Krötenwanderung am Egelsee - Helfer sammeln Tiere an der B14 bei Bubenorbis ein

Im Frühjahr erwachen die Lebensgeister bei den Menschen und auch Amphibien machen sich auf den Weg zu ihren Laichplätzen. Am Egelsee half den Tieren dabei eine Gruppe von ehrenamtlichen Helfern.

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Tanja Häfele (schwarze Mütze) zeigt Ilka Stadelmann (graue Mütze) und Hanna Ott (lila Kapuze), wo die Tiere am Krötenzaun sind. Im Eimer droht den Amphibien keine Gefahr mehr, auf der B14 überfahren zu werden.  Foto: 

"Wer hat noch keinen?", fragt Renate Fischer in die Runde. Sie hält eine Tüte mit Fröschen aus Fruchtgummi in ihrer Hand. Die kleine Stärkung dient als Einstimmung für das bevorstehende Krötensammeln. Es ist bereits dunkel, als Renate Fischer knapp 20 ehrenamtliche Amphibiensammler auf einem Parkplatz gegenüber dem Egelsee bei Bubenorbis einweist. Auch ein Dutzend Kinder sind dabei.

Die Ortsgruppe Mainhardt des Schwäbischen Albvereins und die Mainhardter Gruppe des Naturschutzbunds (Nabu) übernehmen seit vielen Jahren gemeinsam den Amphibienschutz am Egelsee. Dazu richten sie jedes Frühjahr Straßenabsperrungen bei Maibach und am Egelsee ein, stellen Warnschilder und Blinkkegel auf und hoffen auf rücksichtsvolle Autofahrer. "Mehr als Tempo 30 ist nicht erlaubt, da sonst auch die Frösche aufplatzen, die noch nicht die Straße passiert haben", weiß Renate Fischer.

Im Minutentakt sammeln die Kinder die Kröten ein

An diesem feuchtkühlen Samstagabend stehen die Voraussetzungen gut, um Erdkröten, Molche, Gelbbauchunken oder Grasfrösche an ihre angestammten Laichgewässer zu bringen. Schließlich hat es fast den ganzen Tag leicht geregnet und zum ersten Mal seit Wochen sanken die Temperaturen auch in Mainhardt auf einen einstelligen Bereich. "Mitte Februar waren wir schon mal zum Sammeln unterwegs, aber es war wochenlang viel zu trocken und mild", so Fischer.

Während vor langer Zeit einst die legendären Räuber im Mainhardter Wald den Schutz der Dunkelheit suchten, versuchen die kleinen und großen Krötensammler an diesem Samstagabend Licht ins Dunkel zu bringen. Mit Stirn- und Taschenlampe leuchten sie den Weg und den Krötenzaun an der Bundesstraße 14 aus.

An der ehrenamtlichen Suchaktion beteiligt sich auch Tanja Häfele aus Mainhardt mit ihren drei Kindern. "Als ich früher noch in einer Bank gearbeitet habe, da wanderten die Kröten immer nur von einem Konto zum anderen", erzählt sie lachend. Heute arbeitet die dreifache Mutter in einem Büro. Das Krötensammeln sei für ihre Kinder wie eine Art kostenloser Naturkundeunterricht. "Alle Kinder sind mit Begeisterung dabei", betont Tanja Häfele.

Im Minutentakt ertönen von allen Seiten die Erfolgsmeldungen. "Da hinten ist eine", freut sich Merle Stadelmann. Mutter Kirstin hält ihrer Tochter den Sammeleimer hin. "Die fühlt sich ganz weich an", erzählt das kleine Mädchen aufgeregt. Allmählich füllt sich der Sammeleimer aus dem gelegentlich ein leichtes Quaken nach außen dringt. Kirstin Stadelmann deckt den Eimer zur Sicherheit mit einem anderen Eimer ab. "Die Kröten bleiben ganz brav unten sitzen, aber die Frösche wollen alle gleich wieder heraus hüpfen", sagt Kirstin Stadelmann schmunzelnd. Unter der Woche arbeitet sie als Heilerziehungspflegerin im Sonnenhof in Hall. "Der Samstag ist der einzige Tag, an dem die ganze Familie Zeit hat, um bei dieser tollen Aktion mitzumachen", bestätigt sie.

Nach knapp zwei Stunden treffen sich die Gruppen wieder am Parkplatz, um die gesammelten Amphibien frei zu lassen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: 60 Amphibien - darunter 50 Erdkröten und zehn Frösche. Während die kleinen ehrenamtlichen Helfer mit ihren Eltern den Nachhauseweg antreten, ist Renate Fischer noch lange nicht müde. "Ich drehe noch einmal eine Runde", sagt sie. Krötensammeln macht süchtig und erfüllt nebenbei einen ökologischen Effekt: Erdkröten vertilgen viele Insekten und leisten so bei der Schädlingsbekämpfung einen wertvollen Beitrag.

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