Rede an die Jugend: Kinderlose als „Zombies“

Professor Bernd Raffelhüschen erläutert in der Aula des Schulzentrums Ost die Bedeutung von mehr Nachwuchs, um die Rente zu sichern.

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Der Freiburger Professor Bernd Raffelhüschen spricht am gestrigen Dienstag in der Aula am Schulzentrum Ost.  Foto: 

Es gibt nichts Gutes außer Kinder. Von Kindern können wir nicht genug kriegen. Sie sind das Gold einer Gesellschaft“, überzeugt Professor Dr. Bernd Raffelhüschen einen Schüler. Der hatte ihn gestern in der Fragerunde nach dem Vortrag in der vollbesetzten Aula des Schulzentrums Ost nach der Gerechtigkeit des deutschen Rentensystems gefragt. Dabei wollte der Schüler wissen, was besser für den Staat sei: Arbeiten zu gehen, oder zu Hause bei den Kindern zu bleiben?

Finanzexperte Raffelhüschen plädiert klar fürs Kinderkriegen: „Wenn Ihre Frau  Karriere macht und sie 15 Jahre lang durchfüttert, dann kriegen Sie als Vater 15 Entgeltpunkte. Sie bekommen 15 Jahre für die Rente angerechnet, als ob Sie Lohn empfangen hätten.“  Er warnt sogar davor, keinen Familienzuwachs anzustreben: „Wir müssen Kinderlose mehr mit rannehmen, damit es funktioniert.“ Dass diese natürlich nicht begeistert sein werden, wenn die Steuern für sie steigen, räumt er ein. Doch er rechtfertigt seinen Grundsatz mit einem monströsen Vergleich: „Der, der von der Welt geht, ohne etwas zu hinterlassen, ist ein Zombie!“

Privilegierte werden privilegiert

Er ist ein Fan der Jugend: „Ich bin viel mehr ein Interessensvertreter der jungen Generation. Nur das, was im Bundestag steckt, ist katastrophal. Die Politiker müssten die Interessen der eigenen Generation vertreten, das tun sie aber nicht. Wir privilegieren die Privilegierten und die Politiker schnallen das nicht.“

An dieser Stelle ergreift Thomas Preisendanz, ehemaliger Schulleiter des Gymnasiums bei St. Michael, das Wort und appelliert an die versammelte Schülerschaft der Oberstufe: „Wenn Sie an diesen Entscheidungen mitwirken wollen, dann müssen Sie bei dieser Diskussion dabei sein.“ Der Vorstand der Bürgerstiftung, die jährlich zur Rede an die Jugend einlädt, meint: „Ihre Generation nimmt sich immer mehr aus der Politik heraus. Sie stehen in einem demokratischen Land immer mehr Älteren gegenüber statt Jungen. Wenn Sie nicht mitwirken, wird das immer schlimmer!“ Im Jahr 2007 war Raffelhüschen schon einmal Gast bei der Rede an die Jugend. Preisendanz will herausgehört haben, dass er jetzt weniger optimistisch in Bezug auf die private Absicherung der Rente ist.

Kinder als Luxusgut

Kann man sich Kinder überhaupt leisten? Diese Frage stellt der Professor aus Freiburg. „Kinder sind etwas, das als Luxusgut gilt. Wenn man reich ist, kriegt man aber keine“, lautet Bernd Raffelhüschens Gesellschaftskritik. Betrachtet man die Bevölkerungsstatistik, die Raffelhüschen an die Wand projiziert, so kann von einer Pyramide gar nicht mehr die Rede sein. An der Zwiebelform des Schaubildes kann man eindeutig erkennen: Es fehlt in Deutschland die Jugend.

Immerhin sei  man im Durchschnitt 22 Jahre alt, wenn man zum ersten Mal Steuern und sonstige Abgaben zahlt, erklärt Bernd Raffelhüschen. „Aber die Welt ist schön. Und die Steinzeit ging nicht zu Ende, weil keine Steine mehr da waren. Sondern, weil neue Technologien entwickelt wurden“, schließt der Referent optimistisch. Er sei ein Gegner der Panikmache, dass die Rente nicht sicher und Altersarmut unvermeidlich sei.

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