Leben im Pfarrhaus

Die Pfarrstellen in Bibersfeld, Oberaspach und Gnadental haben das Familienleben von Johannes und Elisabeth Kohn geprägt. Inzwischen lebt das Paar in Sittenhardt und feiert heute, Samstag, goldene Hochzeit.

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"Wenn man einen Pfarrer heiratet, dann heiratet man auch seinen Beruf mit." Das war Elisabeth Kohn von Anfang an bewusst. Bereut hat sie es nie. Heute sind Johannes und Elisabeth Kohn seit 50 Jahren verheiratet. Aus diesem Anlass wird in der Kirche von Rieden ein Gottesdienst gefeiert.

1997 begann für Johannes Kohn der Ruhestand und die Eheleute zogen schweren Herzens aus dem Pfarrhaus in Gnadental aus. "Es war ein eigenartiges Gefühl, die letzte Religionsstunde zu halten und endgültig den Kirchenschlüssel abzugeben", sagt Pfarrer Kohn etwas wehmütig. Nun leben sie im eigenen Haus in Sittenhardt, das sie schon Anfang der 70er Jahre erwarben.

"Es war immer unser Ferienhaus", sagt Elisabeth Kohn, "im Pfarrhaus kann man ja nicht Urlaub machen." Ehe sie ihren Altersruhesitz am idyllischen Weiher von Sittenhardt bezogen, wurde das Eigenheim ausgebaut. Auch ein Garten gehört dazu, den sie liebevoll pflegen.

Johannes Kohn wurde 1935 in Worms geboren. Nach der Schulzeit machte er eine Lehre zum Werkzeugschlosser, begann aber 1957 im Missionsseminar in Unterweissach seine theologische Ausbildung. "In dieser Zeit durften wir keine Bindung haben, nicht verliebt und nicht verlobt sein", erinnert sich der Protestant, "wir sollten uns ganz auf die geistliche Ausbildung konzentrieren."

Erst nach dem Ende der Seminarzeit 1961 konnte sich der angehende Pfarrer nach einer Lebensgefährtin umsehen. Da passte es gut, dass ein älterer Kollege in Stuttgart einen Vater von drei Töchtern kannte und Kohn mit der Familie bekannt machte. Elisabeth war die mittlere der drei. "Wir haben uns zu Hause in unserem Wohnzimmer kennen gelernt", berichtet sie. Geboren wurde sie 1933 in Dünaburg in Lettland und kam durch die Kriegs- und Nachkriegszeit zunächst nach Ostdeutschland, wo sie zur Schule ging. In Stuttgart arbeitete sie als Korrespondentin beim Deutschen Bücherbund und beim Verlag Christ und Welt.

Im Jahr der Eheschließung 1963 war Johannes Kohn im Kirchendienst in Neuenbürg. 1971 schloss sich das Pfarrseminar in Stuttgart an, danach folgte eine zweijährige Tätigkeit als Pfarrverwesen in Welzheim.

Tochter Marion wurde 1967 geboren. Sohn Enrico kam 1974 auf die Welt, als die Familie gerade ein Jahr in Bibersfeld wohnte, der ersten Pfarrgemeinde von Johannes Kohn. Von 1980 bis 1989 wirkte er im musikalischen Dorf Oberaspach, das mit seinen Chören und Instrumentalgruppen stark von den Aktivitäten der Lehrerfamilie Schirrmeister geprägt war. Schwer beeindruckt waren die Kohns, dass Chorleiter Friedrich Schirrmeister zur Feier der Investitur sogar das Klavier ins Freie gestellt hatte, um die neue Pfarrersfamilie musikalisch zu begrüßen.

Sie haben auch selbst immer in den jeweiligen Kirchenchören mitgesungen. Elisabeth Kohn ist seit 50 Jahren aktive Sängerin. In den drei Pfarrstellen Bibersfeld, Oberaspach und von 1989 bis 1997 in Gnadental hat sie jeweils die Büroarbeit im Pfarrhaus übernommen und sich ins Gemeindeleben eingebracht. Auch den Weltgebetstag der Frauen hat sie mit viel Einsatz realisiert und die Kirche dabei oft mehr gefüllt als ihr Mann bei den Sonntagsgottesdiensten.

2001 traf die Familie mit dem Unfalltod des Sohnes ein schwerer Schicksalsschlag. Tochter Marion blieb unverheiratet, und Johannes und Elisabeth Kohn bedauern, dass sie keine Enkel haben. In verschiedenen Chören, bei den Landfrauen und mit regelmäßigen Gottesdiensten - etwa im Pflegeheim Teurershof - findet das rüstige Pfarrersehepaar weiterhin Aufgaben und Kontakt mit vielen Menschen.

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