Legionellen: 2013 sind Gesundheitsamt 260 Fälle gemeldet worden

Legionellen im Wasser können krank machen. Die Leiterin des Gesundheitsamtes empfiehlt daher Durchlauferhitzer statt großer Heizkessel. Nach einem Befall hilft manchmal nur eine Sanierung der Leitungen.

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260 Fälle mit Legionellen im Trinkwasser sind dem Haller Gesundheitsamt 2013 gemeldet worden, so Amtschefin Dr. Renate Lorenz-Lauermann. Bis Ende des vergangenen Jahres hätten laut Trinkwasserverordnung alle Besitzer von Mehrfamilienhäusern Wasserproben auf diese pathogenen Keime untersuchen lassen müssen. Zuvor galt die Untersuchungspflicht nur für öffentliche Gebäude. Laut der Amtsärztin war das bis zu diesem Termin nicht zu schaffen.

"Ich habe das Gefühl, da kommt noch einiges nach", sagt sie. Die Hausverwaltungsgesellschaften wüssten, was zu tun ist. Wie es bei Eigentümern ist, die sich als "Einzelkämpfer" um ihre Objekte kümmern, wisse sie aber nicht.

Meldepflicht besteht ab 100 koloniebildenden Einheiten von Legionellen in 100 Millilitern Trinkwasser. Die Keime können sich nur in 30 bis 60 Grad warmen Wasser vermehren. "Wenn es mit 35 Grad aus dem Hahn läuft, weil die Kesseltemperatur zu niedrig ist, ist das für die Legionellen ideal", so Lorenz-Lauermann. Es sei sinnvoll, die Temperatur auf 70 Grad zu erhöhen.

Jürgen Löffler, Obermeister der Haller Innung Sanitär-Heizung-Klima, kennt das Legionellen-Problem bisher fast nur aus der Theorie. Ein einziges Mal sei in einer von ihm betreuten Anlage ein erhöhter Wert gemessen worden. Da habe es gereicht, die Temperatur hochzufahren.

Der Sanitär-Fachverband bietet Schulungen zur Trinkwasserhygiene an, damit es erst gar nicht zu Bakterienbefall kommt. Gefährlich seien sogenannte Totleitungen, in denen das Wasser steht - eine Brutstätte für Keime. "Eine Dusche im Keller, die nicht mehr benutzt wird, das sind schnell fünf Meter Totleitung", so Löffler. Sie müsse abgeklemmt werden. Er empfiehlt, die Austrittstemperatur aus dem Kessel bei mindestens 55 Grad zu halten und mit einer Zirkulationspumpe dafür zu sorgen, dass die Leitungen ständig mit heißem Wasser nicht unter 53 Grad durchspült werden.

Chlor und Wasserstoffperoxid dienten zur Reinigung verkeimter Leitungen. Doch die Legionellen bilden einen hartnäckigen Biofilm, den diese Mittel nur oberflächlich angreifen. Manchmal helfe nur eine Sanierung, die sicherstelle, dass sämtliche Leitungen ausreichend mit Wasser durchflutet werden.

"Ich persönlich bin ein Fan von dezentraler Wasserversorgung", so die Chefin des Gesundheitsamts. Mit Durchlauferhitzern, die Wasser erst dann erhitzen, wenn es gebraucht wird, könnte man sich viele Probleme ersparen, meint sie. "Eine Riesentherme im Keller für fünf Stockwerke, das ist schwierig", gibt sie zu bedenken.

Noch bevor die neue Trinkwasserverordnung Ende 2012 in Kraft trat, hätten sich viele Mitglieder des Haller Haus- und Grundeigentümervereins zur Wasseranalyse beraten lassen, so deren Vorsitzender Joachim Bass. Vergangene Woche habe er erstmals von einem erhöhten Legionellenwert gehört - in einer Dusche eines Acht-Parteienhauses. In der Dusche sind Legionellen gefährlich, denn über das vernebelte Duschwasser können sie eingeatmet werden und eine Lungenentzündung hervorrufen. Keine Gefahr besteht beim Händewaschen am Waschbecken, ebenso beim Trinken des Wassers. Noch keine Anfragen hat der Haller Mieterverein zum diesem Thema. "Das kommt erst im Laufe des Jahres, wenn die Nebenkosten abgerechnet werden", so Geschäftsführerin Ingrid Ziemer. Denn die Kosten für die Wasseruntersuchungen kann der Vermieter auf die Mieter umlegen.

Damit es überall im Kreis sauberes Trinkwasser gibt, wird es mehrstufig aufbereitet, etwa mit Ultrafiltration, um Keime zu entfernen. "Wir entnehmen wöchentlich an 30 Stellen im Wasserversorgungsgebiet Proben, die das Landesgesundheitsamt untersucht", erklärt der technische Betriebsleiter Ralf Winter von der Wasserversorgung Nordwürttemberg in Crailsheim. Die Leitungen liegen rund eineinhalb Meter tief im Boden, so bleibe das Wasser auch im Sommer kühl.

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