Jüdische Spuren sichtbar machen

Neun Gemeinden aus den Landkreisen Schwäbisch Hall, Hohenlohe und Main-Tauber bekommen für gemeinsames Projekt 14 600 Euro Zuschuss aus dem Leader-Programm.

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Freuen sich, dass der jüdische Kulturweg gefördert wird: Helmut Limbacher, Vorsitzender des Vereins Regionalentwicklung Hohenlohe-Tauber, Elisabeth M. Quirbach, die Vorsitzende des Rabbinatsvereins,  und Bürgermeister Frank Harsch.  Foto: 

Das ist eine gute Nachricht. Eine sehr gute sogar.“ So bewertet der Braunsbacher Bürgermeister Frank Harsch die Entscheidung des Regierungspräsidiums, die Entstehung eines jüdischen Kulturweges zu fördern. Neun Gemeinden aus drei Landkreisen haben den Antrag gemeinsam an die Leader-Aktionsgruppe Hohenlohe-Tauber gestellt. Das sind Braunsbach, Gera­bronn und Wallhausen aus dem Landkreis Hall; Dörzbach, Krautheim und Schöntal aus dem Hohenlohekreis sowie aus dem Main-Tauber-Kreis Creglingen, Niederstetten und Weikersheim. Ihnen allen ist gemeinsam, dass es in ihnen bis 1942 eine jüdische Gemeinde gab, mit Friedhöfen, Synagogen und teilweise auch
Rabbinatsgebäuden­. Viele der jüdischen Einrichtungen wurden von den Nationalsozialisten zerstört. Bei der Arisierung mussten einige Gemeinden ihren Besitz unter Wert verkaufen. Seitdem werden viele Gebäude anders genutzt, weiß Elisabeth Quirbach, die Vorsitzende des  Braunsbacher Rabbinatsmuseums.

„Die jüdische Vergangenheit hat diese Gemeinden stark geprägt“, erklärt die Geschichtsforscherin. Sie zitiert aus einer Oberamtsbeschreibung um das Jahr 1890. Darin wird von „kosmopolitischem Flair aufgrund des Anteils der israelitischen Bevölkerung“ gesprochen.

Genau daran soll erinnert werden. Quirbach weiß, dass auch aus den USA einige Menschen kommen, die in Hohenlohe auf Ahnenforschung gehen. Ihnen und anderen, die sich für die Geschichte interessieren, soll mit dem Kulturweg die Spurensuche erleichtert werden.

Vor zwei Jahren ist die Idee in Braunsbach geboren worden. Als Vorbild dienten ähnliche Wege in der Schweiz, im österreichischen Burgenland und in Polen.

14 600 Euro stehen jetzt bereit, damit an authentischen Orten mit Informationstafeln auf Menschen und ihre Geschichte  hingewiesen werden kann, um sie vor dem Vergessen zu bewahren. Jede Gemeinde steuert als Eigenanteil etwa 2000 Euro bei.  Damit werden auch Faltblätter, eine Broschüre und ein Internetauftritt erstellt, mit denen man sich intensiver informieren kann. Alle Medien werden mit einem gemeinsamen Logo gekennzeichnet. Die Federführung liegt in Braunsbach. Bürgermeister Frank Harsch kann sich vorstellen, dass die Infotafeln als eine Art Stele aufgestellt werden.

„Das Ziel des Projekts besteht vor allem darin, dass sich viele Orte mit einer jüdischen Geschichte vernetzen und damit der Region einen besonderen Akzent verleihen“, meint Quirbach. Lange Zeit sei man bemüht gewesen, diesen Teil der deutschen Geschichte zu verdrängen. Mit dem Vorhaben solle die Erinnerung an die Vergangenheit und die Verflechtung der christlichen mit der jüdischen Bevölkerung in der Region  gestärkt werden. Auch solle zum gegenseitigen Verständnis beigetragen werden.

Zielgruppe sind alle Menschen, die sich für die Heimatgeschichte der Region, besonders die christlich-jüdische Geschichte, interessieren. Dabei ist zum Beispiel an Schulklassen und Jugendliche gedacht. Wichtig sei die gemeinsame öffentliche Darstellung aber auch für die zahlreichen Nachfahren der ehemaligen jüdischen Mitbürger, denen  die Erinnerung an ihre Vorfahren sehr wichtig sei. Immer wieder kommen sie aus aller Welt, um ihre Spuren und Wurzeln zu suchen, die bei zahlreichen Familien oft in mehreren Orten zu finden sind. Somit stellt der Kulturweg auch einen Beitrag zur Versöhnung dar, erklärt Quirbach.

Info Zur Leader-Förderperiode 2015 bis 2020 gehört das Aktionsgebiet Hohenlohe-Tauber. Das Projekt „Jüdischer Kulturweg“ muss bis zum 30. April 2017 umgesetzt sein. Am Donnerstag treffen sich die 15 Mitglieder der Arbeitsgruppe im Rabbinatsmuseum mit einem Designer, der das Logo gestalten soll.

25.000 Euro, so die Berechnungen, soll das Projekt insgesamt kosten. Das Regierungspräsidium Stuttgart hat bei den Angeboten jeweils die günstigsten herausgesucht. Da nur Gemeinden über Leader gefördert werden, wollen die Organisatoren auch auf Städte wie Schwäbisch Hall und Crailsheim zugehen, die ebenfalls eine große jüdischen Gemeinde hatten.

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