Kein süßes Leben

Die Bienen in Uttenhofen sind vorbildlich am Schaffen. Beim Öffnen eines Stocks steigen zartsüße Duftwölkchen in die neugierig schnuppernde Nase.

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  •  Fenja (8) und Julien (3)  haben keine Angst vor dem stacheligen, gestreiften Insekt. Fenja hält in aller Seelenruhe eine Biene auf der Hand. 1/2
     Fenja (8) und Julien (3)  haben keine Angst vor dem stacheligen, gestreiften Insekt. Fenja hält in aller Seelenruhe eine Biene auf der Hand. Foto: 
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    BU - Biene auf Kinderhand + Fenja hält Rahmen Kleine Nachwuchsimkerinnen: Fenja und Julien Zwilling haben zwar Respekt, aber keine Angst vor den Bienen ihrer Mutter. Foto: 
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Der frische Nektar, der schon reichlich in den Waben hängt, verströmt einen köstlichen, leicht fruchtigen Duft. Groß ist die Versuchung, von dem goldenen Saft zu probieren, und so darf denn auch ein bisschen geschleckt werden. Zu diesem Zweck zieht Dagmar Zwilling einen Rahmen, der möglichst viele, bereits verdeckelte Honigwaben aufweist, aus dem Kasten und schüttelt mit einem energischen Ruck die Bienen ab. Ein mächtiges Summen hebt an, das mit etwas Phantasie leicht beleidigt klingt.

Man hätte sogar Verständnis dafür gehabt, aber die so rüde des Platzes verwiesenen Bienen fallen keineswegs über die menschlichen Störenfriede her: „Das hier ist auch ein besonders friedliches Volk mit einem ganz tollen Charakter“, lobt die Imkerin. Vom Nachmachen wird dennoch abgeraten: Die Tiere wurden zuvor mit etwas Rauch aus dem Smoker ruhiggestellt. Es braucht schon eine Menge Erfahrung, um sich ihnen so intim zu nähern.

Fenja und Julien, die kleinen Töchter von Imkerin Dagmar Zwilling, betrachten ihre „Haustiere“, wie sich das gehört, mit Respekt. Angst haben sie aber nicht. Längst haben sie gelernt, dass alles gut ist, solange man nicht rumzappelt oder gar nach den Bienen schlägt. „Wir haben oft massenweise Kinder zu Besuch, die hier barfuß rumlaufen und es gab noch nie Probleme“, bestätigt die Mama. Die Nachwuchsimkerinnen sperren den Mund auf und es gibt für jeden eine Teelöffelspitze Nektar.

Für die paar Tröpfchen musste eine Arbeiterbiene einen guten Teil ihres Lebens sammeln: „Die Lebensarbeitsleistung einer Biene entspricht maximal einem Teelöffel Honig“, macht die Fachfrau klar. Nur vier Wochen wird eine Arbeiterin alt. Die erste Hälfte dieser Zeit verbringt sie als Bau-, Putz- und Babysitterbiene im Stock, wobei sie auch den Nektar vom Brut- in den Honigraum trägt. Erst durch dieses Umlagern und „Läutern“ entwickelt sich der Honig. Ihre zweite Lebenhälfte verbringt sie im Außendienst als Sammlerin. Kein wirklich süßes Leben.

Geschwärmt haben die Bienen von Dagmar Zwilling bisher nicht: „Es war einfach zu kalt.“ Da „Schwarmstimmung“ aber ohnehin nur aufkommt, wenn es im Stock zu voll wird, hat sie in den letzten Tagen durch „sanftes Schröpfen“ schon für Platz gesorgt, was nichts anderes ist als „kontrolliertes“ Schwärmen: Zwei bis drei Waben mit junger und älterer Brut werden samt Bienen entnommen, und in einem eigenen Kasten mindestens drei Kilometer entfernt aufgestellt, damit die Tiere nicht wieder nach Hause fliegen. Nach einigen Wochen holt man diesen Kasten zurück – in dieser Zeit hat sich das Volk einmal „runderneuert“ und eine eigene Königin erkoren. Im Folgejahr ist dann ein weiteres, honigbringendes „Wirtschafts- volk“ entstanden. Eben dies ist auch der Sinn des Schwärmens: die Arterhaltung durch Vermehrung.

„Frei schwärmende Bienen sollten heutzutage eingefangen werden, da sie ohne Behandlung gegen die Varoa-Milbe nicht überleben“, erklärt Dagmar Zwilling. Die Schwarmstimmung wirke sich zudem nachteilig für den Imker aus: „Das Volk sammelt dann keinen Honig mehr.“ Die Bienen sind mit Reisevorbereitungen beschäftigt, zu denen es auch gehört, ihre Königin auf Diät zu setzen, damit sie – so sie keinen gestutzten Flügel hat – leichter mitfliegen kann. Wobei sich wieder einmal die menschliche Parallele aufdrängt: Ebenso wie die Queen in London hat auch eine Bienenkönigin keine echte Macht und muss letztlich das tun, was das Volk von ihr verlangt. Zur Not muss die Königin dann auch hungern.

Die wahre Königin ist in diesem Fall Dagmar Zwilling. 15 Kilogramm Honig, so schätzt sie, haben sich im besten ihrer vier Bienenstöcke schon angesammelt. Wenn alles nach Plan läuft, wird sich diese Menge bis zur ersten Honigernte, die im Juni ansteht, verdoppelt haben.

Fachbegriffe aus der Imkerei

Waben verdeckeln

Bienen verschließen die wächsernen Wabenzellen im ihrem Stock mit dünnen Deckeln, die ebenfalls aus Wachs bestehen. Auf diese Weise wird entweder die Brut geschützt oder die Waben, in denen der reife Honig als Vorrat für den Winter eingelagert wird.

 

Nektar läutern

Mit ihrem duftenden Nektar machen viele Blütenpflanzen den Bienen (und andere Insekten) die Bestäubung schmackhaft. Das wässrige Pflanzensekret besteht aus mehreren natürlichen Zuckerarten und enthält auch wertvolle Mineralstoffe. Durch ein körpereigenes Enzym können Bienen die Inhaltsstoffe des Nektars aufschließen und den Wasseranteil verringern. Diesen Vorgang, durch den der Honig entsteht, nennt man auch „läutern“.

 

Wassergehalt verringern

Nach den Kriterien des deutschen Imkerbundes ist Honig erst verkehrsfähig, wenn er einen Wassergehalt von weniger als 18% aufweist. Der Wassergehalt wird mit einem kleinen Gerät gemessen: Dem Refraktometer.

 

Wasser holen

Ebenso wie Menschen brauchen auch Bienen Wasser. Das Wasserholen ist ein gefährliches Geschäft für die zarten Tierchen, das sie oft nicht überleben. Damit die Verluste gering bleiben, widmen sich nur die ältesten Arbeiterinnen, deren Tage ohnehin gezählt sind, dieser Aufgabe.

 

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