Lebendig-lustige Inszenierung

Es war eine Premiere in doppelter Hinsicht: Nach fast 15 Jahren Pause führte die Theater AG der Kaufmännischen Schule ein Theaterstück auf und "Kleider machen Leute" wurde ohnehin noch nicht gezeigt.

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Nettchen (Michelle Mende) und Strapinski (Jan-Eric Seitter) kommen sich im Theaterstück näher.  Foto: 

Die Rahmenbedingungen an einer beruflichen Schule sind für Theater-AGs alles andere als leicht und schon gar nicht ideal. Die Schüler besuchen gerade einmal drei Jahre die gymnasiale Oberstufe. So ist, was das Theaterspielen anbelangt, ein gezielter Aufbau kaum möglich. Umso erstaunlicher ist es, was die beiden Verantwortlichen der Theater AG, Ulla Jäger und Franz Teipen, mit ihren Darstellern geschaffen haben. Zudem muss man bedenken, dass die Theatertruppe auch was Requisiten, Technik und Bühnenbild anbelangt, praktisch bei Null beginnen musste.

"Kleider machen Leute", die Novelle von Gottfried Keller, ist an sich ein sehr anspruchsvolles Stück, ursprünglich für sieben männliche, fünf weibliche und einen variablen Spieler geschrieben. Franz Teipen hat das Stück so umgeschrieben, dass man entweder mit Doppelrollen agierte oder die eine oder andere Figur gestrichen hat. Und: Teipen hat die Texte auf den entsprechenden Darsteller zugeschnitten ohne den Charakter des Stücks zu verwässern. So entstand eine lebende, auch von der Inszenierung her lustige Aufführung, ohne den ursprünglichen roten Faden Kellers zu verlieren.

Der arme arbeitslose Schneider Wenzel Strapinski, die Hauptfigur des Stücks, wird von Jan-Eric Seitter glaubwürdig und identisch dargestellt. Seitter spielt die schüchterne, geheimnisvolle aber manchmal auch von Selbstzweifel geplagte Art des Strapinski nahezu perfekt. Auch Michelle Mende überzeugt in der Rolle des Nettchens, die sich anfangs als Tochter des Gastwirts, so die Interpretation Teipens, in den vermeintlichen Grafen unsterblich verliebt.

In Doppelrollen agieren Tobias Herzig und Erkan Karatepe, die in ihren jeweiligen Rollen glänzen konnten und den Spagat zwischen Ernsthaftigkeit und Humor ohne Schwierigkeiten meisterten. Ebenfalls ohne Fehl und Tadel agierten Lisa Traub als Köchin, Shirley-Ann Schüle als Nettchens Mutter, Sarah Wagenvoorde als Kutscherin und Marina Kramser, die mit dem Epilog das Stück beendete. Marina fungierte zudem als Souffleuse, für die Technik war Adrian Klein zuständig.

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