Vergärungsanlage: Keine Kooperationspartner in Sicht

In Obersontheim wird vorerst keine Vergärungsanlage gebaut. Dadurch sollte die Geruchsbelästigung durch das Kompostwerk vollends reduziert werden.

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Berge von Bioabfall werden beim Kompostwerk in Obersontheim weiterverarbeitet.  Foto: 

Die Obersontheimer müssen sich noch gedulden und weiter unangenehme Gerüche vom Kompostwerk ertragen, wenn der Wind ungünstig weht. Eigentlich sollte es durch das Vergären des Bioabfalls vor dem Kompostieren besser werden. Diese Vergärungsanlage wird nun aber vorerst nicht gebaut. Die Kreisverwaltung kommt nach einem Gutachten zu dem Schluss, dass der Planung und dem Bau einer Vergärungsanlage in Obersontheim zwar eigentlich nichts mehr im Weg steht, aber es hängt „an der Wirtschaftlichkeit, an den erforderlichen Bioabfallmengen“, macht Landrat Gerhard Bauer im Umwelt- und Technikausschuss deutlich.

Deshalb hat sich der Landkreis Schwäbisch Hall an einer Untersuchung beteiligt, um Möglichkeiten der interkommunalen Zusammenarbeit im Bereich der Biogutverwertung zu erkennen, beispielsweise notwendige Abfallmengen für Obersontheim zu bekommen. Auftraggeber der Studie sind neben dem Landkreis Schwäbisch Hall die Stadt und der Landkreis Heilbronn, der Main-Tauber-Kreis, der Hohenlohekreis und der Neckar-Odenwald-Kreis.

Das Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie hat die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit untersucht. Den Abschlussbericht stellt Geschäftsführer Dr. Michael Kern im Ausschuss vor. Sein Fazit lautet, dass schon viel im Hinblick auf eine hochwertige Verwertung erreicht worden sei, aber immer noch große Mengen von Biogut nicht genutzt würden. Eine zentrale Anlage für die gesamte Region Heilbronn-Franken wurde als logistisch und ökologisch wenig sinnvoll bewertet und nicht weiter betrachtet.

Abfallmengen reichen nicht

Empfohlen wird die Zusammenarbeit von Hohenlohekreis, Landkreis Hall und Main-Tauber-Kreis. Nur bei dieser Variante ist Obersontheim als Standort für eine Verwertungsanlage vorgesehen. Je nach Verfahren wären aber Mengen von 35.000 bis 40.000 Tonnen pro Jahr erforderlich. Die drei beteiligten Kommunen kommen gemeinsam auf rund 27.000 Tonnen pro Jahr. Es müssten mindestens 8000 Tonnen von außen akquiriert werden – wirtschaftliches Risiko und keine Aufgabe des Landkreises, macht Landrat Bauer deutlich. Es gebe derzeit auch für keinen kommunalen Kooperationspartner in der Umgebung zeitlichen Druck, da bestehende Verwertungsverträge noch eine Zeit laufen würden. „Für eine Vergärungsanlage in Obersontheim kommen in nächster Zeit keine kommunalen Kooperationen zustande“, lautet das Fazit des Landrats.  „Wir sollten die Planung für eine Vergärungsanlage in Obersontheim deshalb zurückstellen und das fertige Konzept aus der Schublade ziehen, wenn sich Nachbargemeinden beteiligen“, sagt Gerhard Bauer und bekommt die komplette Zustimmung der anwesenden Ausschussmitglieder.

„Derzeit keine Lösung“

„Wir sollten aber die Thematik im Auge behalten, mit den Nachbarn in Verbindung bleiben und, so bald sich Möglichkeiten auftun, wieder aktiv werden“, sagt Kurt Wackler (Freie). „Die Studie hat es deutlich gemacht: Obersontheim ist unser Hinkebein. Eine Kooperation mit Heilbronn wäre besser“, sagt Friedrich Zahn (Grüne/ÖDP). Ute Zoll (CDU) und Daniel Kießecker (Grüne/ÖDP) fragen: „Wie können wir es der Bevölkerung vermitteln, dass es mit den Geruchsbelästigungen so bleibt, wie es ist? Wie schlimm ist es überhaupt?“ „Nicht mehr so schlimm wie vor Jahren“, antwortet Werner Schmidt vom Landratsamt, der in der Gegend wohnt. Je nach Wind gebe es noch hin und wieder Geruchsbelästigungen, die mit der Vergärungsanlage vollends beseitigt worden wären. Aber der Landkreis müsste nun 20 Millionen Euro investieren und müsste Bioabfallmengen am Markt akquirieren – mit allen wirtschaftlichen Problemen. Das sei derzeit keine Lösung.

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