Jauch zeigt Dokumentation über Braunsbachs Unglück

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Vor dem Fernseher saß Waldemar Jauch am 30. Mai letzten Jahres. „Da hab ich gesehen, was in Braunsbach los ist. Und da habe ich mir gesagt, das musst du dir anschauen“, berichtet der Crailsheimer. Zwei Tage später war er das erste Mal im Kochertal, erlebte das Chaos hautnah. Immer mit dabei: seine Filmkamera.

Seit 40 Jahren ist Jauch ambitionierter Kameramann, seit 30 Jahren ist er Mitglied des Film- und Videoclubs Crailsheim. „Mir war gleich klar, dass ich das in Braunsbach alles festhalten muss“, erklärt der 73-Jährige. Bestimmt 50-mal war er nun im Kochertal, hat das aufgezeichnet, was Wasser und Geröll im Ort angerichtet haben.

Mit den Braunsbachern hat er dabei eng zusammen gearbeitet. „Ich hatte das große Glück, dass mir fast alle ihre Handyvideos zur Verfügung gestellt haben, die ich auch in den Film integriert habe“, verrät der Crailsheimer. Das mache sein Werk auch so spannend. Danach hat er viele Gespräche mit diesen Leuten geführt – Interviews direkt vor der Kamera. „Mir war es wichtig, zu zeigen, was passiert ist, und mit vielen Zeitzeugen zu sprechen“, meint er. Er will mit seinem Film verdeutlichen, wie die Menschen denken, fühlen, mit dem Unglück umgehen. Das sei für ihn genauso relevant wie die Dokumentation über das Unglück selbst.

„Bei mehreren Interviews lief es mir kalt den Buckel hinunter, die gingen unter die Haut“, gesteht der 73-Jährige stockend. Es habe viele dramatische Berichte gegeben, viele Erzählungen vor seiner Kamera, die ihn beschäftigt hätten. Und das nicht nur psychisch. Viel Zeit hat der Hobbyfilmer mit dem Material von den Handys, das ihm zur Verfügung gestellt wurde, und den eigenen Szenen verbracht. „Ich zähle gar nicht, wie lange ich daran gearbeitet habe, auch nicht, wie viel Material ich gesichtet habe. Das glaubt mir hinterher eh niemand“, sagt er und schmunzelt.

Er weiß nur, was am Ende mit viel Herzblut entstanden ist – ein rund 70 Minuten langer Film. Er schätzt, dass er rund das dreifache an Material zur Verfügung hatte. „Ich habe das Beste herausgesucht“, meint Jauch – keine einfache Aufgabe.

Klar sei ihm gewesen, wann sein Werk fertig sein muss: Spätestens am 29. Mai, wenn sich das Unwetterunglück zum ersten Mal jährt. Dann soll der Film öffentlich präsentiert werden – und zwar direkt vor Ort.

Dafür hat er den Braunsbacher Bürgermeister Frank Harsch auf seiner Seite, der dafür die passende Atmosphäre schaffen will. „Der Film soll in der zerstörten Burgenlandhalle gezeigt werden“, berichtet der Schultes. Nach einem Gedenkgottesdienst am Abend des 29. Mai haben Interessierte die Gelegenheit, Jauchs Werk dort anzuschauen. Dafür soll der Raum noch provisorisch hergerichtet werden, damit keine Gefahr für die Besucher besteht. „Es wird sicher ein eindrucksvolles Erlebnis sein“, ist sich Harsch bereits jetzt sicher. Das findet auch Jauch: „Das wird eine besondere Sache.“

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