Land muss bei Finanzierung helfen

Landkreisverwaltung und Kreisverkehr wollen Bus- und Bahnverkehr ausbauen und fördern. Die Wirtschaftlichkeit muss darstellbar sein.

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Mittags am Schulzentrum Ilshofen: Schüler steigen in ihren Bus ein.  Foto: 

Für einen Flächenlandkreis im ländlichen Raum verfüge der Landkreis Schwäbisch Hall über einen relativ guten öffentlichen Nahverkehr. Davon zeigt sich Landrat Gerhard Bauer auf Nachfrage überzeugt. Das Angebot werde ergänzt durch kommunale Initiativen, die vom Landkreis unterstützt würden. Als Beispiele nennt er die Stadtbusse in Crailsheim und Gaildorf, Bürgerbusse oder lokale Mitfahrorganisationen. „Das Netz im Landkreis ist relativ gut ausgebaut“, ergänzt Ingrid Kühnel, Geschäftsführerin der Kreisverkehr Schwäbisch Hall GmbH.

Doch zufrieden mit dem Status quo sind manche ÖPNV-Nutzer nicht (siehe Interview). Der Landrat sieht Verbesserungspotenziale: „In den Tagesrandzeiten und am Wochenende streben wir Verbesserungen an. Auch bei der Verknüpfung von Bus und Bahn.“ Dazu gehörten die Anschlusssicherheit und Fahrgastinformation mit Echtzeitanzeigen. In den Außenbereichen seien die Fahrtzeiten der Busse im Wesentlichen auf die Schulzeiten und die Zug­anschlüsse ausgerichtet. „Ein Taktverkehr kann die Bedürfnisse der Schulen und Kindergärten nur unzureichend erfüllen oder würde erheblich mehr Busse und Fahrten erfordern“, ergänzt Bauer. Dies habe die Untersuchung zur Bus/Schiene-Konzeption entlang der Tauberbahn im nordöstlichen Kreisgebiet zwischen Schrozberg und Crailsheim vor wenigen Jahren gezeigt.

Nicht gut vertaktet

Bauer kritisiert weiter: Im Schienenpersonenverkehr seien nicht alle Anschlüsse gut vertaktet. „Das Land hat mit der Ausschreibung und Vergabe der Nahverkehrsleistungen auf der Schiene Verbesserungen angekündigt“, so Bauer. Die Fahrpläne lägen aber noch nicht vor. Das Fahrtenangebot solle aber insgesamt besser werden. Insbesondere die „Tagesrandlagen“ und die Verbindungen am Wochenende würden ausgebaut. Darauf müsse der lokale ÖPNV reagieren. „Das Landrats­amt erarbeitet zurzeit gemeinsam mit dem Kreisverkehr ein Konzept für Regiobuslinien. Diese sollen die Unterzentren mit der Bahn verbinden“, so Bauer. Der Kreistag habe den planerischen Überlegungen dazu auch schon zugestimmt. Vom Land gebe es dafür eine Förderung. „Ziel ist es, ein schlüssiges Konzept zu erstellen, das sich wirtschaftlich darstellen lässt“, ergänzt der Landrat. „Wir brauchen schnellere Busverbindungen“, unterstreicht auch Ingrid Kühnel.

Das Land müsse den Busverkehr im ländlichen Raum weiterhin ausreichend finanziell unterstützen, führt Landrat Bauer weiter aus. „Sonst sind die bestehenden Nahverkehrsangebote schwer zu halten. Die angestrebten Verbesserungen können vom Landkreis und den Kommunen alleine nicht finanziert werden“, sagt Bauer in Richtung Stuttgart.

Nicht nachvollziehbar sei für Bauer, dass das Land den Knotenbahnhof Schwäbisch Hall-Hessental auf der Murrbahn zunächst nur in einem engen Korridor der Hauptverkehrszeit halbstündlich bedienen wolle. „Hessental ist der Knoten zur Hohenlohebahn und zu den Buslinien aus dem Hohenlohekreis“, so Bauer. Zwischenzeitlich gebe es aber Zusagen aus Stuttgart, dass alle fahrplantechnischen Spielräume genutzt werden sollen, um eine „größtmögliche Durchbindung“ bis nach Hall zu erreichen.

Ständige Verbesserungen

Ein guter ÖPNV gewinne als Standortfaktor zunehmend an Bedeutung. Davon sind Bauer und Kühnel überzeugt. „Das gilt nicht nur für die Verdichtungsräume. Auch der ländliche Raum muss gut angebunden und der Nahverkehr ständig verbessert werden“, betont der Landrat. Der Weg zur Schule und zur Arbeit sei ein wichtiges Kriterium bei der Wahl des Wohnsitzes. Auch die Anziehungskraft einer Kommune für Fachkräfte und für Firmenansiedlungen werde vom ÖPNV-Angebot beeinflusst. „Die Frage ist deshalb, wie das im ländlichen Raum finanziert werden kann“, so Bauer. Bei „abnehmender Bevölkerungsdichte“ und weiteren Entfernungen sinke die Wirtschaftlichkeit und der Zuschussbedarf für öffentliche Verkehrsangebote werde größer: „Deshalb ist vieles Wünschenswerte nicht einfach machbar. Es müssen Prioritäten gesetzt werden.“

⬛ Ein durchgängiger Halbstundentakt zwischen Stuttgart und Schwäbisch Hall-Hessental mit modernen Nahverkehrszügen und ein zweistündlicher IC zwischen Stuttgart und Nürnberg auf einer zweigleisig ausgebauten Murrbahn.

⬛ Barrierefreie, überdachte und technisch/optisch aufgewertete Bahnhaltepunkte sowie gut ausgestattete Bahnhöfe in Hessental und Crailsheim.

⬛ Ein mit der Bahn vertakteter Busverkehr mit mindestens stündlicher Anbindung aller Gemeinden und deren Hauptorte an die Mittelzentren und Bahnhöfe.

⬛ Emissionsfreie Busse im Stadt- und Kreisverkehr.

⬛ Fahrradmitnahme in allen Bussen, ausreichende und sichere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder sowie E-Ladestationen an allen Haltepunkten für Bus und Bahn sowie Fahrradverleih an allen Bahnhöfen.

⬛ Viel mehr lokale Mobilitätsinitiativen in den Kommunen.

⬛ Viele mehr Fahrgäste in Bussen und Zügen und weniger Individualverkehr.

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