Karlheinz Maas, Mitgründer der „Salt City Stompers“, spielt noch immer Schlagzeug

Vor 60 Jahren spielten in der „Salzstadt“ Hall die „Salt City Stompers“ erstmals vor großem Publikum – im einstigen Solbad-Saal. Immer noch mit dieser Band jazzend aktiv ist der Schlagzeuger Karlheinz „Pat“ Maas (87).

|
Vorherige Inhalte
  • Karlheinz Maas zeigt ein altes Foto der „Salt City Stompers“ – auf der Einladung zum ersten Konzert am 25. Februar 1956 in den Solbad-Saal. Maas hat die Jazzband mitbegründet. ?  Mehr Bilder auf www.swp.de/schwaebisch_hall 1/3
    Karlheinz Maas zeigt ein altes Foto der „Salt City Stompers“ – auf der Einladung zum ersten Konzert am 25. Februar 1956 in den Solbad-Saal. Maas hat die Jazzband mitbegründet. ? Mehr Bilder auf www.swp.de/schwaebisch_hall Foto: 
  • Die Band Salt City Stompers bei einem Auftritt. Hinten rechts sitzt Karlheinz Maas am Schlagzeug. 2/3
    Die Band Salt City Stompers bei einem Auftritt. Hinten rechts sitzt Karlheinz Maas am Schlagzeug. Foto: 
  • Karlheinz Maas in Aktion als Schlagzeuger der „Salt City Stompers“. 3/3
    Karlheinz Maas in Aktion als Schlagzeuger der „Salt City Stompers“. Foto: 
Nächste Inhalte

Die Original-Einladungskarte, die zum freien Eintritt berechtigte, hütet Karlheinz Maas wie einen Schatz. Es war die Einladung für ein Konzert mit den „Salt City Stompers“ am 25. Februar 1956 im Solbad-Saal – der sich damals auf dem Unterwöhrd an der Stelle des heutigen Biergartens befand. Doch gejazzt wurde in der Salzsiederstadt schon zuvor. Maas, der damalige Drummer der Band, erinnert sich: „Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich eine Gruppe jazzbegeisterter junger Haller Gymnasiasten zusammengefunden, um der Jazzmusik zu frönen. Nach Gründung des ersten Haller Jazzclubs und der Einrichtung eines Jazzkellers in der Gelbinger Gasse wurden dort die ersten Erfahrungen mit dem Jazz gesammelt. 1952 folgte der erste öffentliche Auftritt unter dem Namen ,Swinging Cats’.“

Die Amerikaner konnten "Karlheinz" nicht aussprechen

Dann gründeten sich die „Salt City Stompers“. Geprobt wurde im Musikgeschäft Erlewein am Spitalbach (wo sich heute „Trend-Optik“ befindet) – Klaus Erlewein blies nämlich die Klarinette. Fritz Leonhardt war der Trompeter, Peter Weller der Posaunist. Der damalige Pianist Joe Kienemann, ein Pfarrerssohn, sollte später Karriere als Redakteur beim Bayerischen Rundfunk machen. Mitglieder der Urbesetzung waren auch der Banjozupfer Heinz Feuchter, der Kontrabassist Dieter Teichmann und Karlheinz „Pat“ Maas. „Den Spitznamen ,Pat‘ legte ich mir zu, weil die Amerikaner in den Hessentaler Dolan Barracks ,Karlheinz‘ nicht aussprechen konnten.“

Die „Salt City Stompers“-Mitglieder lauschten der Musik von amerikanischen Schallplatten, speicherten die Melodien, Rhythmen sowie Harmonien im Kopf ab und gaben diese „head arrangements“ auswendig wieder, ohne das Improvisieren zu vernachlässigen. Gedruckte Jazz-Noten zu ergattern – das war damals im Normalfall ein Ding der Unmöglichkeit, von Jazz-Unterricht ganz zu schweigen.

Die ersten Trommelschläge vollführte Maas bei den Siedern, die  Beherrschung des Drumsets brachte er sich autodidaktisch bei. Zudem bediente er als Musik-Profi auch Vibraphon und Gitarre. Das unstete Musikantenleben hatte für „Pat“ ein vorläufiges Ende, als er 1959 hauptberuflich  zur Bausparkasse ging. Nun machte er als Freizeitjazzer weiter.

Die Urformation der Band blieb von Abspaltungen und Umbesetzungen nicht verschont. 1981 wurde ein Neubeginn gestartet. „Pat“ zur Seite standen und saßen nun vor allem Helmut Schaffert (Piano), Helmut Hamberger (Klarinette), Dieter Gunst (Banjo) und Burckhard Gunter (Trompete). Nicht nur für die Band bedeutete es einen herben Verlust, als 2010 der Ex-Schulamtsdirektor Gunter in einem Mexiko-Urlaub verstarb. „Es ist schwierig, im Haller Raum qualifizierte Dixieland-Trompeter zu finden“, sagt Maas. So konnte für einige Engagements der nun in Sindelfingen wohnende Hartmut Gessinger, ein Sohn des in Hall bekannten Komponisten Julius Gessinger, gewonnen werden.

Seit mehr als drei Jahrzehnten jazzt nun Norbert Raidel kontinuierlich mit den Hallern. Bei den Stompers ist er mit der Posaune am Zug, mag jedoch auch zur Trompete wechseln, wenn Personalnot herrscht. Wie Raidel kommen auch der Klarinettist Robert Kern und der Bassist Gerhard Wiederer aus Rothenburg. Und „Pat“ Maas? Er  agiert am Schlagzeug im Hintergrund. Mit ruhiger Hand organisiert der gelernte Polsterer sein Team und die Musik – und setzt sich erst richtig in Szene, wenn er die Stimme seines Idols Louis Armstrong nachahmt und singend durch die Zuhörerreihen wandelt. Die 87 Jahre sind dem Rentner keinesfalls anzumerken. „Musik hält eben jung“, freut er sich.

Vom legendären Quartett des „King of Swing“ schätzt „Pat“ besonders den Vibraphonisten (und Schlagzeuger) Lionel Hampton – dieser schwang übrigens im hohen Alter seine Schlägel ja nur noch im Zeitlupentempo. Als im November letzten Jahres der englische Posaunist Chris Barber, der bereits seit 1954 Bands unter eigenem Namen führt, nochmals im Haller Neubau-Saal auftrat, war Maas auf der Empore ein kundiger und begeisterter Rezipient.

Freilich kommen die „Salt City Stompers“ nicht mit derart komplexen Arrangements daher, wie sie der smarte „Ice Cream“-Mann neuerdings praktiziert. Exzessive und hochvirtuose Solobeiträge sind bei den „Salt City Stompers“ ebenso wenig gewollt. Das mittlerweile klavierlose und deshalb mobile Sextett gefällt durch swingend unterhaltende Musik – mit obligatorischem Drive. Die reguläre Besetzung besteht aktuell aus Gerald Kresse (Trompete), Robert Kern (Klarinette und Altsaxophon), Norbert Raidel (Posaune), Wolfgang Scholz (Gitarre und Banjo), Gerhard Wiederer (Bassgitarre) – und natürlich „Pat“ Maas an den Drums und am Gesangsmikrofon.

Info Die „Salt City Stompers“ treten am Sonntag, 28. August, um 11 Uhr auf dem Einkorn in Hessental auf. Am 22. Oktober spielt die Combo um 15 Uhr auf dem Haller Sparkassenplatz. Die Band im Internet: www.saltcitystompers.de
 

Zur Person

Karlheinz Maas wurde am 7. Juli 1929 in Schwäbisch Hall geboren. Er besuchte das Gymnasium bei St. Michael bis zur mittleren Reife. Es folgte eine Lehre als Polsterer und Sattler im elterlichen Betrieb. Er widmete sich dann der Unterhaltungsmusik. 1956 war Maas Mitbegründer der „Salt City Stompers“.  1959 wurde er bei der Bausparkasse angestellt. Dort war er in der Registratur und dann im Kredit-Bereich als stellvertretender Abteilungsleiter tätig. Er war aktiver Gewerkschafter und Betriebsratsvorsitzender. 1994 ging Maas in den Ruhestand. Seit 1975 wohnt er in Vellberg. Erst im Jahre 2000 unternahm er eine USA-Rundreise, die ihn von New York hinunter zu seinem geliebten New Orleans führte. haku

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

R.Weiss Group: Vom Ein-Mann-Betrieb zum Komplettanbieter

Spezialmaschinenbau: Die R.Weiss Group gehört heute zu den großen Playern in der heimischen Verpackungsmaschinenbranche. weiter lesen