Im Landkreis wird's eng - Unterbringung von Asylbewerbern schafft Probleme

Die weiterhin steigenden Flüchtlingszahlen stellen den Landkreis vor große Herausforderungen. Das Landratsamt fordert daher mehr Geld aus Stuttgart und aus Berlin schnellere Verfahren.

|
Vorherige Inhalte
  • In Crailsheim hat der Landkreis ein neues Heim für Asylbewerber gebaut. Trotzdem wird es langsam eng im Kreis: Es werden laufend neue Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge gesucht. 1/2
    In Crailsheim hat der Landkreis ein neues Heim für Asylbewerber gebaut. Trotzdem wird es langsam eng im Kreis: Es werden laufend neue Unterbringungsmöglichkeiten für Flüchtlinge gesucht. Foto: 
  • 2/2
Nächste Inhalte

776 Flüchtlinge leben zurzeit im Landkreis (Stand Mitte März). Nach Angaben des Landratsamts kommen die Menschen, die im Landkreis Hilfe suchen, zum Großteil aus Afghanistan, Eritrea, Pakistan, Syrien, Gambia, Sri Lanka, Mazedonien, Russland, Bosnien, Serbien und dem Kosovo. Doch es werden immer mehr. Mit rund 70 Neuzugängen monatlich rechnet das Landratsamt, das für die Unterbringung der Asylbewerber zuständig ist.

Kreis hat keinen unbegrenzten Platz für Unterbringung zur Verfügung

Das bedeutet für die "vorläufige Unterbringung" - also bis zu einer Anerkennung oder Ablehnung des Asylantrags -, dass im laufenden Jahr 840 Flüchtlinge neu im Kreis untergebracht werden müssen, erklärt Steffen Baumgartner, Pressesprecher des Landkreises. Das birgt Probleme, denn unbegrenzt Platz zur Unterbringung steht dem Kreis nicht zur Verfügung.

"Größere Kontingente an freien Plätzen haben wir nicht", sagt Baumgartner. "Wir bauen unsere Kapazitäten durch neue Anmietungen und Eigenbauten aber ständig aus. Bislang konnten wir unsere Aufnahmequote erfüllen, stoßen dabei jedoch zunehmend an unsere Grenze." Dabei werden in Zukunft wohl alle Kreisgemeinden damit rechnen müssen, Flüchtlinge aufzunehmen. Das hänge aber auch von der weiteren Entwicklung der Zugänge ab.

Der Landkreis wünscht sich mehr Hilfe von der Politik. "Wir brauchen dringend die Unterstützung aus Stuttgart und aus Berlin. Die Flüchtlingsunterbringung ist Aufgabe des Landes", sagt Baumgartner. Die dafür vorgesehene Pauschale für den Landkreis sei nicht ausreichend. Das bedeute, dass der Landkreis einen Teil der Unterbringung von Flüchtlingen mit eigenen Mitteln finanzieren müsse. "Wir fordern daher eine Spitzabrechnung mit dem Land." Damit meint Baumgartner, dass die tatsächlich angefallenen Kosten genau abgerechnet werden sollen. "Vom Bund erwarten wir dringend eine weitere Beschleunigung des Asylverfahrens. Ferner fordern wir eine weitere Erleichterung des Arbeitsmarktzugangs", so Baumgartner.

Zusätzliches Geld wird auch an einer anderen Stelle benötigt: Zurzeit sind sieben Sozialarbeiter für die Betreuung von Asylbewerbern im Einsatz. Durch die steigenden Aufnahmezahlen müsse man aber weiteres Personal einstellen, heißt es in einer Vorlage für den in der kommenden Woche tagenden Kreisausschuss für Soziales, Gesundheit und Schulen.

Keine fremdenfeindliche Stimmung im Landkreis

Gefährdungslage Eine fremden- und flüchtlingsfeindliche Stimmung, wie sie zurzeit vor allem im Osten der Republik zu beobachten ist, registriert man im Landratsamt nicht. "Hassmails oder Drohungen haben wir bislang nicht erhalten. Die Sozialarbeiter haben ebenfalls noch keine solchen Erfahrungen gemacht", sagt Steffen Baumgartner, Pressesprecher des Landratsamts. Insgesamt erlebe man eine ruhige Situation im Kreis, auch dank der Mitarbeiter vor Ort sowie der ehrenamtlichen Unterstützung aus der Bevölkerung. Das für den Landkreis zuständige Polizeipräsidium Aalen sieht ebenfalls keine erhöhte Gefährdungslage. "Tröglitz hatte keine Auswirkungen. Wir haben auch eine andere Bevölkerungsstruktur", sagt Polizeipressesprecher Bernhard Kohn. Das sei analysiert worden. Man wisse zwar, dass es immer "einzelne Dummköpfe gibt", das behalte man bei der Polizei auch immer im Hinterkopf. Man beobachte aber in der Region eine Kultur der Integration. Die "kleinteilige Unterbringungsstruktur" mache sich bezahlt. Trotzdem würden die Unterkünfte zu unregelmäßigen Zeiten von Streifen angefahren. "Eine lückenlose Überwachung gibt es nicht", so Kohn. Bei den meisten Einsätzen, bei denen die Polizei bislang zu Unterkünften gerufen worden ist, habe es sich um interne Streitereien gehandelt.

NOA

Konten für Asylbewerber - Unterbringungskapazitäten

Konten Seit Anfang des Jahres wird die finanzielle Unterstützung der Asylbewerber direkt auf ein eigenes Konto des Hilfeempfänger überwiesen. "Die Umstellung auf Girokonten wurde zu großen Teilen bereits umgesetzt. Zu beachten ist, dass die Eröffnung eines Kontos freiwillig ist und nicht jeder Asylbewerber auf Grund der gesetzlichen Maßgaben die ausreichenden Identifikationspapiere im Sinne des Geldwäschegesetzes besitzt", erklärt Steffen Baumgartner vom Landratsamt. Bislang seien durch die Flüchtlinge (damit sind sowohl Einzelpersonen als auch Familien gemeint) im Landkreis 270 Konten eröffnet worden. "Die Erfahrungen sind sehr positiv. Bei den Auszahlungen gibt es keinerlei Probleme", so Baumgartner. In erster Linie solle das ausgezahlte Geld den Asylbewerbern die Grundversorgung und die "Teilhabe am sozio-kulturellen Leben" sichern.

Zahlen Im Landkreis können nach jetzigem Stand 827 Asylbewerber untergebracht werden. In Crailsheim ist Platz für 216, in Gaildorf für 170, in Blaufelden für 122 und in Schwäbisch Hall für 115 Flüchtlinge. In Fichtenau für 57, in Ilshofen für 52, in Rot am See für 29 und in Braunsbach für 22. Für 19 Aslybewerber ist Platz in Schrozberg, in Langenburg und Kirchberg jeweils für 10 und in Frankenhardt für 5 Personen. noa

SWP

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

„OB trägt die Verantwortung“

Haus Sonnengarten: Der Gemeinderat beschließt eine neue Richtung für privatrechtliche Beteiligungen der Stadt. Pelgrim wird von Fraktionssprechern aus Reihen von SPD und Grünen nochmals heftig kritisiert. weiter lesen