Kritik an Straßenführung

Gut 140 Interessierte verfolgen die Vorstellung der Pläne für die diskutierte Ortsumfahrt in Großaltdorf.  Bürger skizzieren den Verlauf ihrer Wunsch-Trasse.

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Kontrovers und meist sachlich führten am Dienstagabend die Großaltdorfer die Diskussion mit Bürgermeisterin Ute Zoll und Steven Endel über die ins Auge gefasste Ortsumfahrung. Diese könnte im Rahmen des Ausbaus der Kreisstraße  2218 (Großaltdorf – Ilshofen) realisiert werden. Doch die vorgestellten Pläne wurden unter Beifall von zahlreichen Zuschauern kritisiert. Insbesondere wurde bemängelt, dass der Verkehr in die Vellberger Straße geführt werden soll. Während die Verkehrsbelastung am Bahnübergang wegfällt (dieser soll stillgelegt werden) würden die Anwohner der Vellberger Straße belastet. Zudem sei die Spitzkehre (Hauptstraße-Vellberger Straße) nicht für die Befahrung von Lastwagen geeignet, schon gar nicht im Begegnungsverkehr. Auch sei fraglich, ob die mehr als 30 Jahre alte Brücke an der K 2665 für das prognostizierte Verkehrsaufkommen ausgelegt ist. Statt der beiden vorgeschlagenen Varianten plädieren viele Bürger für folgende Trasse: Die geplante Ortsumfahrung wird weiter nach Westen verlängert und mündet nach dem Aussiedlerhof in die Landesstraße 1040. Das Stück der Landesstraße, das in den Ort führt, soll – so der Vorschlag von  Inge Abendschein – zu einer Kreisstraße zurückgestuft werden.

Prüfung zugesichert

Am Ende des Abends signalisierte Vellbergs Bürgermeisterin Ute Zoll: „Ich stimme Ihnen zu, Sie haben Recht. Ich weiß aber nicht, ob wir Ihnen da Hoffnung machen können. Wir werden uns dafür einsetzen und es versuchen.“ Das Problem sei, dass mehrere Kostenträger beteiligt sind und die angeregte Lösung wohl teurer kommt als die jetzige Lösung. Steven Endel (30), der seit April den Bereich Planung und Entwurf im Straßenbauamt verantwortet, bedankte sich für die Hinweise, er werde die Punkte prüfen.

Noch viele Eventualitäten

Das Straßenprojekt befindet sich im Stadium der Vorplanung. Viele Punkte sind noch mit Fragezeichen versehen und noch nicht entschieden. Die Sanierung der Kreisstraße 2668 steht schon seit mehr als zehn Jahren ganz oben auf der Liste des Landratsamtes. Die Straße trägt den Titel „schlechteste Kreisstraße“ im Land. Die Sanierung war wegen fehlender Zuschüsse vom Land immer wieder geschoben worden. „Jetzt gibt es wieder Geld“, erklärte Ute Zoll.

Im Zug des Ausbaus der Kreisstraße könnten Oberaspach und Großaltdorf eine Ortsumfahrung bekommen, um einen Teil des Verkehrs aus den Orten zu verlagern. Voraussetzungen für die Umfahrungen: Ilshofen und Vellberg müssen die Umfahrung wollen; die Grundbesitzer, auf deren Felder die Trassen verlaufen, müssen bereit sein zu verkaufen oder zu tauschen. Der Kreistag muss die Umfahrungen beschließen und das Land grünes Licht zur Finanzierung geben.

Die 4,5 Kilometer lange Straße, die das Bühlertal mit der Landesstraße bei Ilshofen und der Autobahn verbindet, ist nur 5,5 Meter breit, informiert Steven Endel. Für die zahlreichen Lastwagen, die dort täglich fahren, ist das zu eng, besonders im Begegnungsverkehr. Die Straße soll auf der bestehenden Trasse geführt werden, aber auf 6,5 Meter ausgebaut werden. Hinzu kommen auf jeder Straßenseite ein 1,5 Meter breites Bankett. Ob einseitig oder auf beiden Fahrbahnseiten verbreitert wird, sei noch offen, berichtet Endel. Der komplette Unterbau müsse aufgebaut werden. Vor gut einem Jahr, bei der ersten Vorstellung des Projekts, hieß es, dass 3,3 Millionen Euro für den Ausbau der Kreisstraße und die bessere Autobahnanbindung eingeplant seien sowie 1,6 Millionen Euro für die Ortsumfahrung.

Die Kreisstraße 2668 führt bislang über die Bahngleise in den Ort. Mit der Teilumfahrung von Großaltdorf wird der Bahn ermöglicht, den Übergang zu schließen. Die ansonsten nötige Sanierung wäre dann überflüssig. An dem Bahnübergang hätten sich einige Unfälle ereignet, sagte Endel, diese Gefährdung sei dann weg. Zudem schließen werktags dort alle 20 Minuten die Schranken – es fahren 43 Personen- und 21 Güterzüge. Diese Stopps hemmen den Verkehrsfluss.

Zwei amtliche Varianten

Am Dienstag wurden zwei Trassenvarianten vorgestellt. Die der Kreisverwaltung biegt im Norden des Orts nach Westen ab und mündet in die K 2665 (Straße von Oberscheffach) und lenkt den Verkehr  über eine Spitzkehre in der Hauptstraße in die Vellberger Straße.

Die zweite Variante wird von Bürgermeisterin Ute Zoll präferiert: Ihr Vorschlag sieht vor, dass die Umfahrung näher ans Bahngleis rückt. Der Vorteil: Dann könnte die Stadt die Umfahrung als Erschließungsstraße nutzen, denn im Gespräch ist, auf dem Gelände nördlich des Bahngleises ein Gewerbegebiet auszuweisen.  „Wir haben aktuell keine Gewerbeflächen anzubieten“, so Ute Zoll. Derzeit verhandeln Stadt, Kreis und Land darüber, ob die Förderung einer solchen Variante möglich ist, wenn die Straße dann letztlich eine innerörtliche Funktion hat.

Der Gemeinderat Vellberg hat über das Gewerbegebiet beraten, aber entschieden ist noch nichts. In dem Gewerbegebiet soll keine Industrie angesiedelt werden, es soll Platz sein für örtliche Handwerker. Ungeklärt ist bislang zudem, ob Wasser- und Abwasserleitungen mit vertretbaren Kosten auf die andere Seite der Bahngleise verlegt werden können.

Kontroverse Diskussion

Großen Beifall erhielt Martin Ziegler für seine Kritik  an der Trassenführung. Seine Familie wohnt an der Hauptstraße, an der Spitzkehre zur Vellberger Straße. „Frau Zoll, Sie haben uns vergessen“, klagte er. Der Verkehr werde zwar am Bahnübergang umgeleitet und der Ortskern davon entlastet, aber dann in den westlichen Teil von Großaltdorf geführt. Angesichts des steigenden Verkehrsaufkommens sei das für ihn unvorstellbar. Er formulierte als erster  von zahlreichen Bürgern den Wunsch nach der verlängerten Trasse (siehe Grafik). Bürgermeisterin Ute Zoll sagte: „Wir haben natürlich auch daran gedacht, dass es sinnvoll ist, die Trasse weiterzuführen“, sagte sie auf Zieglers Vorschlag, „aber das Land sagt ,njet’.“

„Das wäre ein Traum“

Weitere Bürger wiesen auf das Alter der Brücke an der  Einmündung der K 2665 hin und fragten, ob diese für die erwartete Verkehrsbelastung überhaupt ausgelegt sei. „Da kommt doch kein LKW rum“, sagte ein Mann zur engen Kurve Hauptstraße/Vellberger Straße. Rainer Ertl regte an, einen Fußgängerüberweg am stillgelegten Bahnübergang anzulegen, damit die Großaltdorfer ins Naherholungsgebiet spazieren können. Eine Frau, die beim Bahnübergang wohnt, sagte: „Für mich wäre das ein Traum, wenn der Bahnübergang stillgelegt würde. Aber es ist nicht sinnvoll, Anwohner gegen Anwohner auszuspielen.“

Günter Schmitt, Geschäftsführer der Spedition in Vellberg-Talheim  plädierte für die vorgeschlagene Planung: „Entweder akzeptieren wir den Kompromiss oder es bleibt wie bisher mit Stopp und Anfahren am Bahnübergang.“

Vor zwei Jahren war die Verkehrsbelastung der K 2218 erhoben worden:  3400 Fahrzeuge plus 167 Lastwagen fuhren damals. Aktuell läuft eine neue Zählung. An manchen Tagen sei die Belastung bei 4000 Fahrzeugen, so Steve Endel. Ein gemittelter Wert liege noch nicht vor. Er vermutet, dass er bei rund 3800 Fahrzeugen pro Tag liegt.  Bei der Bürgerinformation in Großaltdorf korrigierte Endel seine Aussage, die er Mitte September in Oberaspach getroffen hatte.  Laut Prognosen verdoppele sich der Verkehr nicht bis 2030 sondern bis 2045. Er hatte sich die Angaben der Hochrechnung aus den Akten falsch gemerkt. Dort hieß es 2015, dass sich bis in 30 Jahren die Fahrzeugdichte auf der  K 2218 auf täglich 6100 erhöhen werde. sel

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