Landfrauen Uttenhofen blicken zurück und in die Zukunft

Landfrauenverein Uttenhoffen feiert das 60-jährigen Bestehen mit buntem Programm und viel Zeit zum Austausch von Geschichten im Dorfgemeinschaftshaus.

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Die derzeitigen und ehemaligen Vorsitzenden der Uttenhofener Landfrauen sprechen über die Erlebnisse in ihrer Amtszeit.  Foto: 

Es gibt viele lustige Momente am Sonntagnachmittag im Dorfgemeinschaftshaus Uttenhofen, wenn die Landfrauen darüber sprechen, was sie in den 60 Jahren im Verein schon alles erlebt haben. Genauso gehören die ernsten Momente und Erinnerungen dazu – und die Pläne, weiter mit der Zeit zu gehen.

„Mit 66 Jahren“ spielt der Musikverein Westheim in seinem Udo-Jürgens-Medley zur Eröffnung der rund vierstündigen Feier. Die beiden Vorsitzenden vermitteln – passend zum Lied – schnell, dass der Schwung in der Gemeinschaft bis heute erhalten ist. Im Dorfgemeinschaftshaus sind alle Plätze an den liebevoll mit Blumen und Handarbeiten geschmückten Tischen belegt, als sie Gäste und Mitglieder begrüßen. Rosengartens Bürgermeister Jürgen König gratuliert zum runden Geburtstag, erinnert daran, dass er in 30 Jahren Amtszeit nun den Verein in der Hälfte seiner Geschichte begleitet habe. „Sie sind ein Aktivposten in Rosengarten“, lobt er die fleißigen Frauen. Allerdings hätten auch die gesellschaftlichen Veränderungen nicht beim Landfrauenverein Halt gemacht.

Größerer Treffpunkt im Dorf

Ein Schmankerl ist die Geschichte von den Planungen für das Uttenhofener Dorfgemeinschaftshaus, das ursprünglich nur zwölf auf zwölf Meter groß sein sollte. „Da haben die Landfrauen ihre Gymnastikmatten herausgeholt und gleich gesagt, das ist viel zu klein.“ So sei sie 20 auf zwölf Meter groß gebaut worden.

„Sie sind immer da, wenn man sie braucht“, lobt Anita Haag, Vorsitzende des Kreislandfrauenverbands das Uttenhofener Team. Sie hebt die Vorsitzenden hervor, die während der 60 Jahre immer hervorragend gewesen seien. Diese bräuchten aber viel Unterstützung. „Jedes Mitglied ist da wichtig. Gemeinsam sind wir stark“, erklärt Haag.

Auch die Zukunft sei gesichert. Denn sie habe bemerkt, dass junge Frauen wieder Lust zeigten, Früchte einzuwecken oder an Stricknachmittagen teilzunehmen. „Das müssen die Landfrauen aufnehmen“, fordert sie.

Mit Schlepper auf den Bahnhof

Auch sie hat – heute spaßig klingende – Erinnerungen parat, beispielsweise von Ausflügen, die damals für Bauersfrauen verpönt gewesen seien. „Da hat der Mann die Frau mit dem Schlepper auf den Bahnhof gefahren und erst dort hat sie ihre Kittelschürze ausgezogen“, sagt Haag mit einem Lächeln auf den Lippen.

Ein Highlight des bunten Nachmittags: die Talkrunde mit Moderatorin Tina Wagner auf der Bühne. Bis auf eine sind alle ehemaligen Vorsitzenden gekommen, um daran teilzunehmen – sogar Elisabeth Frenz mit über 90 Lebensjahren, die 1957 zum ersten Mal die Bewegung angeführt hat.

Geschichten aus 60 Jahren

Wie es war, 1982 in Frenz´ Fußstapfen zu treten, daran erinnert sich Heike Ladewig: „Als Nordlicht haben alle auf mich geschaut, ob ich schwäbisch schwätzen kann und den Verein führen.“ Frenz berichtet vom denkwürdigen Datum am 4. Februar 1957, als im Ochsensaal der Verein gegründet wurde. Zwei Drittel der Frauen seien aus der Landwirtschaft gekommen, der Mitgliedsbeitrag lag bei fünf D-Mark. „Nur 50 Pfennig sind beim Ortsverein geblieben. Da konnten wir keine großen Sprünge machen“, erzählt sie. Am 1. März gab’s schon den ersten Vortrag „Wie mache ich aus unserer Wohnung ein Heim“.

Die Besucher erfahren viel von damals, als Männer noch nicht begeistert von der neuen Frauengemeinschaft gewesen seien – und so mancher noch überredet werden musste, dass die Gattin mit auf einen Ausflug dürfe. Oder die Einführung des Altennachmittags, aus welchem der noch heute bestehende Altentreff resultierte. 1971 gab’s die erste Gymnastikgruppe. Diese ist schon beim landwirtschaftlichen Hauptfest in Stuttgart aufgetreten. „Da haben wir uns mit Cindy und Bert umgezogen“, berichtet die heutige Vorsitzende Bärbel Rumi-Ilg.

Ihre Amtskollegin Eva-Maria Zipperer erinnert an die Mühen mit der Sichelhenket, welche die Frauen bis 2002 gemeinsam mit dem Männergesangverein ausgerichtet hatten oder an den ersten Englischkurs. Rumi-Ilg meint: „Wichtig ist, etwas in der Gemeinschaft zu erleben. Und so soll es bleiben.“

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