Im Jahr 1806 brechen andere Zeiten an

Die Menschen stehen im Mittelpunkt: Der zweite Band des Mainhardter Geschichtsbuchs von Dr. Heike Krause wird in der Mainhardter Waldhalle vorgestellt.

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Co-Autor Daniel Stihler und Heike Krause beim Signieren des Geschichtsbands.  Foto: 

Ich wollte kein Buch nur fürs Regal und zum Verstauben schreiben, sondern für alle Mainhardter“, sagt Autorin Heike Krause in der gut gefüllten Waldhalle. Dort präsentiert sie ihr zweites Geschichtsbuch ­
„…seit Mainhardt württembergisch ist“. Etwa 80 Besucher sind zu der Feierstunde gekommen. Fast eben so viele Bücher werden noch am gleichen Abend verkauft. Historische Gassenhauer singen und spielen die Gmender Geigerla. Seit dem Frühjahr machte die Mainhardter Archivarin Krause in Veranstaltungen auf die neuere und neueste Geschichte Mainhardts neugierig und stellte dabei Aspekte aus den 19 Kapiteln vor. Das Buch hat 324 Seiten.

Revolutionäre Erfindungen

Nach 300 Jahren Herrschaft der Hohenloher waren 1806 andere Zeiten angebrochen. Nicht mehr Lebensalter oder Jahrhunderte, sondern nur noch Jahrzehnte sollten fortan die politischen Herrschaftsverhältnisse andauern. Die Zeit wurde immer schnelllebiger. Im Bereich der Technik gab es revolutionäre Erfindungen. So erzählt der zweite Band von Kriegen, vom Volksstaat Württemberg, von der nationalsozialistischen Zeit sowie von den Neuanfängen bis hin zur Gründung des Bundeslandes Baden-Württemberg am 25. April 1952 und von den Auswirkungen in Mainhardt. Regionale Menschengeschichten zu Reibereien mit der Obrigkeit, Alltagssorgen oder Zitate aus der Gemeinde und ihren Teilorten beleben den Stoff.

So seien 1855 Teilgemeinden Mainhardts unter Amtsaufsicht gestellt worden – Holzdiebstähle und Prostitution wurden den Anwohnern vorgeworfen. Rebellen – besser bekannt als Mainhardter Räuber –, Tänzerinnen und Gendarmen treten nun auf. Sie stehen auch stellvertretend für gelebte Mainhardter Geschichte. Die Recherche zum historischen Hintergrund des Laienschauspielstücks „Aufstand im Mainhardter Wald“ machte Krause. „Da sehen Sie, was damals los war“, schmunzelt sie nach dem schauspielerischen Intermezzo und zitiert das Oberamt mit einem Passus von 1861: „…sie fügen sich nur sehr ungern der gesetzlichen Ordnung, ihr Volkscharakter ist so rau wie das Gebirge, das sie bewohnen.“

Am 20. Mai 2015 hatte der Gemeinderat einstimmig für die Fortsetzung des Buchs gestimmt. Da der erste Band ein „Bestseller“ war, dessen Erst- und Nachdruck schnell ausverkauft war, habe sich die Gemeinde entschieden, vom Folgeband 500 Exemplare drucken zu lassen. Auch der erste Band ist wieder erhältlich. „Engagierte Menschen braucht’s, die in staubigen Archiven recherchieren“, sagt er zu Krause, um hinzuzufügen: „Aber in unserem ist es hell und sauber.“ Die Danksagungen gelten den acht Sponsoren, darunter einheimische Firmen und Stiftungen, den Bildgebern, dem Gemeinderat sowie Co-Autor Daniel Stihler, der zwei Kapitel geschrieben hat.

„Als Mainhardter gehört es sich, dass man das Buch kauft“, ist Renate Fischer überzeugt. Aus ihrer Tasche lugt ein Exemplar. Manuela Wegener hat den neuen Band gleich zweimal genommen, einen verschenkt sie. „Da ist auch mein Opa drin, der Kaufmann Friedrich Rau“, erzählt sie. Gustav Löffelhardt hat sich das erste und das zweite Buch gekauft, er will sich endlich Zeit nehmen, die Ortshistorie zu lesen. „Sie kann Geschichte unterhaltsam erzählen wie in einem Roman“, lobt Helmut Fischer die Autorin.

Fortsetzung bis zur Gegenwart

„Die Anfänge gehen bis ins Jahr 2011“, blickt Dr. Heike Krause zurück. 2013 erschien der erste Band bis zum Jahr 1806, heuer der zweite bis zur Gegenwart. Viel Zeit habe Krause in den Archiven mit der Auswahl und der Transkription der Quellen verbracht. Am Ende musste sie sieben Kapitel streichen, sonst wäre das Buch zu umfangreich geworden. Es hat nun 100 Seiten mehr als sein Vorgänger. „Die anderen Kapitel werden aber auch veröffentlicht“, verspricht Dr. Heike Krause.

Das Geschichtsbuch von Heike Krause gibt es im Mainhardter Rathaus sowie bei Haushaltswaren Kübler für 20 Euro zu kaufen. Sponsoren sind die VR-Bank-Stiftung Schwäbisch Hall-Crailsheim, die Sparkassenstiftung Schwäbisch Hall, Geschichts-Werkstatt Schwäbisch Hall, Adga Adolf Gampper GmbH, Eugen Notter GmbH, Schreiber Brücken-Dehntechnik GmbH, Mack GmbH, Mack Gewerbepark (alle Mainhardt), Bildleihgeber Sieglinde Merkle (Gailsbach), Rolf Müller (Mainhardt), Klaus Schumm (Hütten), Erna Weiß (Ziegelbronn) und Hans Wieland (Streithag).

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