Kinderhospizdienst baut Haus

Investition: Für junge Patienten mit lebensverkürzenden Krankheiten entsteht ein Ort, an dem sie tagsüber betreut werden. Der Plan vom stationären Hospiz wird damit allerdings aufgegeben.

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Bereits in diesem September soll der neue Fertigbau-Bungalow neben der Zehntscheuer von Hessental bezogen werden. Derzeit wird noch der Bauantrag geprüft. Es soll ein Treffpunkt für todkranke Kinder und Jugendliche und ihre Angehörigen entstehen.  Übernachtungsmöglichkeiten sind keine vorgesehen in dem Gebäude, das in der Straße „Mittelhöhe“ gebaut wird.

Andere waren schneller

„Natürlich war es ein Wunsch, ein stationäres Kinderhospiz zu bekommen. Wir konnten uns das zusammen mit einem Erwachsenenhospiz vorstellen“, berichtet Astrid Winter, Koordinatorin des Vereins Ambulantes Kinderhospiz (AKI). Doch das kam nicht zustande, berichtet sie am Mittwochabend den rund 50 neuen Nachbarn aus Hessental, die ins Gemeindezentrum St. Maria zum Infoabend kommen.

Andere waren schneller. Nun wird in Stuttgart ein stationäres Kinderhospiz errichtet. „70 Kilometer davon entfernt noch eines zu bauen, das trägt sich wirtschaftlich nicht“, berichtet Winter. Zunächst waren die Vereinsmitglieder „alle traurig“. Doch sie richteten den Blick nach vorn und streben nun ein Projekt an, das auch beim Infoabend im Vordergrund steht.

Familien mit Kindern, die unter schweren Krankheiten leiden, können bis zu 28 Tage pro Jahr die Pflege in einem stationären Hospiz in Anspruch nehmen. Doch was passiert davor und danach? Die Haller Gruppe, die elf  ausgebildete Begleiter bei gut einem Dutzend zu betreuenden Familien im Einsatz hat, füllt nun diese Lücke. Sie will Familien rund ums Jahr besser begleiten und die Trauerhilfe ausweiten.

Warum muss man dafür ein Haus für 349­ 000 Euro (ohne Einrichtung und Bodenplatte gerechnet) bauen? Astrid Winter sowie die Betreuerinnen Stephanie Kizilay und Hanne Herrmann erläutern, warum sie von der Notwendigkeit des Gebäudes überzeugt sind. Bisher logiere der Verein in einem Zimmer im Hagebau Häsele. Das sei allerdings für Rollstuhlfahrer nicht erreichbar. „Manchmal braucht man eine Liege, weil das Kind nach einer Freizeitaktivität erschöpft ist. Manchmal ist eine Dusche nötig, weil ein Malheur passiert ist“, sagt Hanne Herrmann über die Anforderungen an einen Ort des Zusammentreffens. All diese Voraussetzungen seien in anderen Gebäuden nicht so einfach herzustellen.

Kizilay sagt: „Wir starten die Angebote mit einem Snoezeltag für alle, einer Trauergruppe und einem Elternfrühstück.“ Wobei Snoezeln bedeutet, dass man sich in einem extra  Wohlfühlzimmer entspannt. Geplant seien auch Vorträge, Treffen und Beratungsstunden. Das Haus umfasst einen teilbaren Allzweckraum, ein Besprechungszimmer, Küche, Dusche, Toilette, den Wohlfühlraum und eine Abstellkammer.

Die Hessentaler fragen nach, wollen Details wissen. Es meldet sich niemand, der das Konzept in Frage stellt. Der Verein will noch einmal darüber nachdenken, ob er mehr als drei Parkplätze benötigt. Dass der Bungalow hinter der historischen Dorfscheune, die angeblich kurz vor dem Verkauf steht, versteckt bleibt, wird gelobt.

„Überlegt euch, ob ihr nicht doch einen Keller baut. In ein paar Jahren fehlt euch der Stauraum“, sagt Friedrich Bay. Der FWV-Stadtrat outet sich als Fan von Kellern. Der Hessentaler verfolgt die Ausführungen als Zuhörer beim Infoabend. Wer keinen Keller baue, habe bald den Garten voll mit Hütten stehen.

Im Gebäude sei eine Abstellkammer eingeplant, wird er aufgeklärt. Ein Keller wäre schön, doch dafür reicht das Geld wiederum nicht. „Wir sind schuldenfrei und werden es auch bleiben“, sagt Dietmar Link, der für die Finanzen zuständig ist. Die letzten elf Jahre wurde der Verein durch so viele Spender unterstützt, dass nun der Vereinszweck „Bau eines Gebäudes“ angegangen werden könne. Für die Ausstattung und den Gartenbau sei man aber auf weitere Hilfen angewiesen.

Vereine In Schwäbisch Hall gibt es zwei Gruppen, die seit Jahren Menschen bei schweren, lebensverkürzenden Krankheiten begleiten. Der Hospiz-­Dienst Schwäbisch Hall e.V. ist bereits 25 Jahre alt und kümmert sich um Erwachsene (siehe Seite 10). Das Ambulante Kinderhospiz ist mit seinen elf Jahren der jüngere der beiden Vereine und legt den Fokus seiner Arbeit auf die Begleitung von Kindern und Jugendlichen.

Bedeutung Hospiz bedeutet Herberge und bezeichnet eigentlich eine stationäre Pflegeeinrichtung, die meist über nur wenige Betten verfügt und ähnlich wie ein kleines Pflegeheim organisiert ist. In Hall ist der Hospizdienst beider Vereine als ambulante Arbeit organisiert. Das bedeutet: Ausgebildete Ehrenamtliche begleiten die Kranken und ihre Familien zu Hause. tob

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