Kultur top, Nahverkehr flop

Der Oberbürgermeister begrüßt die Haller Neubürger in der Hospitalkirche. Diese loben ihre neue Heimat, haben aber auch schon Kritik anzumerken.

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Die Haller Neubürger decken sich in der Hospitalkirche mit Infomaterial ein (von links) Annalena Froböse, Jan Tzschaschel und Godefridus van de Moosdijk.  Foto: 

„Ganz schön viele Leute hier!“, denkt sich Torsten Oliver Uhr am Donnerstagabend in der Hospitalkirche. Der neue Pfarrer der Gemeinschaftsgemeinde Glocke wurde eingeladen, weil er Neubürger ist. Mit ihm weitere 3000 Menschen, die Hall zu ihrer neuen Heimat gemacht haben.

Zum Neubürgerempfang sind allerdings nur zirka 60 gekommen. Die hören sich an, was Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim ihnen zur Stadt erzählt. Dass Hall stetig wächst, im letzten Jahr um 500 Menschen. Dass mittlerweile mehr Rumänen als Türken in der Stadt leben, die Arbeitslosenquote gering sei, das Betreuungsangebot flächendeckend, die Wohnungssituation angespannt und man in der Stadt mit Flüchtlingen offen und gut zusammenlebe.

Hall statt Crailsheim

Einige Neubürger bestätigen die Lebensqualität. „Es ist ganz toll hier, ich genieße das wunderbare Kulturprogramm, nur leider komme ich nicht hin“, sagt eine Zugezogene aus Stuttgart, „der Nahverkehr lässt sehr zu wünschen übrig.“ Das meinen auch Annalena Froböse und ihr Freund Jan Tzschaschel. Das junge Paar kommt aus Bielefeld beziehungsweise Karlsruhe und ist kürzlich in die Innenstadt gezogen. Beide gingen davon aus, kein Auto zu benötigen. Immerhin gebe es das Teilauto, die Möglichkeit in Hall zum Carsharing. Er ist bereits dem Vorstand beigetreten.

Das Paar ist nach Hall gekommen, weil Froböse eine Stelle bei Procter & Gamble in Crailsheim angenommen hat. Tzschaschel arbeitet als Dozent an der Uni in Karlsruhe. Sie haben ein halbes Jahr in Crailsheim gewohnt, sich aber dann entschieden, lieber nach Hall zu ziehen.

Bewusst Hall als Lebensort gewählt haben auch Werner Eberhardt (62) und Marion Krüger (55). Die beiden wohnten zuletzt in Alpirsbach im Schwarzwald, wo sie eine Gastwirtschaft betrieben haben. Eine Bekannte lebt in Schwäbisch Hall und lockte das Paar. Die ließen sich gerne abwerben und leben nun hier, freuen sich an ihrer Freiheit und der neuen Stadt, deren Mentalität sie als viel offener empfinden als in ihrer alten Heimat. Und wenn sie die Berge vermissen, dann gehen sie auf den Einkorn.

Bibliothek und Line-Dance

Zu ihnen an den Stehtisch hat sich Friederike Heinlin gestellt. Die 38-Jährge ist alleine nach Hall gezogen. „Ganz klassisch“, sagt sie, „aus beruflichen Gründen.“ Bis November 2016 lebte die gebürtige Reutlingerin in München. Zwei Dinge habe sie gemacht, um in Schwäbisch Hall anzukommen: erstens, einen Ausweis der Stadtbibliothek besorgt, zweitens, sich beim Line-Dance bei den Dancing Crocodiles angemeldet.  

„Ich würde mir Ladetankstellen für E-Bikes in der Stadt wünschen“, sagt Godefridus van de Moosdijk. Der Niederländer ist mit seiner Frau Christine, einer Schweizerin, von Waiblingen nach Hall gezogen. Ihr Grund war das Mehrgenerationenhaus Heller Wohnen auf dem Katzenkopf. Das Paar, beide 66 Jahre alt, suchte diese Wohnform und fand sie in einer Stadt, von der sie ganz begeistert sind. „Ich möchte der Stadt gratulieren“, sagt Godefridus, „sie ist so angenehm, so sauber, so ruhig und so sicher.“ Und er regt an, man solle doch ein Schild anbringen, auf dem die Partnerstädte erwähnt werden.

Liebe führt in die Kocherstadt

Ganz und gar glücklich ist auch Johannes Stürmer. Der 65-Jährige lebte bis Ende letzten Jahres in Ellwangen. Im Internet verliebte er sich in eine Hallerin und zog gerne in die Stadt, von der er jetzt sehr schwärmt. Er ist pensionierter Lehrer und unterrichtet Flüchtlinge in Kirchberg im Schloss. Der Weg dahin sei gleich, nur komme er jetzt aus einer anderen Richtung. Aus einer besseren, scheint es, so wie er strahlt.

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