Lauer Winter lastet auf Gewinn

Der Gewinn der Stadtwerke Hall ist im vergangenen Jahr gesunken: von 4,1 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 3,3 Millionen Euro. Schuld sei ein lauer Winter sowie das Defizit bei Bädern und Parkhäusern.

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Arbeiten am Gasnetz im Mai in der Mauerstraße. Die Stadtwerke müssen auch bei sinkendem Verbrauch in einem lauen Winter die Leitungen in Ordnung halten. Das schlägt sich in der Bilanz nieder. Dennoch gibt es Spielraum, die Gaspreise demnächst zu senken. Archivfoto: Tobias Würth  Foto: 

Kürzlich haben die Stadtwerkegeschäftsführer Gebhard Gentner und Ronald Pfitzer den Aufsichtsräten die neuesten Zahlen vorgelegt. Die Jahresrechnung bietet Einblicke in einzelne Teilbereiche: So sei der Anteil des transportierten Stroms aus erneuerbaren Energien im Stadtwerkenetz erstmals auf über 50 Prozent an der gesamten Strommenge gestiegen. Das liege vor allem an den Windkraftanlagen in Löwenstein. Die gehören den Stadtwerken zwar nicht. Sie speisen aber den Strom ins Haller Netz. Dabei würden sich weit mehr als die anvisierten 2000 Volllaststunden abzeichnen. Dieses hohe Maß für den Nutzungsgrad der Anlage in Löwenstein sei auf die im Bau befindlichen Windräder der Stadtwerke an der Kohlenstraße übertragbar, so Gentner.

Zudem sei das Kraftwerk in der Salinenstraße auf Biomethan umgestellt worden. Das ist eigentlich auch positiv - könnte man meinen. Doch Gebhard Gentner sieht es kritisch: "Es geschah aus der Not heraus." Der Grund: Der Vorgänger der beiden Geschäftsführer, Johannes van Bergen, hatte die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) vorangetrieben. Eine hocheffiziente Technik, bei der Wärme und Strom zugleich genutzt werden, die aber immer weniger staatlich gefördert wird und nicht unter das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) fällt. "KWK ist die Lösung. Doch leider sieht das die Politik nicht", regte sich der ansonsten ruhig wirkende Technik-Geschäftsführer Gentner auf. Viele Probleme - wie die der schwankenden Strommengen - könnten mit effizienten KWK-Anlagen gelöst werden.

20 Milliarden lenke die Bundesregierung über die EEG-Umlage in Ökostrom, nur eine Milliarde Euro gebe sie für die Gasturbinen der Kraft-Wärme-Kopplung aus. Die gehöre viel stärker gefördert, sagte Gentner. Die Stadtwerke hätten es schwer, ihren Strom auf den Markt zu bringen. Die sinkenden Einnahmen bei der Stromproduktion in Kombination mit einem milden Winter schlagen sich in den Büchern nieder. Zwar stieg der Umsatz von 265 Millionen Euro (2013) auf 270 Millionen Euro (2014) leicht an. Doch der Gewinn sank von 4,1 Millionen Euro (2013) auf 3,3 Millionen Euro (2014) nach Steuern. Wie ist das zu erklären? Wenn in einem milden Winter wenig Energie durch die Leitung fließt, bleiben die Unterhaltungskosten trotzdem gleich hoch und lasten auf dem Gewinn.

Aus den Beteiligungen wird wohl eine Million Euro an die Haller Stadtwerke fließen. Sorgenkinder bleiben die Bäder (Verlust von 3,5 Millionen Euro) und die Parkhäuser (Verlust von 1,5 Millionen Euro). Gebhard Gentner: "Ich sehe die Situation von anderen Stadtwerken: Dort ist der Gewinn zum Teil um 50 Prozent eingebrochen." Hall sei noch einigermaßen glimpflich davongekommen.

Dabei setzen die Haller auch in der Ära nach Johannes van Bergen den Wachstumskurs fort. Eine neu gegründete Gesellschaft in Wien habe vier Kunden gewonnen - alles Stromanbieter. Sobald einer der neuen Kunden in Österreich einen Vertrag unterschreibe, regele den Rest die Einheit "Sherpa" der Stadtwerke in Schwäbisch Hall.

Auch bei der Neugründung von Stadtwerken will der Versorger aus Hall mitmischen. In Siegburg wurde der Hut in den Ring geworfen und bei dem Kauf von Strom- und Gasleitungen mitgeboten, aus Unterhaching gab es eine Absage. In Neubiberg bei München haben die Haller zwar den Zuschlag fürs Stromnetz erhalten, der jetzige Betreiber klagt allerdings gegen die Vergabe. "In Gersthofen bei Augsburg sind wir noch im Rennen. Die suchen ernsthaft einen Partner", sagte Geschäftsführer Pfitzer über die neuen, sich anbahnenden Beteiligungen. Vor Ort hat es schneller und besser geklappt: Zum 1. Januar 2016 übernehmen die Haller Stadtwerke das relativ kleine Stromnetz von Sittenhardt und Wielandsweiler von der ENBW.

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