Jungsiederin Sophie Hartung: Nach dem Spalier zu den Großen

Das ist kein Hobby, sondern eine Leidenschaft, sagt Sophie Hartung über ihre Mitgliedschaft bei den Siedern. Was ihr dieses Brauchtum bedeutet, erzählt sie zwischen "Zwiebelesfisch" und Fackeltanz.

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Strahlende Jungsiederin: Sophie Hartung (15) läuft nach der Taufe am Fischbrunnen unter dem Spalier des Großen Siedershofes durch.  Foto: 

Sie strahlt, als hätte sie nicht gerade sechs Stunden in der prallen Sonne in einer – alles andere als luftigen – historischen Tracht gesteckt. Sophie Hartung sitzt umgeben von anderen jungen Siedern in einem Restaurant in der Gelbinger Gasse und nippt an ihrer kalten Cola. Fast drei Stunden Pause haben sie am Samstagabend, bis es am Marktplatz mit dem Programm des Kuchen- und Brunnenfestes weitergeht. Deshalb wird erst einmal gegessen.

Sophie Hartung ist seit 2004 Tänzerin beim Siedershof. „Es ist eine Familientradition, die bis ins 14. Jahrhundert zurückgeht“, erzählt sie mit einem Leuchten in den braunen, dezent geschminkten Augen. Sie sei da also hineingeboren, könnte sich aber auch nicht vorstellen, nicht Teil dieses Brauchtums zu sein. „Mir gefällt das Familiäre daran, das Zusammensein“, bringt sie es auf den Punkt.

Neben ihr sind auch ihre zwölfjährige Schwester Melissa, ihr Onkel, ihr Großcousin – der erste Hofbursche Tobias Rieger – und einige Cousinen bei den Haller Siedern dabei. Ihre Eltern hätten früher auch dazugehört, hatten mit Sophies Geburt aber nicht mehr ausreichend Zeit, um weiterhin Mitglieder zu sein. Sie wirken aber immer noch im Hintergrund mit – als Teil der Absperrmannschaft beim Siedersfest.

Als Tänzerin hat die 15-Jährige 15 bis 20 Auftritte im Jahr – und das nicht nur vor der eigenen Haustür. „Wir fahren hin und wieder auch nach Stuttgart zum Cannstatter Wasen“, erzählt Sophie begeistert. Die Tänze „Zwiebelesfisch“ und „Trambele“ übt ihr Opa, der Ehrensieder Reinold Elbel, mit den jungen Siedern ein. Jeden Freitag proben sie eine Stunde lang in der Blendstatthalle.

Mit der Taufe am Sonntag gehört Sophie zu den Jungsiedern. Was bedeutet ihr das? „Dass die Tradition weiterlebt“, sagt sie und in ihren Augenwinkeln glänzt es. „Ich kann das gar nicht ausdrücken, so stark ist die Bedeutung für mich.“ Die Taufe heiße für sie, dass ein neues Kapitel beginnt.

Sophie macht weiter, „bis es nicht mehr geht“

Ihren Tanzpartner Arne Hornef hat sich Sophie selbst aussuchen dürfen. „Ich kannte ihn schon von den kleinen Siedern. Er war frei und es hat sich so ergeben, dass wir Tanzpartner geworden sind“, plaudert die Realschülerin aus dem Nähkästchen und blickt zu Arne, der ihr gegenüber am Tisch sitzt. Und wie verstehen sich die beiden? „Wir hassen uns“, meint der 16-Jährige ironisch. „Wir verstehen uns super“, sagt Sophie und lacht fröhlich.

Der nächste Tag: Sophie wird auf dem Marktplatz getauft und damit in den Großen Siedershof aufgenommen. Dabei geht die Taufe etwas anders als in der Kirche von statten. Mit Wasser aus dem Fischbrunnen wird die 15-Jährige zusammen mit sechs anderen jungen Siedern mit Hilfe eines Schwertes nass gespritzt. Ein kurzer Schreck, aber dann lächelt Sophie wieder. Danach stellen sich Mitglieder des Großen Siedershofes zu einem Spalier auf, unter dem die getauften Jungsieder hindurchlaufen.

„Für mich ist ein Traum wahr geworden“, sagt Sophie und strahlt wieder. Für sie ist klar, dass sie die Tradition weiter in Ehren hält, „bis es nicht mehr geht“. Denn sie betont: „Tänzerin bei den Siedern zu sein, ist für mich kein Hobby, sondern eine Leidenschaft.“

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