Im Treppenhaus ist der Teufel los

In einem Haller Mehrfamilienhaus gibt es ständig Krach. Im November hat eine 36-jährige Bewohnerin wutentbrannt die Eingangstür eines älteren Ehepaars eingetreten. Das Haller Amtsgericht rollte den Fall auf.

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Wenn eine ansonsten unauffällige Teilzeit-Verkäuferin am helllichten Nachmittag ihre Wohnung verlässt und einen Stock tiefer die Tür von Mitbewohnern demoliert, dann hat ein solcher Vorgang eine Vorgeschichte. Vor dem Haller Amtsgericht war der Grund schnell gefunden: Die Hausbewohner sind sich seit Jahren nicht grün.

Sie schieben sich gegenseitig die Schuld zu für diversen ruhestörenden Lärm in ihrem Haus am Teurershof. Mal sind es die Stöckelschuhe der jetzt angeklagten Verkäuferin, die durch das Treppenhaus hallen und das ältere Ehepaar im mittleren Stockwerk aus dem Schlaf reißen.

Die Eheleute hadern aber auch mit dem morgendlichen Kinderlärm von unten. „Um sechs Uhr mach' ich mir Ohrstöpsel 'rein!“, berichtet der 73-jährige Mann. Unter ihnen wohnt eine junge Familie.

Die beiden Alten haben keine Verbündeten im Haus. Die angeklagte 36-Jährige aus dem zweiten Stock und die gleichaltrige zweifache Mutter aus dem Erdgeschoss ziehen an einem Strang. Die Angeklagte klagt über rollende und kratzende Geräusche aus der Wohnung des Senioren-Paares. Immer wieder werde mit einem Besenstiel von unten an die Decke geklopft.

Mit Besentstiel an die Decke geklopft

Als Zeugin berichtet die Frau aus dem Erdgeschoss ebenfalls wenig Erbauliches. Einmal habe die Seniorin von oben Duftspray auf das Fleisch gesprüht, das sie auf der Terrasse habe grillen wollen. Und angeblich hat die Ältere schon einmal mutwillig Blumenerde im Treppenhaus verstreut.

Am Nachmittag des 11. November gab es einen besonders lauten Schlag im Haus: Da hat die Verkäuferin wuchtig gegen die Wohnungstür der Seniorenpaars getreten. Die 36-Jährige gibt diese Attacke zu. Sie habe sich nach der Arbeit nicht ausruhen können vor lauter Lärm von unten. Auf ihr Klopfen an der Tür habe die ältere Mitbewohnerin nicht reagiert. Sie beteuert: „Ich wollte nicht die Tür eintreten. Ich wollte mich nur bemerkbar machen!“

Die Tür ist längst ersetzt, aber von der Rechnung hat die Angeklagte erst 400 Euro bezahlt. Das Gericht vernimmt die geschädigte Bewohnerin als Zeugin zu dem Vorfall. Die 69-jährige Hausfrau zieht als erstes ein Holzstück aus der Tasche: Das sei ihr aus der demolierten Tür „entgegengeflogen“. Ein Klopfen oder Klingeln habe sie nicht gehört. Im übrigen, so die Hausfrau, habe es vor drei Jahren schon einmal einen Gerichtsprozess gegeben. Der Grund: Die Angeklagte habe behauptet, sie – die Zeugin – sei eine „Schnalle“. Die 69-Jährige stellt klar: „Sie hat verloren!“

Jetzt werden im Treppenhaus Videos gedreht

Bis heute wird das Treppenhaus zum Treffpunkt der beiden zerstrittenen Frauen. Die Verkäuferin hält neuerdings manche Begegnung zu „Beweiszwecken“ mit ihrem Handy fest. „Mit der Kehrwoche hab' ich Videos“, sagt sie zu der Älteren im Gerichtssaal. „Sie machen doch gar keine Kehrwoche!“, hält die Seniorin spontan dagegen.

Am Ende sieht Richter Brunkhorst eine „gewisse Ausnahmesituation“, die zu dem massiven Tritt gegen die Tür geführt haben könne. Er verwarnt die Verkäuferin und gibt ihr auf, weitere 400 Euro als Schadenswiedergutmachung an das betroffene Ehepaar zu leisten. Hält sie sich nicht daran, droht ihr eine reguläre Geldstrafe wegen Sachbeschädigung in Höhe von 900 Euro.

Bei allem Zwist sind sich die drei Parteien dieses Wohnhauses in einem Punkt doch einig: Das Haus sei viel zu hellhörig. Und es sind nicht nur die Stöckelschuhe, die dem Ehepaar im mittleren Stockwerk auf die Nerven gehen. Für den 73-jährigen Mann reicht schon die normale Hausarbeit der Verkäuferin aus: „Wenn sie saugt, dann geht es mit Gerümpel und Getose los!“

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