Laufen wie auf Wolken

Für 100 Euro steht Lauflustigen das Schwäbisch Haller Hagenbachstadion an 365 Tagen im Jahr offen. Die TSG hat zu diesem Zweck ein Chip-System eingeführt.

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Es ist ein Gefühl wie auf Wolke sieben: Sanft, nachgiebig und freundlich schmeichelt die funkelnagelneue Tartanbahn im Hagenbachstadion den Füßen. Jeder Schritt auf dem ziegelroten Spezialbelag wird zum Vergnügen. Helmut Strobel geht diesem Vergnügen im wahrsten Wortsinn nach: Allmorgendlich startet der 72-jährige Haller in aller Herrgottsfrühe mit ein paar Runden Gehsport in den Tag. Dass dies möglich ist, verdankt der fitte Senior dem Einsatz des Präsidenten der TSG Schwäbisch Hall: „Es kann Kurt Hocher gar nicht hoch genug angerechnet werden, dass er sich bei der Stadt so für uns private Läufer starkgemacht hat“, schwärmt Strobel. Auf dem Höhenweg, der außerhalb des Stadions entlangführt, mag er nicht unterwegs sein. Zum einen sei das Gehen auf Asphalt nicht gut für Rücken und Gelenke, zum anderen begegne man dort häufig Hundebesitzern, die ihre Tiere nicht anleinen. Die Vierbeiner zeigten oftmals Interesse an den Läufern, was diesen unangenehm sei: „Da können Herrchen oder Frauchen noch so beteuern, dass ihr Liebling ,nix tut’.“

Chip öffnet das Tor zum Stadion

Auch Beate Koch ist glücklich, dass sie im geschützten Stadion laufen kann: „Ich brauche das, um mich abzureagieren.“ Dafür zahlt die sportliche Dame gerne den Obolus von 100 Euro pro Jahr. So viel verlangt die TSG für den Schlüsselchip, der Strobel, Koch und bislang zwei weiteren Bürgern das Tor zum Stadion öffnet.

„Als größter Verein im Hagenbachstadion haben wir gemeinsam mit der Stadt nach einer Lösung gesucht, die den Versicherungsschutz für die Nutzer und eventuelle Schäden an der Anlage einschließt“, erklärt Kurt Hocher. Einen jährlichen Betrag „im niedrigen vierstelligen Bereich“ zahle die TSG dafür an die Stadt, und den möchte der Verein über die Schlüsselchips gerne wieder hereinholen: „Bisher ist es noch ein Minusgeschäft, aber wir hoffen, dass es nach den Sommerferien mehr Leute werden.“

„Mir schauen öfter mal Leute zu und fragen dann, wie ich ins Stadion reingekommen bin“, berichtet Strobel. „Wenn sie dann hören, dass es was kostet, gehen sie und kommen nicht wieder.“ Beate Koch macht ähnliche Erfahrungen.

Dabei sind 100 Euro auf 365 Tage umgerechnet keine Riesen­summe. In Verbindung mit einer Mitgliedschaft bei der  TSG  ist der Chiperwerb sogar ein Schnäppchen: Die 150 Euro, die ein erwachsenes TSG-Mitglied jährlich zahlt, enthalten bereits die Summe für einen Schlüsselchip. Man muss ihn lediglich beantragen. Rentner sind mit 80 Euro im Jahr dabei und legen für den Chip 20 Euro drauf. Mitglieder, die das vielseitige Angebot für Gesundheitssport wahrnehmen, haben einen zusätzlichen finanziellen Vorteil: Sie zahlen statt 80 nur 40 Euro pro Zehnerkarte für die öffentlich zugänglichen Yoga-, Pilates- und Osteoporosekurse, Rückenschule, Qigong und mehr. „Die Kurse werden von Profis fachlich angeleitet“, unterstreicht Hocher.

Wer sich die rund 27 Cent pro Tag fürs Laufen wie auf Wolken gönnen möchte, unterschreibt bei der Übergabe des Chips eine Vereinbarung, in der er sich verpflichtet, die Anlage immer hinter sich abzuschließen, nichts zu beschädigen, keine Tiere mit hineinzunehmen und auch nicht heimlich den besten Kumpel oder die nette Nachbarin einzuschleusen. Zu einem Probelauf darf Helmut Strobel aber einladen. „Wenn es den Leuten gefallen hat, mögen sie sich bei unserer Geschäftsstelle melden“, bittet Hocher alle Lauflustigen. Auch er hofft, dass das Angebot bald besser angenommen wird. Sonst, so bedauert er, müsse man das Experiment leider wieder beenden.

Für Privatleute, die im schönen, neuen Hagenbachstadion laufen möchten, gilt eine Einschränkung: Schul- und Vereinssport haben Vorrang. Von 6 Uhr an lässt sich das Tor am Eingang öffnen, ab 8 Uhr sind dann die ersten Schulklassen da. Ab 16.30 Uhr können Vereine trainieren. Bis 22 Uhr ist das Stadion geöffnet. An Wochenenden und in der Ferienzeit herrscht jedoch völlig freie Bahn für Schlüsselchip-Nutzer. Wer fragt und nicht stört, erhält von Lehrern und Vereinen vielleicht die Erlaubnis, auch während ihres Trainings ein paar Runden zu drehen. Weitere Informationen gibt es auf der Homepage des Vereins unter www.tsg-sha.de. Da die Geschäftsstelle in den Sommerferien nur selten besetzt ist, empfiehlt es sich, seine Anliegen per E-Mail zu äußern. Die wird kurzfristig beantwortet, so der Vorstand. cito

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