Innige Chorgebete

Ein ausdrucksvolles und sehr stimmiges Chorkonzert erleben die Konzertbesucher am Samstagabend in St. Michael in Hall. Der Hohenloher Kammerchor singt unter der Leitung von Johanna Irmscher.

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Mitglieder des Hohenloher Kammerchors singen konzentriert. In der Haller Michaelskirche bieten sie ausdrucksstarke geistliche Chormusik aus Musikepochen von Alter Musik bis in die Moderne dar.  Foto: 

Das vielstimmige Ineinandergreifen der Stimmen in Heinrich Schütz' Motette "Nu danket alle Gott" fesselt die Zuhörer gleich zu Beginn des Chorkonzerts. Das sechsstimmige Werk erklingt hervorragend abgestimmt. Der Chorklang erscheint dadurch ausgesprochen klar. Weich getönt und sanft, ja, innig wirkt danach Maurice Duruflés Motette "Ubi caritas et amor". Das "exsultemus" des zweiten Teils geht nur etwas in der Lautstärke darüber hinaus, sodass das Chorwerk sehr verinnerlicht wirkt. Dazu erscheint Ernst Peppings kurze Motette "Gleichnis vom Unkraut zwischen dem Weizen" eher erregt im Ausdruck und nachdrücklich betonend.

Das "Credo" aus der doppelchörigen Messe a cappella von Frank Martin bringt wieder zurückgenommeneres Intonieren, das bis zu beinahe solistischen Kammermusikmomenten reicht. Nach dem schön ausgehauchten "passus et sepultus est" folgt zum "et resurrexit" ein wundervoll lebhaft pulsierender Abschnitt, der zu leichten Klangsteigerungen führt.

Besonders eindrucksvoll gelingt den Chorsängern am Ende Albert Beckers Motette "Bleibe, Abend will es werden". Dazu gehörte etwa das Aufgehen ins Mehrstimmige zum Wort "Tag" in der ersten Strophe, genauso wie die verzweifelten "Wer"-Ausrufe in der zweiten und die "Ach"-Seufzer in der dritten Strophe oder das abgesetzt wiederholte "himmelwärts". Am Ende neigt sich das Chorstück wieder der Ruhe des Anfangs zu.

Zwischen den geistlichen Chorgesängen fügen Cecilia Francesconi und Sibylle Hauk Duos für Flöte und Violoncello als Kontrapunkte ein. Die G-Dur-Invention von Johann Sebastian Bach wirkt nach dem Eingangsgesang von Heinrich Schütz heiter federnd und als kleine Befreiung von vielstimmiger Klangsymbolik.

Ähnlich erscheint das Duo op. 64 von Franz Danzi. Schöne Celloläufe treffen im Variationssatz auf Staccato-Folgen der Flöte. Beide Instrumente sind wunderbar kantabel zu hören, besonders im traurigen Ton der Mollvariation.

Mit Witz gehen die beiden Instrumentalistinnen schließlich Heitor Villa-Lobos' "Assabio a játo", also das Jet-Pfeifen an, das der Komponist im dritten Satz musikalisch ausgedeutet hat. Vorausgegangen sind ein tänzelnder Eingangssatz, gefolgt von ausdrucksvollem Duettieren im Adagio-Mittelsatz. Kraftvoll expressiv bis hin zur Klangschärfe, aber auch durch schwebendes Melodieren bestimmt ist dann die Jet-Imitation zu hören. Dafür und vor allem auch für die Chordarbietungen gab es am Ende herzlichen Beifall von den etwa 300 Besuchern der "Stunde der Kirchenmusik".

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