Klingende Kindheit – Frithjof und Rosi Grögler beim Drehorgeltag dabei

Sie sind diesem Instrument verfallen und so etwas wie die Eltern des Drehorgeltags im Freilandmuseum Wackershofen: Frithjof und Rosi Grögler aus Renningen.

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Vom Drehorgel-Virus infiziert: Rosi und Frithjof Grögler aus Renningen (Landkreis Böblingen).  Foto: 

„Das war, als wir den runden Schleifstein bei der Dorfschmiede im Museum gesehen haben“, erinnert sich Frithjof Grögler noch genau an den Moment, als die Idee mit dem Drehorgeltag geboren wurde. Er war vor ein paar Jahren gemeinsam mit seiner Frau Rosi im Freilandmuseum Wackershofen zu Besuch. Beim Anblick von Schmiede und Schleifstein kam beiden die Moritat vom alten Scherenschleifer und seinem treuen Hund in den Sinn – „eine spontane Eingebung“, sagt Frithjof Grögler. Schnell entwickelten sich die Gedanken weiter: Wie wäre es, in Wackershofen einmal einen Drehorgeltag zu feiern. Die Gröglers streiften übers Museumsgelände und hielten schon nach passenden Drehorgel-Plätzen Ausschau.

Wieder daheim, schrieben sie an Museumsleiter Michael Happe und stießen mit ihrer Idee bei ihm auf offene Ohren. Der Stein kam ins Rollen, und am morgigen Sonntag wird die dritte Auflage dieses Festtags rund um das traditionelle Instrument der Gaukler und Bänkelsänger gefeiert. Mehr als 20 mechanische Drehorgeln sind im Einsatz. Die Teilnehmer kommen aus Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und auch aus der Schweiz, berichtet Frithjof Grögler, der gemeinsam mit seiner Frau auch bei vielen anderen Treffen zu Gast ist: „Allein im vergangenen Jahr hatten wir 57 Veranstaltungen.“ Das Repertoire reicht von Volksliedern über Moritaten, Choräle und Chansons bis zu modernen Songs.

Erster Auftritt mit gemieteter Drehorgel kam gut an

Doch woher kommt dieses Faible für den klingenden Leierkasten? „Ich habe als Kind gerne Moritaten gehört“, erzählt der 74-Jährige. Geboren wurde er im Sudetenland. Im Krieg musste seine Familie fliehen und kam nach Heilbronn. Dort und in Marbach am Neckar ist Frithjof Grögler aufgewachsen. Schule, Studium und sein Beruf als Jurist bei der Landesverwaltung ließen ihm für die Musik nicht viel Zeit. Aber während eines Lehrauftrags in Meißen habe ihm eine Studentin von ihrer Großmutter aus dem brandenburgischen Treuenbrietzen erzählt. „Da fiel mir gleich die Ballade ,Sabinchen war ein Frauenzimmer’ ein.“ Darin fällt die junge Frau auf einen Schuster aus Treuenbrietzen herein – und ihm schließlich zum Opfer.

Die Episode hat sich Grögler eingeprägt. Aus Neugier mietete er eine Drehorgel und trat mit seiner Frau beim Geburtstag eines Freundes auf. Sie sangen „Mariechen saß weinend im Garten“ – „das kam gut an“. Und um die Gröglers war’s geschehen, der Drehorgel-Virus hatte sie infiziert. Frithjof Grögler wünschte sich zu Weihnachten 2009 eine Drehorgel – und bekam sie auch. Seither betreiben die Gröglers mit Freude ihr Drehorgel-Hobby. Mittlerweile besitzt das Ehepaar aus Renningen drei Instrumente, die sie am Sonntag auch nach Wackershofen mitbringen.

Was für Frithjof Grögler die Faszination der Drehorgel ausmacht? Der Renninger überlegt. Da gibt es diesen besonderen Klang, der zwar an eine Kirchenorgel erinnert, „aber natürlich nicht so laut ist – und man kann gut dazu singen“. Zudem scheint eine Art Nostalgie-Gefühl mitzuschwingen. Grögler erzählt von einem Auftritt in einem Pflegeheim im Sauerland, bei dem er mit seiner Frau spielte, sang und Textblätter zum Mitsingen verteilte. „Dort saß auch eine alte Frau, die ganz mürrisch dreinschaute.“ Es dauerte eine Weile, doch dann hellte sich ihre Miene auf, und sie sang mit. Dass die Dame schon seit vielen Wochen ganz verdrießlich und verschlossen war, erfuhren die Gröglers danach von einem verblüfften Pfleger. Der Drehorgelklang hatte sie aufgetaut. „Wenn man das sieht und erlebt, das ist einfach wunderbar.“

Info Der Drehorgeltag im Freilandmuseum Wackershofen wird am Sonntag von 11 bis 18 Uhr gefeiert. Neben der Drehorgelmusik ist auch eine Gruppe biedermeierlich gekleideter Frauen und Männer zu sehen, die im Museum unterwegs sind. Um 15 Uhr gibt es in der Mitte des Museumsdorfes ein Konzert mit allen Drehorgeln.

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