Lehrer sind Mangelware im Landkreis

An fast allen Schulen im Landkreis sind Flüchtlinge, die meisten an Grundschulen. Das staatliche Schulamt lässt den Bildungseinrichtungen dabei viel Freiheit.

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Lehrerin Claudia Ott übt an der Grundschule Bühlerzell mit Flüchtlingskindern Deutsch. Jeden Freitagvormittag unterrichtet sie die fünf Kinder zwischen sechs und neun Jahren. Sie kommen aus Afghanistan, Irak und Syrien.  Foto: 

Schulen können den Prozess der Integration und die Förderung der Sprachkenntnisse individuell gestalten. Es gibt kein einheitliches Konzept“, erklärt Schulamtsdirektorin Ursula Jordan aus Künzelsau. Dort, wo es keine speziellen Vorbereitungsklassen mit Deutschunterricht für Flüchtlinge gibt, gehen die Kinder in die normalen Klassen.

Auf dem Land, wie etwa im Bühlertal, ist das die Regel. Eine Herausforderung für die Lehrer, wenn wie in Bühlerzell zum Schuljahresanfang fünf Kinder ohne Deutschkenntnisse in die erste und zweite Klasse kommen. Immerhin hat die Schule für das erste Halbjahr zusätzliche Stunden zur Förderung dieser Kinder bekommen. Üblich ist das sonst nur, wenn es an der Schule eine Vorbereitungsklasse gibt.

Einige Kinder sind traumatisiert

Die Bühlerzeller Schule hat Glück, erfahrene Lehrerinnen im Kollegium zu haben. „Eine Kollegin hat vier Jahre Deutsch als Fremdsprache in einer Vorbereitungsklasse unterrichtet und eine andere war im Förderbereich tätig“, so Schulleiterin Gertrud Zürn. Drei weitere Lehrerinnen können demnächst an einer Fortbildung für Deutsch als Zweitsprache teilnehmen.

Claudia Ott hat Erfahrung mit Deutsch als Fremdsprache für ältere Schüler. Jetzt unterrichtet sie jeden Freitagvormittag fünf Kinder zwischen sechs und neun Jahren. Sie kommen aus Afghanistan, Irak und Syrien. „Ein Junge war bis vor Kurzem sehr aggressiv. Er ist schwer traumatisiert, wie soll er da Deutsch lernen?“, fragt sie sich.

Es mangele überall an Personal. Am dringlichsten wären Traumapsychologen. Claudia Ott ist froh über ihre kleine Gruppe und dass sie keine Regelklasse mit Flüchtlingskindern wie ihre Kolleginnen unterrichten muss. Auch die junge Sozialarbeiterin, die für die Flüchtlingsfamilien zuständig ist, sei überfordert. „Sie muss ja neben den Familien in Bühlerzell noch weitere Familien betreuen“, meint sie.

Keine Lehrer zu bekommen

Ebbe herrscht auch bei zusätzlichen Lehrern. „Lehrer sind derzeit keine mehr zu bekommen, die Listen sind leer“, heißt es aus dem Schulamt. Die Schulen könnten eventuell Schulpaten aus den Freundeskreisen Asyl gewinnen, rät die Schulamtsdirektorin.

Im Landkreis Schwäbisch Hall gibt es derzeit 34 Vorbereitungsklassen an Grundschulen und 14 an weiterführenden Schulen. Dort werden Flüchtlingskinder und andere Kinder aus dem Ausland gemeinsam unterrichtet. Genaue Zahlen dazu seien zu aufwändig zu eruieren. „Die Klassen verändern sich von Woche zu Woche, je nach Sprachfortschritten der Kinder“, erklärt Ursula Jordan. Teilweise besuchen die Kinder in bestimmten Fächern die Regelklasse. Aber auch dafür gebe es keine einheitliche Vorgehensweise. Der Wechsel in die Regelklasse sei gekoppelt an den Spracherwerb und den allgemeinen Fortschritt des einzelnen Kindes.

590 Kinder ohne Deutschkenntnisse  besuchen derzeit im Kreis Hall eine Grundschule, 294 solcher Kinder eine weiterführende Schule und 90 Jugendliche besuchen eine berufliche Schule (Stand 15. Oktober 2016). Nur „sehr wenige Kinder“, die schulpflichtig sind, würden noch keine Schule besuchen , teilt das Schulamt mit.

Für fast alle Schularten gibt es zu wenige Lehrer. Laut Auskunft von Kultusministerin Susanne Eisenmann, die auf eine kleine Anfrage des FDP-Landtagsabgeordneten Friedrich Bullinger antwortet, gibt es außer für allgemeinbildende Gymnasien derzeit an keiner Schulart Lehrerreserven. Da es nicht genug Bewerber gibt, müssen Ausfälle von Lehrern durch „innerschulische Organisationsumstellungen, zeitlich befristete Deputatsaufstockungen oder vorübergehende Mehrarbeit“ ausgeglichen werden. siba

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