Landrat zieht Bilanz zum Unwetter – Vor-Ort-Termin in Braunsbach

Die Unwetter-Nacht auf den 30. Mai hat den Landkreis und insbesondere Braunsbach hart getroffen. Gerhard Bauer blickt in seiner Bilanz auch aufs Schadensmanagement.

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„Ich habe so etwas noch nie gesehen. Es war wie ein Tsunami“, macht Gerhard Bauer am Dienstag in der Sitzung des Technik- und Umweltausschusses im Landratsamt deutlich. Der Landrat unterbrach eine Griechenlandreise, um am Montag, 30. Mai, in Braunsbach zu sein, das am Vorabend am schwersten vom Gewitter mit Starkregen getroffen wurde. Es hatte am Abend des 29. Mai in Stunden 180 Liter pro Quadratmeter geregnet, soviel wie sonst im ganzen Monat Mai. Zwischen 19.30 und 20 Uhr wurden Rinnsale wie Schlossbach und Orlacher Bach zu reißenden Fluten, eine 800 Meter lange und drei bis vier Meter hohe Gerölllawine bahnte sich ihren zerstörerischen Weg durch den Ort.

Landrat Bauer nennt die Prioritäten in der Nacht. DLRG-Hilfskräfte sind in Booten auf dem reißenden Kocher unterwegs, suchen nach Personen. Es sei „in der Tat ein Wunder“, dass niemand getötet wurde. Insgesamt werden 14 Menschen leicht verletzt. Die Erreichbarkeit von Braunsbach wird wieder hergestellt. Hilfskräfte werden alarmiert, 120 sind in Braunsbach vor Ort. Ab 22 Uhr leitet der Führungsstab des Landkreises die Einsätze, ein Schwerpunkt wird in Braunsbach gelegt. Kreisbrandmeister Jürgen Mors und der erste Landesbeamte Michael Knaus koordinieren die überörtliche Hilfe. „Was fehlte noch zum Katastrophenfall? Warum wurde der nicht ausgerufen?“, fragt Kreisrat Nikolaos Sakellariou (SPD). „Wenn wir Hilfskräfte aus anderen Landkreisen oder Regionen gebraucht hätten, es nicht mehr mit eigenen Mitteln hätten bewältigen können. Wir konnten es aber selbst stemmen“, antwortet Gerhard Bauer. Zudem wäre die Konsequenz gewesen, dass der Kreis die Kosten für den Einsatz hätte tragen müssen. Im rechtlichen Sinne sei es ein Großschadensereignis, für die Bürger in Braunsbach sei es eine Katastrophe.

Bereits gegen 3 Uhr ist schweres Gerät in Braunsbach im Einsatz. Ab 6 Uhr wird zerstörte Infrastruktur repariert. Wasser, Abwasser, Strom , Telekommunikation funktionieren bereits nach drei Tagen wieder, informiert Gerhard Bauer weiter. Bis auf die Orlacher Straße seien öffentliche Straßen wieder nach einer Woche befahrbar gewesen. Orlacher Bach und Schlossbach werden nach einer Woche provisiorisch in ihr ursprüngliches Bett verlegt. 40.000 Tonnen Geröll, Holz und Schlamm werden beseitigt, 120 Autos geborgen und Steillagen gegen weitere Hangrutschungen gesichert.

Aber nicht nur in Braunsbach, auch in anderen Städten und Gemeinden richtete das Unwetter große Schäden an. Landrat Bauer zeigt unter anderem Bilder von Bächlingen, Ziegelbach, Langenburg, Kleinhürden, Kleinforst, Hessenau, Cröffelbach. Es sind ähnliche Bilder: Kleine Bäche werden zu reißenden Flüssen und reißen Steine, Schutt und Geröll mit, die Orte verwüsten.

Lob für das „hervorragende und vorbildliche Schadensmanagement“ kommt von Kreisräten, die sich nach der Sitzung bei einem Vorort-Termin selbst ein Bild machen, um „ein Zeichen zu setzen, dass wir Interesse zeigen, mit den Bürgern mitfühlen“, sagt Ute Zoll (CDU). Alle Gemeinden müssten Hilfe vom Land bekommen, egal aus was für einem Topf. Die Kreisrätin fragt nach, ob es differenzierte Zahlen zu öffentlichen und privaten Schäden gibt und bereits deutlich werde, wie viel nicht durch Versicherungen abgedeckt sei. Das werde erst noch ermittelt, antwortet der Landrat.
 

29./30. Mai: Zahlen zum Unwetter im Landkreis Hall

Notrufe 22 Städte und Gemeinden sind im Landkreis Hall betroffen, am stärksten die Gemeinde Braunsbach. In der integrierten Leitstelle Hall gingen 892 Notrufe ein und wurden bearbeitet, davon 140 Notrufe aus der Gemeinde Braunsbach.

Verletzte Glück im Unglück: Es sind keine Menschenleben zu beklagen. Mindestens zehn Personen wurden aus einer lebensbedrohlichen Situation gerettet. Drei Menschen wurden in der Gewitternacht verletzt. Insgesamt gibt es 14 verletzte Personen einschließlich Helfer und Bauarbeiter. Vier Personen wurden vermisst, die alle wieder wohlbehalten gefunden wurden. 77 Personen wurden übergangsweise in Ilshofen (Arena) betreut und versorgt.

Schaden Der Gesamtschaden im Kreis wird vorläufig auf insgesamt rund 117,9 Millionen Euro geschätzt. Am stärksten betroffen ist Braunsbach mit 104 Millionen Euro, danach folgen Langenburg mit 3,92 Millionen und Ilshofen mit 2,3 Millionen Euro. Die Zahlen seien nicht belastbar. Zum Teil seien die bei Privatpersonen entstandenen Schäden noch nicht enthalten, sondern lediglich die kommunalen Schäden. Im Bereich der Kreisstraßen wird mit Schäden in Höhe von 500.000 Euro gerechnet.

Soforthilfen An Soforthilfen vom Land wurden bislang insgesamt über 370.000 Euro an durch das Unwetter geschädigte Bürger ausbezahlt, davon allein 175.000 Euro in Braunsbach. Auf dem Spendenkonto der Gemeinde Braunsbach sind mittlerweile rund 750.000 Euro eingegangen, macht der erste Landesbeamte Michael Knaus im Ausschuss deutlich. cus

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