Kinder-Uni am Haller Campus – Schlachtordnung als Matheaufgabe

Wie ticken die alten Römer? Was ist eine Tunika? Wie formieren sich Truppen? Acht- bis Zwölfjährige bekommen bei der Kinder-Uni Antworten.

|
„Woher wissen wir so viel über die alten Römer?“ Kinder bei dem Vortrag am Haller Campus.  Foto: 

„Salvete pueri puellaeque“, ist auf der Leinwand zu lesen. „Wer von euch weiß, was das heißt?“, will Professor Tobias Arand von seinen acht bis zwölf Jahre alten Zuhörern wissen. „Irgendwas mit ,Hallo’“, interpretiert ein aufstrebender Lateiner großzügig die höfliche Formel. „Seid gegrüßt, ihr Jungen und Mädchen.“

Um das zuvorkommende Miteinander geht es bei der Kinder-Uni am Campus Schwäbisch Hall aber sowieso nicht: Die kriegerische Seite der alten Römer steht auf dem Vorlesungsprogramm, das von der Akademie für Innovative Bildung und Management Heilbronn-Franken (AIM) angeboten und von 87 Mädchen und Jungen angenommen wurde.

Wo die alten Römer sind, da ist Asterix nicht fern. Immer wieder tauchen auf der Leinwand Bildchen aus den berühmten Comics auf. Wie sich herausstellt, sind die Details in den kultigen Zeichnungen aus der Feder von Albert Uderzo historisch erstaunlich präzise.

Geschichtsstunde mit Fotos von antiken Skeletten

„Woher wissen wir so viel über die alten Römer, obwohl die damals noch kein Handy hatten?“, fragt der Professor ganz auf der Höhe der Zeit. Die Antwort ist bekannt: Die Archäologen haben’s herausgefunden.

Mit Fotos von antiken Skeletten erklärt er, dass man durch Untersuchung der Knochen Rückschlüsse auf Ernährungsgewohnheiten und Krankheiten in der Vergangenheit ziehen kann. Weniger beunruhigende Mosaike und Steinskulpturen verraten alles über Kleidung, Mode und Frisuren. Und natürlich über militärische Ausrüstung.

Arand zeigt Fotos von archäologischen Funden. Für Kleidungsstücke findet er publikumsgerechte Vergleiche: „Eine Tunika ist ein großes T-Shirt.“ Die Kinder sehen ein Paar Originalsandalen, die exakt aussehen wie jene Fußbekleidungen, die stets herrenlos in der Luft hängenbleiben, wenn Obelix die Römer verhaut. Die Schlachthörner und die Standarten, die Helme, sogar der legendäre „Schildkrötenpanzer“ aus Dutzenden von Römerschilden – Asterixfreunde erkennen alles sofort wieder.

Der Historiker verpackt die Schlachtordnung der römischen Armee als Mathematikaufgabe. Die Köpfe rauchen beim Rechnen: Ein Contubernium besteht aus acht Soldaten (Miles), die zwei Maulesel und ein Zelt mit sich führen. Zehn Zelte reichen für eine Centurie. Zwei Centurien bilden ein Manipel, drei Manipel eine Kohorte, und mit zehn Kohorten hat man dann endlich seine Legion beisammen. Die meisten Soldaten waren auf ihre Sandalen angewiesen: Jede Legion hatte nur 100 Reiter bei sich, die sogenannte „Ala“, nach der – wer weiß es? – die Stadt Aalen benannt ist.

Fragen zu Vesuv, Pompeji, Limes und Römerzeiten

Die komplizierte Unterteilung erlaubte die rasche Änderung der Truppenformation. Es wird klar, dass dies mit die Grundlage des Imperium Romanum war, das sich in seinen besten Zeiten rund um das Mittelmeer über drei Kontinente erstreckte. Dass die Römer mit ihren Gefangenen nicht zimperlich umsprangen, wird bei Asterix ausgespart, dürfte aber klar sein. Der Feind trägt auf zeitgenössischen Darstellungen übrigens immer Bart und lange Hosen, die ihn als „Barbaren“ brandmarken.

Cäsar persönlich wusste über seine Truppen wohl kaum besser Bescheid als die Kinder am Campus nach diesem kurzweiligen Vortrag. Aber sie haben noch nicht genug und löchern Professor Arand mit Fragen: Wie war das mit dem Vesuv und Pompeji, was ist der Limes, wie viel Quadratmeter hatte ein Römerzelt? „Gab es das unbesiegbare gallische Dorf wirklich?“, erkundigt sich ein Mädchen. „Eher nicht“, lautet die Auskunft aus den eigenen Reihen.

 Nicht nur die kleinen, auch mindestens eine erwachsene Zuhörerin verlassen den Saal mit erweiterter historischer Bildung. Ob sie wirklich gesponnen haben, die Römer, das muss nun jeder für sich allein entscheiden.
 

Akademie mit Premierenauftritt am Haller Campus

Bildungsprojekte Die Akademie für Innovative Bildung und Management Heilbronn-Franken (AIM) ist eine gemeinnützige GmbH, die innovative Bildungsprojekte entwickelt und fördert. Zweimal im Halbjahr gehen Vertreter der Einrichtung mit ihren Bildungsangeboten für Schüler auf Reisen. Am Haller Campus gastierte die Bildungseinrichtung zum ersten Mal. Bisher war die Kinder-Uni in den Räumen der Bausparkasse. Über die Bildungsangebote für Kinder und Erwachsene kann man sich im Internet informieren, auf  der Seite www.aim-akademie.org cito

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Merlins zeigen ihre Defensivstärke in Nürnberg

Die Crailsheim Merlins haben ihren zehnten Sieg in Serie eingefahren. Mit einem 74:46-Erfolg bei den Nürnberg Falcons. weiter lesen