Jugendliche erobern die Weilerwiese

Die Spiel- und Sportanlagen sind noch nicht offiziell eröffnet. Trotzdem treffen sich Kinder und Jugendliche dort schon im Omnistadion und der Wall-Holla-Anlage zum Spielen.

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Bälle fliegen schon jetzt im Omnistadion über den Platz. Auch ohne offizielle Eröffnungsfeier haben die Jugendlichen dort Spaß.  Foto: 

Spiel ab, Spiel ab“ schallt es im Omnistadion auf der Weilerwiese. Ein Ball saust über den Boden, es folgt ein kurzer Sprint – und Tor. Der kleine Mohammed jubelt. Endlich hat er es geschafft, einen Treffer zu erzielen. Dass das Omnistadion, in dem er Fußball spielt, genau wie die Wall-Holla-Spielanlage daneben noch gar nicht offiziell eröffnet ist, stört an dem sommerlichen Spätnachmittag weder ihn noch die anderen. „Ich bin ziemlich oft hier“, erzählt der kleine Torschütze etwas atemlos, „Hier treffe ich ja immer meine Freunde.“ Auch die anderen Spieler kommen regelmäßig, manche täglich.

Die Spieler, das sind nicht nur Fußballer. Denn in dem „Käfig“ gibt es auch Körbe für Basketball und seitlich Tore für Hockey. „Ich komme hin und wieder her und spiele Basketball“, erzählt der 17-jährige Ody. Dass der Platz als Käfig gestaltet ist, findet er „cool“. „Das erinnert mich an New York.“ Auch die anderen Spieler sagen, dass es sich auf dem Platz gut spielen lässt.

Lange hat’s gedauert

Dabei war der Weg bis zur Fertigstellung lang.  Nach dem Umbau der  Weilerwiese 2008 wurde der Bolzplatz zum Schotterplatz umfunktioniert. Drei Jahre später sollte er eigentlich zurückgebaut werden. Doch es passierte nichts. Um herauszufinden, welche Einrichtungen den Jugendlichen am meisten nützen, ließ die Stadt einige Jugendliche selbst verschiedene Konzepte für die Freizeitanlage ausarbeiten. Die Pläne wurden jedoch immer weiter verkleinert, um Geld zu sparen. Als 2014 der Bau des Ärztehauses beschlossen wurde, waren die Pläne für eine Freizeitanlage zunächst vom Tisch. Bis sie 2015 wieder aufgenommen wurden. Insgesamt soll die Anlage nach Schätzung der Stadt etwa 1,5 Millionen Euro kosten.

Die Investition hat sich offenbar gelohnt, denn fast jeden Nachmittag sieht man Kinder und Jugendliche auf der Anlage spielen. Auch der 17-jährige Ali Reza kommt regelmäßig dorthin. „Ich bin fast jeden Tag hier“, erzählt der Schüler aus Schwäbisch Hall. Oft seien so viele Leute zum Spielen da, dass man bis zu sechs Mannschaften bilden könnte. „Wir spielen dann gegeneinander. Die Mannschaft, die verliert, muss vom Platz, die andere darf bleiben und bekommt einen neuen Gegner“, erzählt er von den Nachmittagen auf der Weilerwiese. Den Platz findet auch er gut gemacht. Besonders toll sei, dass der Ball durch den Käfig nicht in den Kocher fallen könne. Der Basketballer Ody ergänzt: „Früher mussten wir immer unsere Fahrräder so aufstellen, dass der Ball nicht wegrollt. So ist das viel praktischer.“

Kritik an der Anlage

Doch nicht alles finden die Jugendlichen gut. „Das Netz über dem Käfig stört, wenn man Basketball spielen will“, erklärt Ody. Es sei einfach zu nah über dem Korb. Außerdem fehle ein Trinkwasserspender. An heißen Tagen bräuchte man schließlich eine Erfrischung. Trotz der Kritikpunkte kommen Ody, Ali Reza und Mohammed immer wieder her. Hauptsächlich aus einem Grund: Der Platz liegt zentral. „Früher mussten wir nach Michelfeld oder Steinbach fahren, nun ist der Weg viel kürzer“, sagt Ody, der im Teurershof wohnt.

Dass die Sport- und Spielstätte zentral liegt, begrüßen auch die Eltern und Großeltern der Kinder auf der Kletteranlage Wall-Holla. Ihre Schützlinge spielen ausgelassen. „Es macht uns so viel Spaß“, erzählt die Nelli (9) ganz außer Atem und rennt gleich weiter. Denn ihr Klassenkamerad, der zufällig auch da ist, will gefangen werden. So schnell, dass man fast nicht hinterherkommt, klettern die beiden durch die Ebenen und Netze der Anlage.

Die Wall-Holla-Anlage ist ein multifunktionales Spielgerät, das es so bisher nur dreimal in Deutschland gibt. Zwischen zwei Zäunen sind  verschiedene Ebenen und Kletternetze montiert. Die Zäune sind an unterschiedlichen Stellen durch kleine Fensteröffnungen unterbrochen, sodass Eltern bei einem aufgeschürften Knie oder laufender Nase sofort zur Hilfe eilen können. Als Unterlage sind im Boden Kunststoffmatten verbaut, die einen Sturz abfedern. Außen gibt es einen hydraulischen Spielaufzug, der langsam hinunterfährt, wenn die Kinder sich auf die Plattform stellen.

Der Aufzug als besonderes Highlight kommt bei den Kindern bestens an. Nicht nur einmal gibt es Streit, wer als erstes fahren darf. So ist es nicht verwunderlich, dass die Kinder wiederkommen wollen. „Wir waren früher auf dem Spielplatz am Unterwöhrd“, erzählt eine Mutter. „Den  Kindern gefällt es so gut, dass sie  immer wieder hier sind.“

Freigegeben, aber nicht eröffnet

Dass die Anlage noch nicht offiziell eröffnet worden ist, interessiert weder die Eltern, noch die Kinder. „Es ist ja alles offen und fertig, dann dürfen wir hier auch spielen“, sagt Nelli ganz bestimmt. Und so werden bis zur offiziellen Eröffnung vermutlich noch viele Kinder die Anlage erklettern und die Fußballer im Omnistadion etliche Tore schießen und jubeln.

Termin Ein offizieller Eröffnungstermin für die Anlage steht nicht nicht fest. Neben dem Stadion und der Spielanlage soll in diesem Bereich auch das Kocherufer renaturiert werden, um einen attraktiven Aufenthaltsbereich zu schaffen. So soll zum Beispiel eine Fischtreppe im Kocher gebaut werden. Doch die Finanzierung dieses Abschnitts steht noch nicht vollständig. Eine Förderung beim Regierungspräsidium sei beantragt, heißt es von Seiten der Stadt. Der Baubeginn stehe aber noch nicht fest. Sobald die Renaturierung abgeschlossen ist, plant die Stadt eine große offizielle Eröffnung des Areals. leh

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