Bundestags-Kandidaten wollen im Alter in vertrauter Umgebung leben

Bei der Podiumsdiskussion in Hall geht es um Verbesserungen in der Pflege und darum, wie zusätzlicher Wohnraum geschaffen werden kann.

|
Die Kandidaten Christian von Stetten (CDU), Harald Ebner (Grüne), Valentin Abel (FDP), Annette Sawade (SPD), Kai Bock (Linke) und Stefan Thien (AfD) stellen sich den Fragen von HT-Chefredakteur und Moderator Marcus Haas (Mitte).  Foto: 

Egal, von welcher Partei: Am liebsten würden alle Bundestagskandidaten im Alter selbstbestimmt in der eigenen Wohnung in vertrauter Umgebung leben. Falls möglich und nötig, sollten Angehörige die Pflege übernehmen. In ein Alten- und Pflegeheim möchte ohne Not keiner.

Doch die Lebensrealität sieht in den allermeisten Fällen anders aus: Demente oder kranke Menschen, die allein nicht mehr zurechtkommen und keine pflegenden Angehörigen haben, leben in einem Alten- und Pflegeheim. Dort arbeiten meist zu wenige Pflegekräfte am Rande des Leistbaren. Die Bezahlung ist niedrig, neue Mitarbeiter kann die Branche nur schwer gewinnen. Übrigens: Ausnahmen bestätigen die Regel. Doch was soll zur Verbesserung getan werden?

Für Kai Bock (Linke) steht die gerechtere Bezahlung der Pflegekräfte im Vordergrund. Zudem müsste mehr Personal eingestellt werden. Finanzieren will das die Linke über eine solidarische Pflegeversicherung, die für alle zur Pflicht werden soll. Auch die Bekämpfung der Altersarmut stehe im Vordergrund. „Wir wollen einen Mindestlohn von 12 Euro pro Stunde, dann hätte ein Arbeitnehmer nach 40 Arbeitsjahren 1050 Euro Rente im Monat.“

„Mit dem Pflegestärkungsgesetz sind wir ein Stück weitergekommen“, erklärt Annette Sawade (SPD). Zudem könnten sich Arbeitnehmer zur Pflege Angehöriger freistellen lassen. Der SPD-Vorschlag für eine gemeinsame Grundausbildung und dann eine Spezialisierung für die Bereiche Pflege oder andere Gesundheitsdienste sei mit dem Koalitionspartner nicht durchzusetzen gewesen. Sie spricht sich dafür aus, die Pflege zu Hause attraktiver zu machen.

Betriebliche Altersvorsorge

Valentin Abel (FDP) hält die Einführung der Pflegegrade für eine gute Sache. Jetzt würden auch Demenzkranke Leistungen aus der Pflegeversicherung erhalten. Um Armut im Alter zu verhindern, spricht er sich für eine Stärkung der betrieblichen Altersvorsorge aus. Auch die private Vorsorge will er stärken. Selbst mit kleinen Beträgen könne  etwas erreicht werden. Dafür wolle die FDP die „immens hohe Abgabenlast der Erwerbstätigen“ senken.

„Das ist Augenwischerei“, entgegnet Harald Ebner (Grüne). Menschen mit niedrigen Einkommen könnten kaum privat vorsorgen. Die betriebliche Altersvorsorge will auch er ausbauen. Jeder Arbeitgeber solle eine Betriebsrente anbieten.

Stefan Thien (AfD) will verhindern, dass das Berufsbild der Pflegekräfte abgewertet wird. Solche Aufgaben dürfe man beispielsweise nicht Arbeitslosen aufbürden. Zudem sollte das Gehalt der in Pflegeberufen Tätigen angehoben werden.

Beim Pflegethema hält sich Christian von Stetten (CDU) als Eigentümer einer Pflegeeinrichtung auf Schloss Stetten bewusst zurück, wie er ausführt. Das halte er auch im Parlament in Berlin so. Eine Verbesserung in der Pflege „geht übers Geld“, das steht für ihn trotzdem fest.

Ein größeres Thema war auch die Schaffung von preiswertem Wohnraum. Um dies zu erreichen, will von Stetten die teils „exorbitant gestiegenen Auflagen“ im Bereich Ökologie und Ausgleichsflächen senken. Ebenso die Grunderwerbssteuer, die Bauen und Wohnen verteuere.

Harald Ebner widerspricht. Nachhaltigkeit müsse die Grundlage des Handelns sein. Die 1988 abgeschaffte Wohngemeinnützigkeit solle wieder hergestellt und sozialer Wohnraum geschaffen werden. Die Grunderwerbssteuer hält er für ein nützliches Regulativ, um Spekulationen mit Wohnraum einzugrenzen.

Auch Valentin Abel will die Grunderwerbssteuer senken und unnötige Auflagen beim Wohnungsbau abschaffen.

Annette Sawade erinnert daran, dass die Gelder für Wohnraumförderung auf 700 Millionen Euro angehoben worden seien. Sie möchte die Gemeinnützigkeit für den Wohnungsbau wieder einführen und den Genossenschaftsgedanken stärken.

Gemeinnützige Wohnungen

Als Befürworter der Grunderwerbssteuersenkung outet sich Stefan Thien. Volksentscheide, die die AfD ohnehin präferiert, könnten auch im Wohnungsbau, beispielsweise bei der Frage der Standorte, zum Tragen kommen.

„Wir brauchen jedes Jahr 250 000 neue gemeinnützige Wohnungen“, meint Kai Bock. Außerdem will er eine echte Mietpreisbremse bei 8,80 Euro je Quadratmeter ziehen. In der Diskussion mit den 16 Teilnehmern der Veranstaltung werden die Themen private Vorsorge und Heimplatzkosten vertieft. Auch die Frage, warum das Geld aus den höheren Zahlungen der Pflegekassen an die Heime nicht beim Personal ankomme, wird gestellt. Da sei die Heimaufsicht gefordert, so die Antwort.

Die Teilnehmer  an der Podiumsdiskussion von HT, Kreisseniorenrat und dem Magazin Leben plus zur Bundestagswahl am 24. September waren: Christian von Stetten, Bundestagsabgeordneter der CDU, Annette Sawade, Bundestagsabgeordnete der SPD, Harald Ebner, Bundestagsabgeordneter der Grünen, sowie die Kandidaten Valentin Abel (FDP), Kai Bock (Linke) und Stefan Thien (AfD).

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Feuerwehrübung: Pflanzenzucht

An den letzten beiden Dienstagen hat die Haller Feuerwehrabteilung Ost den Brand einer Pflanzenzucht geübt. weiter lesen