Interesse am Bürger- und Heimatverein erlahmt

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Das Bockrennen zieht nach wie vor. Geändert haben sich die Bekleidungssitten der Zuschauer. Früher ging es in Anzug, weißem Hemd und Krawatte auf den Berg, die Frauen kamen im Kostüm oder Kleid. Das Bild stammt aus dem Jahr 1962.  Foto: 

Es dauert nur ein paar Minuten, den 67 Jahre alten Bürger- und Heimatverein Löwenstein aufzulösen. Lediglich  24 der 124 Mitglieder tauchen bei der letzten Versammlung in der Alten Kelter auf. „Ich hätte erwartet, dass man wenigstens zur Verabschiedung kommt“, sagt Michael Roger, der die Vereinsgeschäfte zuletzt geführt hat.

40 Stühle stehen in der Alten Kelter parat, kalte Platten sind gerichtet. „Dass es so zu Ende geht, ist nicht schön“, erklärt Roger zu Beginn. Keiner der Verantwortlichen tue dies leichten Herzens. Warum der Verein nach 67 Jahren begraben wird, darüber gibt es nicht mehr viel zu sagen. Ein Puzzleteilchen habe sich zum anderen gefügt, so Roger. Manche Themen hätten sich totgelaufen: Roger erklärt dies am Beispiel der Wanderungen, anfangs die Domäne des Heimatvereins, später kamen viele andere Angebote dazu. Und vor allem sei es schwierig gewesen, Menschen zu finden, die sich im Vorstand engagieren.

Bereits vor ein paar Wochen gab es einen Auflösungsversuch, der an der notwendigen Mitgliederzahl bei der Abstimmung scheiterte. Heuer genügte die Mehrheit und bis auf eine Enthaltung heben alle die Hand für das Aus. Zum Liquidator, der den Verein abwickelt und eine Inventarliste erstellt, wird der Vorstand bestellt. „Gibt es noch Fragen? Sonst ist das Vesper eröffnet“, erklärt Michael Roger trocken.

In seinen guten Jahren gehörten dem Verein mehr als 350 Mitglieder an, erinnert sich Richard Betz, der 20 Jahre Vorsitzender und zehn Jahre Schriftführer war. „Mir blutet das Herz“, sagt Betz. Jahr für Jahr seien die Mitgliederzahlen zurückgegangen, Menschen zogen aus Löwenstein weg, starben – die Kinder interessierten sich für anderes. „Es ist die heutige Zeit, da hat man ganz andere Möglichkeiten“, sieht Karlheinz Frisch, ebenfalls früher Vorstand, einen Grund für das Aus. Die Jugend hätte heute andere Vorstellungen von Freizeitgestaltung.

Eines der Felder, die der Heimatverein früher beackert hat, war der 1987 ins Leben gerufene Blumenschmuckwettbewerb. „Da, auf der Treppe, standen unsere Preise“, erinnert sich Sieglinde Kollmar. „Das hier, das ist das Ergebnis aller. Gemeinschaft entsteht nicht durch Couch-Potatoes“, meint Michael Roger leicht resignierend.

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