Klares Bekenntnis für den Erhalt

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Die Ministerin Edith Sitzmann lässt sich von Michael Hörrmann die Geschichte der Großcomburg in Schwäbisch Hall erläutern. Im Hintergrund stehen unter anderem Bürgermeister Peter Klink, Stephen Brauer und Friedrich Bullinger von der FDP sowie Michael Greiner vom Landesamt für Vermögen und Bau.  Foto: 

Noch bevor die eigentliche Tour über den Wehrgang der Comburg startet, nimmt die Finanzministerin Edith Sitzmann (Grüne) Wind aus den Segeln. Vergangene Woche hatte der hiesige FDP-Landtagsabgeordnete Friedrich Bullinger einen Verbal-Angriff auf die grün-schwarze Landesregierung gestartet. Gelassen entgegnet ihm Sitzmann nun: „Das Zentrum für Lehrerfortbildung hat seinen Platz auf der Comburg. Lieber Fritz, so wird das auch bleiben.“ Der Standort werde nicht aufgelöst, sondern werde weiter benötigt. Es ergebe sich nur eine organisatorische Umstrukturierung.

Auslöser waren die Pläne der Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU), die Landesakademie für Lehrerfortbildung aufzulösen, die an drei Standorten – darunter auf der Comburg – untergebracht ist. Es solle ein Institut geschaffen werden, das näher am Ministerium angedockt ist. Eisenmann hatte dies mit mangelnder Qualität der Akademie begründet. Dass der Standort in Hall-Steinbach an sich gefährdet sein sollte, darüber war in der Erklärung der Kultusministerin keine Rede.

Dank vom politischen Gegner

Letztlich bleibt dem FDP-Politiker nur, sich „für die klare Aussage und das Bekenntnis zum Standort“ zu bedanken. Dann bezeichnet er die CDU-Ministerin Eisenmann sowie die Grünen-­Ministerin Sitzmann als „zwei starke Frauen“, auf deren Wort er baue. Jutta Niemann, die Grünen-Land-
tags­abgeordnete aus Hall, die ebenfalls von Bullinger attackiert worden war, war bei der Tour nicht dabei.

Grund für den Besuch der Finanzministerin ist ihre Schlösserreise, bei der sie an verschiedenen Stationen haltmacht. Die Großcomburg gehöre zu den „herausragendsten Orten der baden-württembergischen Kunstgeschichte“ mit „sensationellen Kunstwerken“. Sie nennt den Radleuchter, von dem es in dieser Form nur zwei weitere gibt, außerdem das Antependium, das „funkelt und strahlt in Gold und Silber“. Daneben biete die Comburg 200 Veranstaltungen für Lehrkräfte im Jahr und sei eine wesentliche Säule in der Lehrerfortbildung. „Dafür ist das ein großartiger Standort.“

Das lasse sich das Land auch etwas kosten. Jährlich würden rund 30 Millionen in die Monumente in Baden-Württemberg investiert. Allein in die 1993 begonnene Sanierung der Comburg sind seither mehr als 17 Millionen Euro geflossen. Auch Michael Hörrmann, Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, lobt den  „ungeheuren kulturellen Schatz“  auf der Comburg. Unter den knapp drei Dutzend Monumenten im Land sei jenes in Steinbach einzigartig, alleine durch die „Dichte an kunsthistorischen Ausnahmen“. Das Kloster in Maulbronn, das als Unesco-Weltkulturerbe freilich einen anderen Rang besitzt, locke jährlich rund 240 000 Besucher an. Auf der Comburg waren es bis 2012 gerade mal 9000. Als die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-­Württemberg das Objekt darauf übernommen haben, stieg die Zahl zwar auf 20 000. Dort stagniere der Wert aber.

Besucherzahlen gering

„Sie kriegen das Ding nicht zum Laufen, wenn sie nicht mit eigenen Leuten vor Ort sind“, so Hörrmann. Denn verwaltet wird die Anlage weitestgehend vom Hauptnutzer, der Landesakademie für Lehrerfortbildung, die eigentlich nicht für touristische Betreuung zuständig ist. „Wir brauchen Mitarbeiter“, fordert der Geschäftsführer.

Noch ein Problem benennt Michael Greiner, Leiter des Landesamtes für Vermögen und Bau. Für die Lehrerfortbildung reichen die 83 Zimmer auf der Großcomburg nicht aus. Das werde bereits  über Hotelbuchungen kompensiert. Pläne für Erweiterungen der Kleincomburg auf der gegenüberliegenden Talseite sind bereits erstellt. Das einst als JVA-Außenstelle genutzte Gebäude müsse ertüchtigt, die Kirche saniert und „für die Öffentlichkeit wieder bespielbar“ gemacht werden. Doch bevor die Arbeiten beginnen, sei wichtig zu wissen: „Haben wir einen Nutzen oder nicht?“ Sitzmann weist Verantwortung von sich. „Die fachliche Ausgestaltung der Lehrerfortbildung müssen andere machen.“

Noch arbeite die Kultusministerin an den Plänen, die 2019 greifen sollen. Bis dahin werde klar sein, wie groß der Raumbedarf auf der Comburg sein wird und ob dann Mittel für die Kleincomburg bereitgestellt werden.

Für den Ersten Bürgermeister Peter Klink aus Hall bleiben dennoch zwei gute Nachrichten: Auch auf Landesebene sind die Besucherzahlen im Fokus, und es werden weiter Lehrer auf der Comburg fortgebildet. „Die Nutzung ist der Garant für den Erhalt“, sagte Klink.

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