Kinder in Rotem Ochsen geboren

Es ist ein besonderer Tag für Siegfried Schöppler: Der ehemalige Besitzer des Roten Ochsens feiert am vergangenen Sonntag Geburtstag. Wo? In seinem ehemaligen Gasthaus, das inzwischen im Museum steht.

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  • Da lacht der ehemalige Roter-Ochsen-Wirt Siegfried Schöppler aus Riedbach. Seinen 85. Geburtstag darf er in seinem translozierten Gasthof im Hohenloher Freilandmuseum mit der ganzen Familie feiern. 1/3
    Da lacht der ehemalige Roter-Ochsen-Wirt Siegfried Schöppler aus Riedbach. Seinen 85. Geburtstag darf er in seinem translozierten Gasthof im Hohenloher Freilandmuseum mit der ganzen Familie feiern. Foto: 
  • Der Ochsen in Riedbach im Jahr 1956. 2/3
    Der Ochsen in Riedbach im Jahr 1956. Foto: 
  • So präsentiert sich der Ochsen heute in Wackershofen. 3/3
    So präsentiert sich der Ochsen heute in Wackershofen. Foto: 
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Mit einem Lächeln auf dem Gesicht blickt sich Siegfried Schöppler im Gasthof "Zum Roten Ochsen" im Hohenloher Freilandmuseum um. Für den Senior ist der vergangene Sonntag ein besonderer Tag. Zum einen hat der ehemalige Besitzer des historischen Gasthofes aus Schrozberg-Riedbach Geburtstag, zum anderen schwelgt er in Erinnerungen.

Geschwister, Kinder, Enkel und Urenkel sind gekommen, um Siegfried Schöpplers 85. Ehrentag bei einem Vier-Gänge-Menü zu feiern. Kaum ist der Magen gefüllt, drängt einer von Schöpplers drei Brüdern: "Komm Siegfried, wir zeigen unsere Schlafstube." Einige der Nachkommen kennen den Roten Ochsen nur vom Erzählen. Dort, wo einst die Buben abends zur Ruhe gekommen sind, ist heute ein Nebenzimmer des Gasthofs eingerichtet. Schöppler drängt weiter. Noch vieles mag er seinen Lieben zeigen.

Draußen vor einem runden Torbogen, dessen Türen verschlossen sind, macht er Halt. "Hinter diesen Eichentüren standen einst zwei Postkutschen", erzählt er. Eine Eilkutsche, die auf dem Postkurs zwischen Augsburg und Frankfurt am Main unterwegs war, und eine Postkutsche, die in der Region zum Einsatz kam. "Hier wurden stets die Pferde gewechselt."

Geburtstagsfeiern, Theaterstücke und Vesper gab’s für Gäste

Siegfried Schöppler, ehemals Landwirt, hat den Roten Ochsen im Jahr 1952 auf Rentenbasis erworben. Er gehörte davor einem Kreisbauernführer, der im Dritten Reich von 1945 bis 1951 in einem Internierungslager gefangen gehalten wurde. "Kurz nach seiner Freilassung verstarb er an einem Herzschlag", weiß Schöppler. Die Erben, die zwei Schwestern des Verstorbenen, verpachteten ihm den Gasthof. Das Haus war nach Untersuchungen mit hoher Wahrscheinlichkeit im Jahr 1532 erbaut worden.

Seine drei Kinder sind noch im Roten Ochsen geboren. Doch ein Gasthof im eigentlichen Sinn war der Rote Ochsen seit dem Erwerb nicht mehr. "Im Winter haben wir die Wirtschaft für ganze vier Wochen geöffnet, damit das Schankrecht nicht verfällt", erzählt der Senior. Den Rest des Jahres sei er geschlossen gewesen. Bier, Wein und Vesper habe die Familie den Gästen angeboten. Vereine nutzten den großen Saal des Gasthofes für Versammlungen. Auch Geburtstage seien darin gefeiert und Theater gespielt worden. 1970 erwarb Siegfried Schöppler vom Nachbarn ein großes Grundstück in Riedbach, auf dem er einen Neubau errichtete. Der Rote Ochsen stand leer.

Noch gut erinnert sich Schöppler an den Tag, an dem Halls ehemaliger Bürgermeister Karl-Friedrich Binder mit einer Delegation gekommen war, um den alten, unter Denkmalschutz stehenden Gasthof zu inspizieren. Es war das Jahr 1979. "Damals standen einige alte Gasthöfe für eine Translozierung ins Hohenloher Freilandmuseum zur Debatte", berichtet Schöppler. Natürlich habe er gehofft, dass es der Rote Ochsen werde. Doch er hatte sich zu gedulden. "Vier bis fünf Jahre hat es gedauert, bis eine Entscheidung gefallen ist."

Als er 1986 zur Eröffnung ins Freilandmuseum kam, staunte Siegfried Schöppler nicht schlecht. Vieles war anders als früher. Der Grund: Durch zahlreiche Umbauten war der Rote Ochsen nicht mehr im historischen Zustand. Das Gasthaus wurde durch die Museumsexperten zurückgebaut. Das, was jetzt zu sehen war, entsprach weitestgehend dem Ursprung des alten Gebäudes.

"Es war ein wunderbarer Moment der Freude", erzählt Schöppler mit leuchtenden Augen von seinem ersten Besuch. Und er ist froh, dass das, was er einst sein Eigen nennen durfte, nun eine ganz neue und wichtige Bedeutung für die Nachwelt bekommen hat.

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