Kurt Hertfelder noch immer verärgert - Damiana Koch sagt Trinkspruch auf

Tunnel, Theater, Haalplatz und Weilerwiese: Die aktuellen Reizthemen bestimmen den Trinkspruch-Schlagabtausch beim 32. Hoolgaaschtfest. Auch Initiator Kurt Hertfelder zieht vom Leder – wohl zum letzten Mal.

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„I han jetzt das doppelte Schwabenalter erreicht und bei unserm Fest fast immer Missständ aufzeigt. Manchem Mainstreamschleimer hat des net g’falle. Nur seine Meinung soll gelte für alle.“ Als Kurt Kurt Hertfelder am Samstagabend ans Mikrofon tritt, macht er keinen Hehl daraus, dass ihn die Debatte vom vergangenen Jahr noch immer ärgert. Wie weit darf Meinungsfreihet gehen? Über diese Frage hatten lokale Polit-Prominenz und HT-Leser nach Hertfelders Äußerungen zu „Mulitkulti über alles“ in Hall gestritten und den heute 80-Jährigen teilweise scharf attackiert.

Hertfelder bleibt ein Jahr später bei seiner Auffassung: „Früher war der Schlagabtausch bei den Trinksprüchen wesentlich härter als heute und keiner hat sich darüber aufgeregt“, sagt er im Gespräch mit dem HT. Den mehreren hundert Gästen auf der Stadtmauer oberhalb des Siedersheims ruft er zu: „Ihr Sieder, gebraucht Herz und Verstand und fresst der Obrigkeit net aus d’r Hand. Ihr Haller, lasst euch niemals mundtot mache, au wenn a Schnösel schreibt verleumderische Sache“. Seine Ankündigung: „Nach 32 Jahr mach i jetzt Schluss, bereit kei Spießer mehr Verdruss“.

Damiana Koch: „Mich hat es schon einige Überwindung gekostet, hier heute den Trinkspruch aufzusagen“

Die mit Spannung erwartete Antwort der aus Brasilien stammenden Haller Stadträtin Damiana Koch, im letzten Jahr Ziel von Hertfelders Kritik, fiel eher versöhnlich-selbstironisch aus: „Ho ho ho, drauss vom Urwald komm ich her, ich muss euch sagen, Multikulti brauche wir sehr. Viele Farben und neue Ideen bringen Freude und Fortschritt für alle, die es sehen.“ Später gesteht Damiana Koch: „Mich hat es schon einige Überwindung gekostet, hier heute den Trinkspruch aufzusagen“. Der Einladung des 1. Hofburschen Tobias Rieger, beim Hoolgaaschtfest Samba zu tanzen, hatte sie eine Absage erteilt: „Das hätte einfach nicht gepasst.“

Bei schwülen Abendtemperaturen von fast noch 30 Grad reißt die Schlange am Getränkeverkauf nicht ab, über Stunden hinweg haben die Sieder alle Hände voll zu tun, frisches Bier für die Hoolgaaschtfest-Besucher zu zapfen. Sie erleben einen gut gelaunten OB, der trotz Dauerkritik an seinen Plänen für den Globe-Theater-Nachfolgebau offenbar nicht einknicken möchte: „Jedermanns Freund ist jedermanns Dackel! Kommt das Odeion wie gedacht, kommt der OB bestimmt in Tracht“, heißt es in Hermann-Josef Pelgrims Trinkspruch.

Da der Weilertunnel 2017 nach jahrzehntelanger Planung nun doch noch gebaut werden soll, erinnert sich Pelgrim nicht ohne Triumph an eine HT-Karikatur. „Man hat mich als alten Mann mit weißem Bart im Rollstuhl gezeichnet – ganz so lange hat es mit dem Tunnelbau jetzt doch nicht gedauert.“ Sulzdorfs Ortsteilbürgermeister Walter Frank tritt in seinem Trinkspruch auf die Euphoriebremse: Eigentlich habe der Weilertunnel ja schon 2016 kommen sollen, nun jedoch müsse Hall hinten anstehen.

Alt-Hall-Vorsitzender Robert Spoden attackiert unterdessen das Landesdenkmalamt. Das sei Schuld, dass die Sanierung des Langenfelder Tors nicht voran gehe.

Versöhnlich-gemütlich geht es dann bei der anschließenden Hocketse zu, bei der die Siedern mit ihren Verwandten und Freunden bis in die Nacht feiern. Der Blick ist bereits auf 2016 gerichtet: „Absoluter Höhepunkt wird die Fahrt nach Loughborough“, sagt Tobias Rieger.

Sieder reichen Damiana Koch die Hand - mit Leserkommentaren

Hoolgaaschtfest: Sprüche, die nicht allen gefallen

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