Kleiner Teilort mit vielen Flüchtlingen – Offene Diskussion bei Infoveranstaltung

In Tüngental leben im Verhältnis zur Einwohnerzahl so viele Flüchtlinge wie nirgends sonst in Hall. Probleme und Chancen werden offen diskutiert.

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48 Menschen aus Syrien, Gambia und dem Irak treffen auf 1153 Tüngentaler.  „Ich habe mit Überwachungskameras aufgerüstet“, sagt ein Tüngentaler. Frauen rät er, nachts nicht mehr auf die Straße zu gehen. Und es gibt eine Familie, die sich von den Flüchtlingen in ihrem Haus belästigt fühlt. Die schulpflichtigen Kinder könnten nachts nicht mehr schlafen.

Und es gibt einen Schulleiter, eine Kindergartenleiterin sowie viele Bürger, die sich über die Impulse von außen freuen, die Flüchtlinge gerne integrieren wollen. Zur Infoveranstaltung von Landratsamt und Stadtverwaltung kürzlich in der Turnhalle kommen rund 40 Bürger. Sie erleben einen offenen Austausch über Probleme und einen konstruktiven Dialog über Lösungen. Am Anfang betont Martina Steinecke,  Leiterin des Ordnungsamt im Landkreis, die Zwänge. Im vergangenen Jahr seien bekanntlich viele Flüchtlinge angekommen. 17 Immobilien wurden in Hall gemietet, drei davon in Tüngental. Es sei Zufall, dass in diesem Teilort nun Potenzial ist, 76 Personen unterzubringen. Zurzeit seien davon nur 48 Plätze belegt (siehe Info-Kasten) .

Mit der Frau des Ortsvorstehers, Elisabeth Dorsch, hat Tüngental einen Trumpf im Ärmel. Sie spricht nicht nur Arabisch, sondern stellt auch unermüdlich den Kontakt zwischen Alt- und Neubürgern her. Zwischenzeitlich sei gemunkelt worden, dass Tüngental nur deshalb so viele Flüchtlinge zugeteilt bekomme, weil die 20 Aktiven des Freundeskreises Asyl ihre Arbeit so gut machten.

Das sei nicht richtig. Im vergangenen Jahr musste man schlichtweg alles anmieten, was für die Unterbringung gepasst hat, widerspricht Steinecke. Und da griff man auf das Angebot der städtischen Grundstücks- und Wohnungsbaugesellschaft in Hall zurück, die Räume in Tüngental zu vermieten.

Neben einigen skeptischen Tüngentalern, die sich bei der Versammlung äußern, gibt es eine große Anzahl an Menschen, die die Flüchtlinge mit offenen Armen aufnehmen wollen. Kindergärtnerin Monika Fischer sagt: „Die Kinder sind sehr offen und etwas Bereicherndes.“ Schulleiter Felix Greiner berichtet: „Wir haben vier Kinder aufgenommen. Es gibt keinerlei Probleme.“ Alle neuen Schüler seien wiss- und lernbegierig. Er gibt die Devise aus: „Deutsch, Deutsch, Deutsch“ – und liegt damit auf einer Linie mit Ortsvorsteher Fritz Dorsch, der jahrelang in arabischen Ländern gelebt hat. „Man muss darauf drängen, dass sie die Sprache lernen.“

Die Ehrenamtlichen vom Freundeskreis geben sich keiner Sozialromantik hin. Der schnelle Wechsel von Familien, die nur kurz im Ort bleiben, erschwere den Kontakt. Mehr Infos von den Behörden seien erwünscht. Werden wirklich alle 76 Betten mit Flüchtlingen belegt, stoße auch der Freundeskreis an seine Grenzen, sagt dessen Vorsitzender Walter Gronbach. Es fehle vor allem an Gemeinschaftsräumen in den Häusern. Das weiß auch Steinecke: „Wenn viele Menschen auf engem Raum zusammenleben, wird es problematisch.“ Mit dem Rückgang der Flüchtlingszahlen ergebe sich die Möglichkeit, die Menschen besser auf den Landkreis zu verteilen.

Von 435 Flüchtlingen leben 48 in Tüngental

Unterbringung Dem Landkreis werden Flüchtlinge zugewiesen, die er unterbringen muss, bis sie einen Aufenthaltstitel haben. Spätestens nach zwei Jahren soll die Zeit der „vorläufigen Unterbringung“ enden. Derzeit haben 2022 Flüchtlinge im Kreis diesen Status – mit sinkender Tendenz.

Verteilung Im Stadtgebiet von Schwäbisch Hall werden aktuell 435 Flüchtlinge beherbergt – 70 Plätze sind noch frei. 48 Personen leben in Tüngental, 150 in Hessental, 74 im Steinbeisweg in der Stadtheide und 163 im Stadtgebiet von Hall. Auf die vorläufige Unterbringung folgt die Anschlussunterbringung. In dieser Kategorie werden zurzeit rund 150 Flüchtlinge in Schwäbisch Hall beherbergt.

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