Flugplatz wurden Ladestationen errichtet, um die Akkus der Autos aufzuladen.

Inzwischen hat Lidl auch auf dem US-amerikanischen Markt Fuß gefasst. Seine Zentrale hat der Discounter dort in Arlington im Bundesstaat Virginia. Nach Angaben des Nachrichtenmagazins Der Spiegel wurden rund 202 Millionen Euro investiert. Geschaffen worden seien rund 700 Arbeitsplätze. Nach nicht bestätigten Quellen will Lidl in den USA mit 150 Filialen starten. Die Flüge dorthin heben allerdings nicht von Schwäbisch Hall ab.

Schon seit vielen Jahren nutzen die Manager des Würth-Konzerns den Hessentaler Flughafen. Die Unternehmensgruppe hat eigene Flugzeuge und Piloten.

Der Hessentaler Flugplatz wurde 1938 für die deutsche Luftwaffe gebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen die Amerikaner den Fliegerhorst. Der Standort wurde zunächst in Camp Dolan, später in Dolan Barracks umbenannt. 1993 zogen die Amerikaner ab. Auf Initiative des Unternehmers Reinhold Würth etablierte sich Hall als Verkehrslandeplatz. 2004 wurde die Start- und Landebahn verschwenkt und verlängert. Die 30 Meter breite Betonpiste ist 1540 Meter lang. Ausgerüstet ist der Flugplatz für Sicht-, Instrumenten- und Nachtflug. Das maximale Abfluggewicht der Maschinen kann bis zu 28 Tonnen betragen, mit Sondererlaubnis auch mehr. Zahlreiche regionale Unternehmen nutzen den Flugplatz für ihre Geschäftsflüge. Insgesamt sind am Adolf Würth Airport knapp 60 Maschinen stationiert – etwa jeweils zur Hälfte Privat- und Geschäftsmaschinen. Geführt wird die Flugplatz Schwäbisch Hall GmbH von Peter Wohlleben und Steffen Merz. Das Unternehmen beschäftigt etwa 15 Mitarbeiter.

200 Flugbewegungen werden am Tag gezählt (ungefährer Durchschnittswert). Dabei wird nicht zwischen Privat- und Geschäftsflügen unterschieden.

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