Kupferzeller Bäckerei Weiß steckt in Schwierigkeiten

75 Mitarbeiter sind bei der Bäckerei Weiß beschäftigt. Jetzt ist das Unternehmen, das zehn Filialen und vier Verkaufsmobile betreibt, in Schieflage. Am Montag wurde ein vorläufiges Insolvenzverfahren eingeleitet.

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Die Waage in der Backstube der Bäckerei Weiß hat Gerhard Fichter wohl nicht im Blick. Dennoch muss der vorläufige Insolvenzverwalter, er ist Rechtsanwalt in Heilbronn, genau abwägen, wie das Unternehmen weitergeführt werden kann. Die Bäckerei kann über die Gegenstände ihres Vermögens nur noch mit seiner Zustimmung verfügen. Foto: just

Die Kupferzeller Traditionsbäckerei Weiß hat im Lauf der vergangenen Jahre in der Region ein Netz von zehn Filialen aufgebaut - unter anderem in Crailsheim, Öhringen sowie am Ursprungsstandort. Zwei Verkaufsstellen in Schwäbisch Hall wurden schon vor einiger Zeit wieder geschlossen - am Limpurger Platz und im Vorkassenbereich der Kaufland-Filiale in der Innenstadt.

Hatte die Bäckerei nicht genug Kapital erwirtschaftet, um ihre Verkaufsstellen zeitgemäß auszubauen? Oder war es anders herum - fehlte die finanzielle Grundlage, weil ebendies versäumt wurde?

Jens Fuhrmann, der die Bäckerei Weiß in dieser schwierigen Phase berät, ist der Überzeugung, dass der Markt konsequente Investitionen in den Snack- und Gastrobereich erfordert. Damit eine Bäckerei bestehen kann, würde es nicht reichen, die Brezel aus dem Korb zu nehmen und sie über die Theke zu reichen. "Es wurde zu viel gebacken, aber zu wenig kaufmännisch gesteuert", sagt Jens Fuhrmann.

Das Bäckerhandwerk müsse stärker über Ladenkonzepte nachdenken. "Dazu gehört, dass der Kunde erleben will, wie in der Bäckerei gearbeitet wird, er muss das Gefühl haben: Hier in meiner Bäckerei bin ich Zuhause", so der Fachmann, der nach eigenen Angaben mehr als 20-jährige Branchenerfahrung hat. Und schließlich müsse der Handwerksbäcker deutlich machen, dass er gute Qualität anbietet - "dann kommt es nicht darauf an, ob das Brot 2,60 oder 2,90 Euro kostet."

Eine deutsche Großbank zieht den Stecker

Weiß sei bereits auf einem guten Weg gewesen, ehe einer von zwei Gläubigern weiteren Krediten nicht zustimmte und auf Rückführung bestehender Forderungen bestand. Es sei eine deutsche Großbank gewesen, die der Bäckerei damit praktisch den Stecker gezogen habe.

Andreas Kofler ist Geschäftsführer des Landesinnungsverbands für das württembergische Bäckerhandwerk. Er vertritt die Ansicht, dass die einzelnen Betriebe ihre Alleinstellungsmerkmale - in allererster Linie die Qualität - herausarbeiten und darstellen müssen. "Der Bäcker muss Brot und Brötchen anbieten, die nicht in jedem Supermarkt zu bekommen sind", so Kofler. Auch der kleine Bäcker könne wirtschaftlich bestehen, wenn die Qualität stimmt, ist der Branchen-Geschäftsführer überzeugt.

Eberhard Glück weiß, wovon er spricht. Der Sulzdorfer ist Obermeister der Haller Bäckerinnung, außerdem leitet er zusammen mit seinem Bruder Ralf einen Betrieb mit 23 Filialen im Haller, Crailsheimer und Gaildorfer Raum. "Super Qualität verkaufen", ist auch sein Credo. Das Hauptproblem für seinen Berufsstand sei die Konkurrenz, die durch Backstationen bei den großen Discountern entstanden ist. "Mit den Preisen können wir nicht mithalten", so Eberhard Glück. Die Bäcker versuchten die Mitarbeiter in ihren Filialen so zu bezahlen, dass diese von ihrem Gehalt leben können. Angesichts von Backvollautomaten und Selbstbedienung würden Personalkosten in den Supermärkten dagegen keine große Rolle spielen. Den Zwang zum unbedingten Wachstum sieht Eberhard Glück nicht. Der Innungsobermeister nennt das Beispiel seines Kollegen Karl Kronmüller in der Gelbinger Gasse. Dieser hat sich auf Demeter-Backwaren spezialisiert und sei auch ohne Filialnetz erfolgreich.

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